Erlegte Wildschweine © dpa
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820.000 Wildschweine wurden 2017/2018 geschossen, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Immer näher
Landwirte fürchten hohen wirtschaftlichen Schaden
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher. Kürzlich waren erste Fälle der Krankheit in Belgien entdeckt worden.
Nur rund 60 km von der deutschen Grenze entfernt wurden in Belgien Mitte September die ersten Fälle gemeldet: Fünf tote Wildschweine, die an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendet sind.Mittlerweile gibt es 70 bestätigte ASP-Fälle in Belgien. Die Wälder, in denen die toten Tiere gefunden wurden, sind nun Sperrzone. In diesem Gebiet werden alle Wildschweine geschossen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Auch wenn sich bislang kein Hausschwein infiziert hat, erleiden die belgischen Bauern große Verluste. Denn Länder, in denen die Afrikanische Schweinepest gemeldet wurde, dürfen ihr Schweinefleisch nicht mehr außerhalb der EU exportieren.

Auch in Deutschland bereiten sich die Behörden auf erste Krankheitsfälle vor. Im Jagdjahr 2017/2018 sind aus Sorge vor einer Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest bundesweit deutlich mehr Wildschweine geschossen worden: Insgesamt waren es rund 820.000, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg. In der EU sind den Angaben zufolge in diesem Jahr bisher bereits etwa 5200 Ausbrüche der Schweinepest bei Haus- und Wildschweinen bekannt geworden. Nach den ersten Fällen in Belgien fürchten auch die Landwirte in Deutschland hohen wirtschaftlichen Schaden, wenn sich die Krankheit in ihren Ställen ausbreitet.

Was passiert im Seuchenfall?
Sollte die Afrikanische Schweinepest in Deutschland auftauchen, werden bei Ausbrüchen in Schweinehaltungen die betroffenen Bestände getötet und Sperrbezirke eingerichtet. Der Deutsche Jagdverband und das zuständige Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben einen Katalog für unterschiedliche Szenarien bei Wildschweinen (Land, Stadt, viele Schweineställe) entwickelt. Grundsätzlich sind dabei drei Zonen um den Fundort geplant: ein Kerngebiet von etwa 200 Hektar um den Fundort des Tieres, ein gefährdeter Bezirk von etwa 100.000 Hektar und eine Pufferzone von etwa 1,2 Millionen Hektar.

... im Kerngebiet?

Um zu vermeiden, dass infizierte Tiere aus dem Kerngebiet auswandern und die Seuche verbreiten, gilt dort ein striktes Jagdverbot. Um das Gebiet wird ein Zaun - bestehend aus einem elektrischen Flatterband mit einem Vergrämungsmittel - errichtet, um kranke und auch symptomfreie Wildschweine im Gebiet zu halten und so die Durchseuchung zu ermöglichen. Jäger suchen mit Hunden das Gebiet nach toten Wildschweinen ab.

... im gefährdeten Bezirk?

In diesem Gebiet wird intensiv gejagt, um die Wildschweindichte deutlich zu reduzieren. Helfer suchen nach Kadavern und damit möglichen Infektionsquellen. Überreste von toten Wildschweinen aus der Kernzone und dem gefährdeten Bezirk werden in gesonderten Kadavertonnen entsorgt.

... in der Pufferzone?

Erhöhter Jagddruck mit Drückjagden, gegebenenfalls mit Hubschraubern, Drohnen und Wärmebildkameras zum Aufspüren von Rotten. Im gefährdeten Bezirk und der Pufferzone werden geltende Jagdregeln wie die Einhaltung von Schonzeiten außer Kraft gesetzt.

Spielt die Wildschweindichte eine tragende Rolle?
Umstritten ist, ob vermehrte Jagd Ausbrüche von ASP verhindern kann. Der Bauernverband und der Jagdverband wollen, dass mehr Wildschweine als bislang geschossen werden. Eine geringere Dichte führe auch zu einer niedrigeren Ansteckungsgefahr, sollte die Seuche ausbrechen. Der Wildtierökologe Sven Herzog hält dagegen: "Wildschweine kommen nicht für die Fernausbreitung in Frage". Die Tiere lebten sehr lokal und legten keine großen Strecken zurück. "Die Fernausbreitung geschieht ziemlich sicher durch den Menschen, so der Wissenschaftler. Die Wildschweindichte spiele dabei so gut wie keine Rolle.

Wie kam die Afrikanische Schweinepest nach Europa?
Das Virus hat einen weiten Weg zurückgelegt - 2007 kam es aus Afrika nach Georgien und breitete sich von dort aus über Russland und das Baltikum bis nach Tschechien und Polen aus. Im November 2017 gab es Infektionsfälle in Zlin südlich von Prag und der Region Warschau. Besonders Reisende, Pflegekräfte, Saisonarbeiter und Lkw-Fahrer sollten dringend darauf achten, keine Wurst- und Fleischwaren nach Deutschland mitzubringen, appelliert der Bauernverband. In Belgien wird auch die Übertragung der Seuche durch Soldaten vermutet.

Info
Was ist die Afrikanische Schweinepest?
Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektion, die ursprünglich aus Afrika stammt. Infizierte Schweine sterben in der Regel nach etwa einer Woche. Das Virus überträgt sich über direkten Kontakt, aber auch über verseuchte Fleischwaren. Das Virus ist dabei sehr robust, Tiere können sich sogar beim Fressen von Wurstresten anstecken. Das kann etwa passieren, wenn ein Brötchen mit Wurst eines infizierten Tieres von Lkw-Fahrern an einem Rastplatz entsorgt und von Wildschweinen gefressen wird. Für Menschen ist das Virus harmlos.