erlegte Wildschweine © dpa
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Dem Wildschwein rücken Jäger jetzt vermehrt auf den Pelz.
Sündenbock Wildschwein
Ausweitung der Jagd bringt wenig gegen Schweinepest
Um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, fordert der Deutsche Bauernverband, 70 Prozent der Wildschweine im Land abzuschießen. Dem widersprechen Ökologen - und auch Schweinehalter.
Was ist die Afrikanische Schweinepest?
Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektion, die ursprünglich aus Afrika stammt. Das Virus überträgt sich über direkten Kontakt, aber auch über verseuchte Fleischwaren. Infizierte Schweine sterben in der Regel nach etwa einer Woche.

Das Virus ist dabei sehr robust, Tiere können sich sogar beim Fressen von Wurstresten anstecken. Das kann etwa passieren, wenn ein Brötchen mit Wurst eines infizierten Tieres von Lkw-Fahrern an einem Rastplatz entsorgt und von Wildschweinen gefressen wird.

Wie kam die Afrikanische Schweinepest nach Europa?
Das Virus hat einen weiten Weg zurückgelegt - 2007 kam es aus Afrika nach Georgien und breitete sich von dort aus über Russland und das Baltikum bis nach Tschechien und Polen aus. Im November 2017 gab es Infektionsfälle in Zlin südlich von Prag und der Region Warschau.

Ist infiziertes Schweinefleisch gesundheitsschädlich?
Für Menschen ist das Virus harmlos. Dennoch müssen Schweine in Betrieben, in denen die Krankheit ausbricht, unmittelbar getötet werden - genauso wie infizierte Wildschweine.

Wie kann der Ausbruch der Seuche verhindert werden?
Laut Bauernverband ist das Risiko hoch, dass das Virus über die Grenzen zu Tschechien und Polen nach Deutschland kommt. Und zwar nicht durch infizierte Wildschweine aus den osteuropäischen Ländern, sondern vor allem durch Menschen. Daher müssten besonders Reisende, Pflegekräfte, Saisonarbeiter und Lkw-Fahrer dringend darauf achten, keine Wurst- und Fleischwaren nach Deutschland mitzubringen, appelliert der Bauernverband.

Essensreste dürften an Raststätten nicht einfach in der Natur entsorgt werden, da Wildschweine sich sonst anstecken könnten. Der Bauernverband ruft dazu auf, an allen Parkplätzen und Raststätten vor Tieren verschlossene und sichere Mülltonnen anzubringen und diese regelmäßig zu entleeren.

Können Jäger den Ausbruch der Seuche verhindern?
Der Bauernverband und der Jagdverband wollen, dass mehr Wildschweine als bislang geschossen werden. Eine geringere Dichte führe auch zu einer niedrigeren Ansteckungsgefahr, sollte die Seuche ausbrechen, sagt Bauernverbands-Vizepräsident Werner Schwarz.

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der höchsten Wildschweindichte. 2017 wurden bereits mehr als 610.000 Tiere erschossen, der Bestand verringerte sich dem Bauernverband zufolge aber dennoch nicht. Daher fordert der Verband die Tötung von 70 Prozent aller Wildschweine.

Was sagt die Wissenschaft?
"Wildschweine kommen nicht für die Fernausbreitung in Frage", sagt der Wildökologe Sven Herzog. Die Tiere leben sehr lokal und legen keine großen Strecken zurück. "Die Fernausbreitung geschieht ziemlich sicher durch den Menschen“, so Herzog. Die Wildschweindichte spielt dabei so gut wie keine Rolle.

Was soll die Politik tun?
Der Jagdverband wie auch der Bauernverband fordern, bestimmte Schonzeiten bei der Jagd aufzuheben. Bislang ist etwa die Jagd während bestimmter Monate oder die Jagd auf Muttersäue nicht erlaubt.

Der Jagdverband hält ein Jagdverbot in bestimmten Naturschutzgebieten für "kontraproduktiv", sagt Vize-Geschäftsführer Torsten Reinwald. Es solle aber auch weiterhin kein Muttertier erschossen werden, deren Nachwuchs sich nicht selbst versorgen könne, betont Bauern-Vizepräsident Schwarz.

Die Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag (SPD) dagegen sieht in einigen dieser Forderungen "blinden Aktionismus". Sie rief Bund und Länder auf, "den Transitverkehr stärker zu kontrollieren, Regelverstöße konsequent zu sanktionieren" und bestehende Wildzäune in den Grenzregionen zu reparieren. Auch Tierschutzaktivisten argumentieren, dass es vornehmlich Menschen seien, die die Ausbreitung der Krankheit vorantrieben.