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Tote Wale im Watt © dpa Video
Die toten Wale beschäftigen die Forscher (Beitrag vom 24. Februar 2016)
Tod in der Nordsee
Pottwale haben sich vermutlich verirrt
Futtermangel ist nicht der Grund für den Tod der seit Anfang 2016 an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale. Warme Wassertemperaturen und Stürme könnten die Ursache sein.
Die an den Nordseeküsten verendeten 29 Pottwale waren nach vorläufigen Untersuchungsergebnissen weder krank noch ausgehungert. "Ich vermute, dass die zu dieser Jahreszeit sehr heftigen Stürme und wahrscheinlich erhöhte Wassertemperaturen im Nordostatlantik dafür verantwortlich sein können, dass sich die Jungbullen in die Nordsee verirrten", sagte der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Ähnlich äußerte sich Professor Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Siebert leitet außerdem das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung.

Lupe
Professor Siebert und Kollegen nehmen Proben.
Piatkowski und sein Team untersuchen zurzeit die Mageninhalte von Pottwalen, die an der schleswig-holsteinischen Küste strandeten. "Als vorläufiges Ergebnis steht fest, dass die Pottwale sich zu 99 Prozent von zwei Tintenfischarten (dem Nordischen Köderkalmar und Europäischen Flugkalmar) ernährt haben, die in der Norwegischen See, im Barentsmeer und den Gewässern bei Island vorkommen. Der Köderkalmar lebt eigentlich nicht in der Nordsee, der Flugkalmar kommt nur äußerst selten dort vor", berichtete der Experte.

Pottwale waren gut genährt
Die Pottwale seien offensichtlich gut genährt gewesen. "In einem Pottwal fanden wir die Ober- und Unterkiefer (Schnäbel) von etwa 10.000 Tintenfischen. Gemäß der Größe dieser Schnäbel, aus der man Größe und Gewicht der Kalmare ableiten kann, hatte der Wal wohl in etwa drei Tonnen Tintenfisch gefressen." Etwa ein Bestand von einer Million Tonnen wird allein für den Köderkalmar in der Norwegischen See vermutet, "das große Fressen hat dort stattgefunden", sagte der Wissenschaftler. "Alles war wir fanden, hatten die Pottwale mindestens drei Tage zuvor gefressen." Jetzt gehe es in die Detailanalyse, um zu klären, ob möglicherweise auch Reste von Kraken und Kalmaren, die in der Nordsee leben, sowie von in der Nordsee heimischen Fischen in den Pottwalmägen gefunden werden.

Auch Ursula Siebert ist der Ansicht, dass am ehesten hydrographische Ursachen die Wale in die Nordsee gelenkt hätten. "Dies könnte auch zur Folge haben, dass die Nahrung weiter südlich anzutreffen war und die Pottwale den Tintenfischen gefolgt und dann in die Nordsee geraten sind."

Flache See kann zur Falle werden
"Als tödliche Falle für Pottwale ist die oft nur weniger als 50 Meter tiefe Nordsee schon seit langem bekannt", erklärte Piatkowski. Denn die Meeressäuger jagen in große Tiefen von 500 bis 1000 Meter - dort, wo in der Norwegischen See die in den Mägen gefundenen Tintenfischarten in großen Konzentrationen auftreten. "Das Sonarsystem der Pottwale versagt bei Tiefen unter 50 Metern, es ist für das Navigieren in der Tiefsee prädestiniert." Dass Schallfrequenzen von Schiffen oder Windkraftanlagen in der Nordsee die Tiere irritiert haben könnten, hält der Wissenschaftler für unwahrscheinlich. "Seit dem 16. Jahrhundert sind Pottwal-Strandungen in der Nordsee dokumentiert - da gab es noch keine Motorschiffe oder Windparks."

Seit Januar 2016 strandeten nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer insgesamt 29 junge Pottwale in der südlichen Nordsee: 13 an der schleswig-holsteinischen und drei an der niedersächsischen Küste, je sechs in den Niederlanden und in Großbritannien und ein Tier bei Calais in Frankreich.

Glossar
Pottwal
Pottwale gehören zu den größten Säugetieren der Welt. Ihr Name leitet sich aus ihrer Kopfform ab, die vierkantig wie ein Topf (niederländisch: pot) ist.
Mediathek
VideoEin Pottwal für Gießen
Gießen soll die Heimat eines Pottwals werden - zumindest die seiner Überreste. Das riesige Skelett soll in einem Hörsaal stehen. (Beitrag vom 19. Januar 2016)
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© dpaVideoGestrandete Wale
Die toten Wale wecken viel Interesse (Beitrag vom 15. Januar 2016)