Nobelpreismedaille für Physik
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So schnell wurde selten eine Entdeckung gewürdigt: Der Nobelpreis für Physik geht an die Entdecker von Gravitationswellen.
Schwingende Raumzeit
Nobelpreis für Physik 2017 für den Nachweis von Gravitationswellen
Der Nobelpreis für Physik 2017 geht an Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne von der Ligo-Kooperation für den Nachweis der Gravitationswellen schwarzer Löcher.
Barry Barish ist heimatverbunden. Geboren 1936 im US-Bundesstaat Nebraska, kam er als Kind nach Kalifornien. In den 50er Jahren begann Barish sein Studium an der University of California in Berkeley. 1963 wechselte er an das California Institute of Technology wenige Autostunden weiter südlich in Los Angeles, wo er seitdem - seit mehr als einem halben Jahrhundert - lehrt und forscht, inzwischen als Professor Emeritus. Der Physiker hat dutzende Preise gewonnen und so viele wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht, dass er auf seiner Webseite nur eine Auswahlliste anzeigt, die allein schon mehrere Seiten lang ist. Als "schlaksig, ausgeglichen und mit sanfter Stimme" beschrieb das Magazin Science den 81-Jährigen einmal. Barish habe das Ligo, das speziell für den Nachweis von Gravitationswellen gebaut wurde, zwar nicht erfunden, aber in den 80er Jahren erst so richtig zum Funktionieren gebracht, sind sich viele Experten einig. © epa Barry Barish
Kip S. Thorne hat so viele Preise gewonnen, dass er sie auf seiner Webseite in unterschiedlichen Kategorien aufführt: Ehrendoktorwürden zum Beispiel, Auszeichnungen für Lehre, wissenschaftliches Schreiben, Filme und schließlich auch noch «ganz normale» Wissenschaftspreise. 1940 als Kind zweier Professoren im US-Bundesstaat Utah geboren, ging Thorne zum Studium erst nach Los Angeles, dann an die Elite-Universität Princeton an die Ostküste. In den 60er Jahren wurde das "California Institute of Technology" seine hauptsächliche berufliche Heimat. 2009 ging Thorne, der zum zweiten Mal verheiratet ist und zwei Kinder hat, dort in den Ruhestand, "um eine neue Karriere in den Bereichen Schreiben, Film und fortdauernde wissenschaftliche Forschung voranzutreiben". © epa Kip Thorne
Er liebe klassische Musik und spiele gelegentlich Klavier - aber nur zum eigenen Vergnügen, sagte Rainer Weiss einmal über seine Hobbys. Seine wirkliche Leidenschaft sei die Wissenschaft: "Die Physik ist mein Beruf und mein Hobby". Geboren wurde Weiss 1932 in Berlin als Sohn eines jüdischen Arztes und einer christlichen Mutter, die, wie er sagte, mit der Wahl ihres Berufs als Schauspielerin gegen ihre Familie rebellierte. Die Nazi-Herrschaft hatte den Vater - einen "idealistischen Kommunisten" - aus Deutschland bereits nach Prag vertrieben. Die Mutter folgte nach der Geburt des Sohnes. Von Prag aus wanderte die Familie schließlich in die USA aus. 1939 erreichte sie New York. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Weiss am Forschungszentrum MIT. Er beschäftigte sich zunächst mit der Entwicklung von Atomuhren, bevor er sich der Erforschung der Gravitationswellen widmete. © epa Rainer Weiss

Weiss ist gebürtiger Deutscher. Er erhält die Hälfte des Preisgeldes, Barish und Thorne teilen sich die andere. "Jeder der Preisträger von 2017 war mit seinem Enthusiasmus und seiner Entschlossenheit von unschätzbarem Wert für den Erfolg des Ligo", hieß es von den Juroren. "Die Pioniere Rainer Weiss und Kip Thorne haben zusammen mit Barry Barish - dem Forscher, der das Projekt vollendete - gewährleistet, dass vier Jahrzehnte der Forschung darin mündeten, dass schließlich Gravitationswellen beobachtet werden konnten."

Die US-Physiker Kip Thorne und Rainer Weiss entwickelten seit den 70er Jahren die grundlegende Technik, mit der die Wellen gemessen wurden. Barry Barish perfektionierte die Technologie. Forscher wollen die Gravitationswellen nutzen, um mehr im All zu erspähen als je zuvor.

"Eine neue Ära"
Computersimulation © ligo_laboratory
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"Vor 400 Jahren hat Galileo ein Teleskop auf den Himmel gerichtet. Ich glaube, wir tun heute etwas ähnlich Wichtiges. Wir eröffnen eine neue Ära", hatte Ligo-Direktor David Reitze nach dem ersten Nachweis gesagt.
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Hintergrund: Der Nachweis Schwarzer Löcher

Der Raumzeit auf der Spur
Mann
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Karsten Danzmann vom Max-Planck-Institut Hannover erklärt, was Gravitationswellen für die Erforschung des Alls bedeuten.
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Die ruhige Lisa
Grafik © dpa
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Die Satelliten-Mission "Lisa Pathfinder" zur Vorbereitung eines Gravitationswellen-Observatoriums ist nach Angaben des verantwortlichen Forscherteams erfolgreich gestartet.
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Reaktionen: "Nobelpreis musste kommen"

Für den US-amerikanischen Physiker Kip Thorne (77) gab es nie Zweifel, dass der Nachweis von Gravitationswellen eines Tages den Nobelpreis wert sein würde. "Das ist eine der größten wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahre", sagte er wenige Stunden nach der Bekanntgabe der diesjährigen Gewinner, zu denen auch Thorne gehört. Überrascht sei er lediglich, vom Nobelpreiskomitee "unter Tausenden von beteiligten Physikern" ausgewählt worden zu sein, sagte Thorne. "Da hatte ich in gewisser Weise Glück. Denn es ist nicht meine Entdeckung." Seine Rolle habe sich auf die Vorbereitung und Anfangsphase des Ligo-Projektes beschränkt. "Den wahren Erfolg hatten jüngere Kollegen, die die Experimente durchführten", sagte er. "Ich bin dennoch sehr geehrt".

Der frisch gekürte Physik-Nobelpreisträger Rainer Weiss glaubte zuerst selbst nicht, dass seinem Team der Nachweis von Gravitationswellen tatsächlich gelungen war. "Wir brauchten zwei Monate, bis wir wirklich überzeugt waren", sagte der 85-Jährige in einem Telefonat nach Bekanntgabe seines Nobelpreises. "Inzwischen bin ich völlig überzeugt." Die Entdeckung werde "eine neue Wissenschaft ermöglichen". In Zukunft könnten Forscher "noch tiefer und tiefer ins Universum schauen", sagte der gebürtige Deutsche mit US-Pass voraus. Es gebe noch "eine Vielzahl an Dingen zu entdecken". "Inzwischen bin ich auch angezogen", sagte Weiss, den das Nobel-Komitee kurz vor der Bekanntgabe der Preisträger in den USA aus dem Bett geklingelt hatte. Die Auszeichnung für den Nachweis der Gravitationswellen kröne die mehr als 40 Jahre lange Arbeit von Tausenden Forschern.

Nobelpreise 2017
"And the winner is ..."
Seit Montag werden die diesjährigen Nobelpreisgewinner bekannt gegeben. Wir stellen vor, was die Forscher in der Medizin, Biologie, Physik und Chemie geleistet haben.
Glossar
Das Gravitationswellen-Observatorium Ligo
Ligo ("Laser-Interferometer-Gravitationswellen-Observatorium"), ist in den USA für den Nachweis von Gravitationswellen gebaut woren.
Glossar
Gravitationswellen
Wenn sich besonders schwere Materie durch das All schwingt wie Schwarze Löcher oder Neutronensterne, dann biegt sich der Raum unter diesen Wellen.
Glossar
Schwarzes Loch
Auch Sterne müssen sterben, denn die gewaltigen Gasmassen einer Sonne werden dadurch "aufgeblasen", dass sie in ihrem Inneren vor allem Wasserstoff zu Helium "verbrennen".
Glossar
Die Schwerkraft (Gravitation)
Die Schwerkraft (Gravitation nach lateinisch gravis = schwer), ist die schwächste der vier natürlichen Grundkräfte.