Smaragd © ap
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Dank einer DNA-Kennung lässt sich die Herkunft von Edelsteinen sicher bestimmen.
Herkunft einwandfrei nachweisbar
Mehr Transparenz, weniger Kriminalität: Mittels synthetischer DNA kann die Herkunft von Edelsteinen fälschungssicher markiert werden.
Smaragde, Saphire oder Rubine gehören zu den begehrtesten und neben den Diamanten zu den wertvollsten Edelsteinen. Einen internationalen Standard, der den Handel mit den Steinen regulieren würde, gibt es bisher nicht. In aufwendigen gemmologischen Verfahren lässt sich zwar die Herkunftsregion eines Edelsteins bestimmen, nicht aber die Mine, in der er abgebaut wurde. Wer sicher sein will, dass der Smaragd um den Hals beispielsweise nicht den Taliban Geld in die Tasche spülte, muss darauf vertrauen, dass der Schmuckhändler die genaue Herkunft des Steins kennt.

Eine neuartige Technik, die an der ETH Zürich entwickelt wurde, hat die Forscher vom "Gübelin Gem Lab" auf eine Idee gebracht, die dieses Problem der Branche lösen könnte. Forscher um ETH-Professoren Robert Grass und Wendelin Stark haben nämlich ein fälschungssicheres Etikett im Nano-Bereich entwickelt. Es basiert auf einem kurzen Stück künstlicher DNA, das in eine stabile Hülle eingebaut wird. Auf der DNA können praktisch beliebig viele Informationen zum markierten Produkt gespeichert werden. Ziel der ETH-Forscher ist, den Marker in der Lebensmittel-, Parfüm- und Erdölindustrie einzusetzen, um hochwertige Produkte fälschungssicher zu machen.

In Zusammenarbeit mit den ETH-Forschern ist es im Gübelin-Labor gelungen, die Methode entsprechend für Farbedelsteine zu adaptieren. Die ungeschliffenen Steine werden noch in der Mine mit dem DNA-Label versehen. Die sicher verpackte, künstliche DNA enthält Informationen wie beispielsweise Name der Mine, Datum und Herkunftsland. Damit kann die Herkunft des Steins, auch wenn er längst in ein Schmuckstück verarbeitet worden ist, mit einem einfachen Gentest nachgewiesen werden.

Für viele Minenbetreiber, die sich der nachhaltigen und fairen Produktion verschrieben haben, ist dies ein wichtiger Schritt, um sich gegen Mineure und Händler abzugrenzen, die sich an keine Standards halten. Gemfield, einer der weltweit grössten Anbieter von Smaragden und anderen Edelsteinen, will die neue Technologie als erster anbieten. Aber auch NGOs sind an der Methode interessiert. Denn gerade kleine Minen, bei denen die Mineure am Gewinn beteiligt sind, könnten von einer entsprechenden Herkunftsgarantie profitieren. Nachteil der Methode: Die Herstellung des DNA-Labels ist ziemlich teuer. Damit sich das kleine Minenbetreiber leisten können, müssten sie sich zusammentun.

Hintergrund "Konfliktdiamanten"

Mit "Blutdiamanten" (auch "Konfliktdiamanten") haben Rebellen in mehreren Ländern Afrikas in den 90er Jahren Bürgerkriege finanziert. Besonders in Sierra Leone, Liberia, Angola und der Demokratischen Republik Kongo brachten Aufständische Minen unter ihre Kontrolle und finanzierten mit Diamanten-Schmuggel ihre Waffenkäufe. Terrororganisationen wie El Kaida nutzten illegale Edelsteinexporte für die Geldwäsche. Nach Schätzungen machten Blutdiamanten im Jahr 2000 etwa 3,7 Prozent des weltweiten Rohdiamantenumsatzes aus. Bei einem Handelsvolumen von 7,5 Milliarden Dollar waren das 280 Millionen. Nach anderen Angaben kamen bis zu 15 Prozent der Ware im internationalen Diamantenhandel aus illegalen Quellen.

Nach weltweiten Protesten vereinbarten Regierungen, Firmen und Organisationen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen den im Jahr 2003 in Kraft getretenen "Kimberley-Prozess". Mit dem in der südafrikanischen Stadt Kimberley beschlossenen System aus Herkunfts- Zertifikaten wollen 71 Länder sowie alle wichtigen Zentren für Förderung, Verarbeitung und Handel den Weg der Edelsteine "von der Mine zum Finger" lückenlos belegen. Der Schmuggel von Rohdiamanten zur Kriegsfinanzierung soll so unterbunden werden. Hilfsorganisationen kritisieren Lücken im Kimberley-System durch Korruption und unzureichende Kontrollen.

Doch obwohl ein komplexes Zertifikatesystem den Handel mit Blutdiamanten unterbinden soll, bleibt der Handel mit Edelsteinen stellenweise problematisch. Zentralafrika ist reich an Diamanten und Gold und der fünftgrößte Edelsteinexporteur der Welt. Seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 kommt das trotz allem verarmte Land jedoch nicht zur Ruhe. In politischen Auseinandersetzungen spielten Blutdiamanten, mit denen Machthaber sich finanzierten, immer wieder eine Rolle. Rund um die Edelsteinminen des Landes treiben zudem kriminelle Banden ihr Unwesen.

Glossar
Diamanten und Karat
Chemisch bestehen Diamanten aus Kohlenstoff - genau wie der Grafit aus Bleistiftminen. Allerdings ist die Anordnung der Kohlenstoffatome beim Diamanten deutlich anders.
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