© O. Rauhut, LMU_SNSB
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Das elfte Fossil des Urvogels steht in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München.
Eine Variation des Urvogels
Das Präparieren des Fossils erforderte an die 1000 Stunden Arbeit
Das zuletzt entdeckte, elfte Exemplar des Urvogels Archaeopteryx wurde nun analysiert - und die Studie zeigt Überraschendes.
Alle bisherigen Fossilien des Urvogels wurden im Solnhofener Archipel im heutigen Altmühltal in Bayern entdeckt, zuletzt im Jahr 2010. Dieses elfte Fossil war allerdings in mehr als 500 Stücke zerbrochen - die Forscher haben an die 1000 Stunden Arbeit investiert, um es zusammenzusetzen und zu präparieren. Der Münchner Paläontologe Oliver Rauhut hat das jüngste Exemplar nun anatomisch analysiert: Es handelt sich um das geologisch älteste bekannte Fossil, wie die Studie belegt.

Der Urvogel zeigt Variationen wie ein jurassischer Darwinfink
Dieses Fossil hat viele Merkmale, die man bislang von Archaeopteryx nicht kannte. „Sie zeigen unter anderem, wie ähnlich der Urvogel den fortschrittlichen Raubsauriern ist“, sagt Rauhut. Zudem stellte der Forscher nun bei der anatomischen Analyse des elften Fossils fest, dass die verschiedenen Exemplare der Gattung Archaeopteryx eine beachtliche Variation zeigen.

"Auffällig ist insbesondere die starke Variation in der Bezahnung und somit möglicherweise im Nahrungserwerb - keine zwei Exemplare zeigen das exakt selbe Muster", so Rauhut. "Dies erinnert an die berühmten Darwinfinken und ihre Variation in der Schnabelform. Vielleicht hatte sich bereits der Urvogel nach seiner Ankunft im Solnhofener Archipel auf den verschiedenen Inseln rasch in zahlreiche spezialisierte Arten aufgespalten und stellt somit sozusagen einen jurassischen Darwinfinken dar."

Neue Methode ermöglicht einfacheres Zuordnen
Rauhut stellte in der aktuellen Studie erstmals eine Diagnose vor, wie sich der Urvogel von anderen fortschrittlichen Raubdinosauriern unterscheiden lässt. Und das war auch notwendig - denn viele Funde vogelähnlicher Raubsaurier in den vergangenen Jahren, vor allem in China, hatten eine eindeutige Zuordnung schwieriger gemacht. Mit seiner biogeographischen Untersuchungsmethode hatte der Paläontologe auch kürzlich gezeigt, dass der vermeintlich allererste Fund eines Archaeopteryx-Fossils aus dem Jahr 1861 in Wirklichkeit gar kein Urvogel ist. Demnach gibt es nun elf Exemplare statt wie bisher angenommen zwölf.

Info
Der bayerische Urvogel
Archaeopteryx, der älteste bekannte Vogel, lebte vor 150 Millionen Jahren in einer subtropischen Landschaft aus Inseln und Lagunen im heutigen Bayern, das damals von einem flachen Meer bedeckt war, den nördlichen Ausläufern des Urmittelmeeres.