Mann mit EEG
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In Bielefeld wollen Forscher herausfinden, was im Gehirn bei Versprechern geschieht.
Zunge zwischen Keller und Kühlschrank
Neurolinguistiker auf den Spuren typischer Versprecher
Versprecher entstehen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns, weiß der Bielefelder Neurolinguistiker Horst Müller.
Bedeutungsfehler zeigen sich in den Hirnströmen in den höheren Frequenzen. Geht bei der Artikulation etwas schief, sind es die unteren. "Manche Versprecher sind wahrscheinlicher als andere", sagt Müller. "Sowohl Kühlschrank als auch Keller sind Aufbewahrungsorte für Lebensmittel. Somit besteht eher Verwechslungsgefahr."

Versprecher finden sich vor allem im Broca-Zentrum. Dieses ist ein wichtiges Sprachgebiet im Gehirn, das als motorisches Sprachzentrum das Sprechen steuert. Es ist auch für die Fähigkeit verantwortlich, flüssig und ausdrucksvoll zu sprechen. Sagt man etwas, dessen Bedeutung nahe an einem fast gleichzeitig gehörten Wort liegt, wird eine Region weiter hinten im Gehirn aktiviert: im linken Gyrus lingualis und im rechten Gyrus fusiformis. Wird ein ähnlich lautendes Wort gehört, so sind für diese phonologischen Phänome die vorderen Areale aktiver, besonders das Wernicke-Zentrum. Die Wernicke-Region liegt hinter den Ohren und ist speziell für die Auswertung von Geräuschen zuständig.

Bis zu 50.000 Wörter speichert das Gehirn in seinem Lexikon. Die Vorstellung des "Lexikons" im Gehirn als Netzwerk erkläre laut Linguisten die typische Situation, wenn ein Begriff "auf der Zunge liegt". Dann fehle an einem der vielen Verbindungspunkte im Netzwerk die nötige Energie, um zum Begriff vorzustoßen. Das Wissen über Wortbedeutungen ist an verschiedenen Stellen in einem System miteinander verbundener Punkte über die Großhirnrinde zerstreut und nicht an einem bestimmten Punkt im Hirn festgelegt.

Im Gespräch
VideoEine große Leistung
Eine neue Sprache zu lernen ist für das Gehirn Schwerstarbeit, erläutert der Leizpiger Kognitionspsychologe Tomás Goucha: Es muss sich die Strukturen selbst erarbeiten. (Beitrag vom 19. Januar 2017)