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So viel Orang-Utan-Nachwuchs - ein Traum, dem durch ausgefeilte Methoden nachgeholfen werden kann.
Videodating im Zoo
Die Idee zum Verkuppeln per Video wurde auf Borneo geboren
Partnersuche im 21. Jahrhundert - Apps wie Tinder gehören längst dazu. Matching per Foto oder Video funktioniert aber auch bei Affen, wie ein Versuch des Stuttgarter Zoos zeigt.
"Man sieht, wenn Affen sich verlieben", sagt Willi Smits von der Borneo Orangutan Survival Foundation. "Sie zeigen starke Reaktionen auf andere Tiere, auch auf deren Aussehen. Das Erbgut von Menschen und Orang-Utans ist nahezu identisch, warum sollten wir uns also genau in dem Punkt unterscheiden", so Smits. Er ist überzeugt: Die Partnerwahl bei Orang-Utans per Foto oder Video funktioniert. Mit dieser Methode könnten Orang-Utans im Zoo verkuppelt werden, so seine Idee.

Tatsächlich gab es in Deutschland bereits einen ersten Versuch Orang-Utans per Video zu verkuppeln. Zwei Orang-Utan Weibchen, Conny und Sinta, bekamen im Stuttgarter Zoo die Videoaufnahmen zweier Männchen gezeigt. "Als wir den Damen die Video-Schleife von Gempa, einem Orang-Mann, gezeigt haben, hat Sinta Conny zur Seite gedrängt und sich die Aufnahmen etwa 15 Minuten sehr interessiert angeschaut", beschreibt Marianne Holtkötter, Kuratorin am Stuttgarter Zoo, die Reaktion. Orang-Utan-Dame Sinta wird daraufhin in den belgischen Zoo Pairi Daiza umgesiedelt. Hier trifft sie ihr "Video-Herzblatt" Gempa. Die Verpaarung hat auf Anhieb geklappt: Sinta wurde bereits mehrfach gedeckt, der Zoo hofft auf baldigen Nachwuchs.

Conny, das andere Orang-Utan-Weibchen, wurde ebenfalls umgesiedelt und lebt nun zusammen mit Orang-Mann Tuan im Tierpark Hagenbeck. Dort sieht es allerdings nicht nach einem Happy End aus. Conny und Tuan sind zwar interessiert, aber bisher ist keine Paarbildung zu beobachten.

Noch fehlt ein übergreifendes Forschungsprojekt zum Videodating
Die Weltnaturschutzunion IUCN hat Borneo-Orang-Utans auf ihrer Roten Liste als „vom Aussterben“ bedroht eingestuft. Nicht nur in freier Wildbahn gibt es immer weniger von den Menschenaffen, auch die Nachzucht in Zoos ist äußert schwierig -– daher auch die unkonventionelle Partnersuche. „Orang-Utans sind sehr sensibel. Und daran, dass ihre Geburtenrate nicht kontinuierlich steigt wie bei anderen Menschenaffen, sehen wir, dass wir etwas noch nicht verstanden haben“, erklärt Marianne Holtkötter.

Bisher fand die Verpaarung in Zoos ausschließlich auf dem Papier statt. Die Genetik war entscheidend. Das könnte sich mit dem Video-Dating ändern. Was noch fehlt, ist ein bundesweites Forschungsprojekt: Festgelegte Merkmale, die die Reaktion der Orang-Utans auf das Video-Dating auswerten. Besteht Interesse oder eher nicht? Aktuell diskutiert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Orang-Utans, kurz EEP, darüber, ihre offiziellen Empfehlungen um das Video-Dating zu erweitern.

Interview
Mehr wilde Liebe im Zoo
Die Liebesgeschichte zwischen zwei Orang-Utans - Sinta und Gempa - könnte zum Vorbild für viele Zoos werden. Marianne Holtkötter, Kuratorin im Zoo Stuttgart, erklärt warum.
Liebesglück bei Tieren
Zu dritt oder zu sexy
Liebesbeziehungen von Tieren sind vielfältig: Die einen leben zu dritt, die anderen in einer Fernbeziehung oder in Homo-Ehe. Manche Arten verschmähen auch ein Zuviel an Attraktivität.
Glossar
Great Ape Project
Das "Great Ape Project" hat das Ziel, den großen Menschenaffen Grundrechte zuzugestehen: das Recht auf Leben, auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit.