Marmorkrebs © dpa
</i>Procambarus virginalis</i> vermehrt sich explosionsartig.
Procambarus virginalis vermehrt sich explosionsartig.
Klone aus dem Aquarium
Marmorkrebse pflanzen sich vollkommen ohne Männchen fort
Der Marmorkrebs ist ein global gefürchteter Vielfraß. Sein Markenzeichen klingt nach Horrorfilm: Die Plage besteht nur aus Klonen. Das ergab die Entschlüsselung des Erbgutes der Art.
Alle Tiere der Art stammen von einem einzelnen Weibchen ab. Forscher haben das Erbgut von elf Tieren entziffert, die aus deutschen Zoohandlungen und Badeseen sowie aus Madagaskar stammten. Dabei konnten sie zeigen, dass alle untersuchten Krebse über ein identisches Genom verfügen. Männchen sind bei den Marmorkrebsen unbekannt, die Fortpflanzung läuft über eine Jungfernzeugung (Parthenogenese). Dabei entstehen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen, denen durch bestimmte Hormone eine Befruchtung quasi vorgespielt wird.

Blattläuse und Wasserflöhe, aber auch manche Fisch- und Eidechsenarten vermehren sich auf diese Weise. Der Marmorkrebs (Procambarus virginalis) ist der einzige bekannte Flusskrebs, der sich durch Parthenogenese fortpflanzt - und das explosionsartig. Im Zwölf-Wochen-Rhythmus können die Tiere bis zu 500 Eier produzieren. Der Flusskrebs mit dem namensgebenden braun marmorierten Panzer hat sich so besonders im afrikanischen Inselstaat Madagaskar zur gefräßigen Plage entwickelt, die den Reisanbau ebenso bedroht wie die heimische Flora und Fauna.

Die Art wurde in Gefangenschaft gezüchtet
Die Art wurde erst in den 90er Jahren in deutschen Aquarien entdeckt. Ihr genauer Ursprung kann allerdings nicht mehr rekonstruiert werden. DNA-Analysen ergaben, dass es sich um eine Form des nordamerikanischen Everglades-Sumpfkrebses (Procambarus fallax) handelt.

Der Marmorkrebs breitete sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr in freier Wildbahn aus - auch, weil Angler den Krebs als Lebendköder in Gewässer einschleppten. Er wurde zudem ausgesetzt oder die Toilette hinuntergespült. Die in der Regel etwa zwölf Zentimeter langen Tiere bedrohen heimische Krebsarten nicht nur aufgrund der Futterkonkurrenz, sondern auch, weil sie Träger der Krebspest sind.

Das Team um den Molekularbiologen Frank Lyko und den Bioinformatiker Julian Gutekunst stellte nicht nur die gemeinsame Herkunft der untersuchten Krebse und sehr wenige Mutationen in ihrem Erbgut fest, sondern konnten auch Aussagen über ihre rasante Ausbreitung treffen. Der Lebensraum der Krebse auf Madagaskar hat sich Feldforschungen zufolge innerhalb von zehn Jahren von 1000 auf 100.000 Quadratkilometer ausgedehnt. Diese schnelle Entwicklung erstaunt, zumal die Krebse dabei eine große Anpassungsfähigkeit bewiesen. In Deutschland seien die Tiere sowohl in Badeseen mit sehr hohem als auch in solchen mit sehr niedrigem Säuregrad zu finden, sagte Lyko, in Madagaskar sowohl auf der Hochebene als auch in tieferen Regionen. Eigentlich bedeute eine derartige Vielfalt an Lebensräumen das Entstehen von verschiedenen, genetisch angepassten Subspezies. Das sei aber beim Marmorkrebs nun eben nicht der Fall.

Die Krebse können sich vielmehr mit Hilfe sogenannter epigenetischer Mechanismen schnell anpassen. Dabei lagern sich im Laufe des Lebens kleine Schalter an die Erbgutstränge, die Gene an- oder ausschalten.

Literatur
Gutekunst J et al (2018) Clonal genome evolution and rapid invasive spread of the marbled crayfish. Nature Ecol. & Evol., doi:10.1038/s41559-018-0467-9
Der Marmorkrebs
Er ist dann mal da
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