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Forscher mit Schädel in der Hand © Peter Schmid,Will Harcourt-Smith Video
Homo naledi soll alles im Griff gehabt haben
Mit Hand und Fuß
Homo naledi konnte Werkzeuge bedienen
Der im September der Weltöffentlichkeit vorgestellte Urmensch Homo naledi konnte mit seinen Händen offenbar auch Werkzeuge bedienen.
© apLupe
© apLupe
© Charles MusibaLupe

In einer Höhle in Südafrika gefundene Handgelenks- und Daumenknochen ließen auf Hände schließen, die teilweise Ähnlichkeiten mit denen des Neandertalers und des heutigen Menschen hätten, so Forscher um die Anthropologin Tracy Kivell. H. naledi habe damit kräftig greifen und Steinwerkzeuge bedienen können.

Zugleich seien die Fingerknochen stärker gebogen als bei den meisten älteren menschlichen Fossilien, etwa beim Urmenschen Lucy. Dies deute darauf hin, dass Homo naledi seine Hände noch dazu benutzt habe, in Bäumen zu klettern. Diese Mischung aus menschenähnlichen und primitiveren Merkmalen lasse darauf schließen, dass H. naledi komplexe Tätigkeiten mit Werkzeugen ausgeübt, sich aber zugleich immer noch teilweise in Bäumen fortbewegt habe.

Die Forscher werteten für ihre Studie knapp 150 Handknochen aus, die in der Höhle Rising Star im Nordwesten von Johannesburg in Südafrika gefunden worden waren. Darunter waren Fossilien einer beinahe kompletten Hand.

Entdecker vermuten sogar ein Begräbnisritual
Wegen des Fundorts nehmen die Forscher an, dass die Toten bewusst abgelegt wurden. Dass Verstorbene bestattet werden, galt bislang als Ritual des modernen Menschen, Homo sapiens. Doch andere Szenarien seien wohl ausgeschlossen, hieß es. Da die Knochen relativ unbeschadet sind, sei unwahrscheinlich, dass Raubtiere oder Wasser die Körper in die Kammer befördert haben. Die wenigen nichtmenschlichen Fossilienteile dort stammen demnach von zufällig in die Kammer geratenen Mäusen und Vögeln.

Besonders erfreulich für die Wissenschaft: In der Kammer fanden sich fast alle Knochen mehrfach, berichtet Teamleiter Lee Berger. Daher sei Homo naledi der Wissenschaft schon jetzt besser bekannt als alle anderen fossilen Vertreter der menschlichen Abstammungslinie. Er war demnach etwa 1,50 Meter groß und wog 45 Kilogramm. Einen "sehr grazilen Körperbau" bescheinigen ihm die Forscher - und ein nur etwa orangengroßes Gehirn.

Homo naledis Schädel, Zähne, Schultern und Becken ähnelten zwar den frühesten Vertretern unserer Gattung. In anderen Punkten sahen die Forscher aber auch "überraschend menschenähnliche" Eigenschaften: Die Füße etwa seien kaum von denen eines modernen Menschen zu unterscheiden.

Der Name der möglichen neuen Art ist eine Hommage an den Fundort: Die Höhle heißt "Rising Star", aufgehender Stern. Und "Naledi" bedeutet in der in Südafrika regional gesprochenen Sprache Sesotho "Stern".

Forscher streiten um die neue Menschenart
Forscher mit Schädel in der Hand © ap Lupe
Homo naledi eine neue Menschenart erkennen
Andere Anthropologen haben Zweifel angemeldet, ob es sich bei Homo naledi wirklich um eine neue Menschenart handele. "Das Material ist fantastisch", sagte der Züricher Anthropologe Christoph Zollikofer zu dem Fund. "Die daraus abgeleiteten zwei Hauptthesen allerdings sind fragwürdig." Dass eine neue Art gefunden wurde, die zudem auch noch ihre Toten beerdigte, sei eine tolle Geschichte - die aber auf tönernen Füßen stehe. "Einer wissenschaftlichen Überprüfung hält das nicht stand."

Die Knochen zeigten "verblüffende Übereinstimmungen" zu denen, die bei Fossilien des frühen Homo erectus in Georgien gefunden wurden - etwa bei Beinen und Füßen. Wahrscheinlich seien die Knochen aus der Höhle dieser Art zuzuordnen, vermutet Zollikofer.

Die These, es habe eine Art Bestattung der Toten gegeben, zweifelt Zollikofer dagegen an: "Seit deren Tod ist extrem viel Zeit vergangen, auch relativ unwahrscheinlich Wirkendes kann in so langer Zeit passieren." Das habe sich schon bei anderen zunächst spektakulär wirkenden Fundsituationen gezeigt. Es sei fatal, Hinweise so vorschnell überzuinterpretieren.

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Literatur
Berger LR et al (2015) Homo naledi, a new species of the genus Homo from the Dinaledi Chamber, South Africa. DOI: 10.7554/eLife.09560.031
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