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DNA © ap Video
Eine uralte Methode macht jetzt Furore (Beitrag vom 14. März 2016)
Fluch oder Segen
Erbgut-Manipulation beim Menschen wird einfacher
"Man kann die Evolution beschleunigen", freut sich der Gaterslebener Pflanzengenetiker Dr. Götz Hensel über DNA-Manipulation via Crispr / Cas9.
Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wertet Crispr / Cas9 als großen Schritt. "Das ist eine Methode, die sehr präzise arbeiten kann, die hohes Potenzial hat, als Werkzeug in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt zu werden."

"Keine Wirkung ohne Nebenwirkung", warnt dagegen der einstige Greenpeace-Experte Christoph Then vor der neuen Methode. Crispr / Cas9 erlaubt im Prinzip auch genetische Veränderungen in menschlichen Spermien, Eizellen oder Embryonen. Das weckt zwar Hoffnung, bestimmte Erbkrankheiten zu heilen. Allerdings ist unklar, welche Konsequenzen das nach sich zieht.

Im März 2015 sorgten US-Forscher mit der Ankündigung für Aufsehen, mit Crispr / Cas9 Insekten so zu verändern, dass sie keine Krankheiten mehr auf den Menschen übertragen können - beispielsweise Malaria-Mücken. Die Tiere würden ihre neue Eigenschaft an ihren Nachwuchs vererben. Ganze Populationen wären in relativ kurzer Zeit modifiziert.

Chinesen manipulieren DNA eines Embryos
Im April 2015 präsentierten chinesische Forscher eine viel kritisierte Studie, der zufolge sie mit Crispr / Cas9 einen Embryo genetisch manipuliert haben. Könnte daraus ein Mensch werden, würden die Veränderungen an seine Kinder weitergegeben, die Manipulationen wären erblich.

Bei den chinesischen Experimenten tauchten viele Probleme auf. Dennoch gelten sie als erster Vorstoß in diese Richtung, mit vielen Unwägbarkeiten und Problemen. Der Widerstand ist schon in diesem Frühstadium enorm. "Die Konsequenzen sind im Grunde nicht absehbar", sagt Hacker. "Wir wollen doch nicht mit Embryonen experimentieren. Das wäre furchtbar." Zu viele wissenschaftliche Fragen seien noch offen.

Hacker spricht sich, wie viele seiner deutschen Kollegen, für ein weltweites Moratorium aus, bis die Folgen solcher Eingriffe besser erforscht sind. Auch viele US-amerikanische Experten - wenn auch nicht alle - sind dafür. In den beiden Fachblättern "Science" und "Nature" erschienen kritische Kommentare zu Experimenten an der menschlichen Keimbahn. An die Forscherwelt wurde appelliert, freiwillig auf solche Experimente zu verzichten. In Deutschland sind sie ohnehin bereits untersagt.

Emmanuelle Charpentier entdeckte winzige "Schere"
DNA © colourbox.de Video
Molekularbiologen haben eine uralte Methode für moderne Gentechnik entdeckt (Beitrag vom 5. Mai 2015)
Die Berliner Molekularbiologin Prof. Emmanuelle Charpentier gilt wegen der Entwicklung der Methode als heiße Kandidatin für einen der kommenden Nobelpreise. Das Crispr / Cas9-System hat sie ursprünglich in Bakterien entdeckt. Bei der Studie dieses Systems entdeckte Charpentier während ihrer Zeit als Gruppenleiterin an der schwedischen Umeå-Universität in Schweden mit ihrem Team diesen Mechanismus, mit dem sich Bakterien gegen eindringende Viren verteidigen. Gemeinsam mit Prof. Jennifer Doudna von der Universität Kalifornien in Berkeley feilte sie ihn zu einem molekularbiologischen Werkzeug aus.

Themenwoche in 3sat
Das Geheimnis der Gene
Forscher sprechen von einer "Revolution". Doch die Möglichkeiten der Genschere "Crispr / Cas9" wecken Ängste - unsere Themenwoche in 3sat.
Glossar
Crispr/Cas9
Crispr/Cas9 schaltet Gene aus, verändert oder ersetzt sie durch andere Gene. Jeder zelluläre Bauplan kann mit dieser Genschere überarbeitet werden, auch die menschliche Keimbahn.
Gespräch
VideoZum Thema sprachen wir am 5. Mai 2015 mit Prof. Jörg Hacker, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.
Glossar
DNA - DNS
Die Erbinformation eines Lebewesens ist in einem großen Molekül mit dem Namen Desoxyribonukleinsäure (DNS) gespeichert.