Wissenschaftler auf Schlauchboot Video
Mit einer Glasscheibe lässt sich der Oberflächenfilm des Meeres untersuchen
Wolkenmacher Meer
Gase aus dem Meer beeinflussen Klima
Je wärmer das Meer wird, desto mehr Wolken gibt es. Grund ist das vermehrte Algenwachstum: Es liefert die feinen Partikelchen, an denen Wasser zu Wolken kondensiert.
Forscher vermuten, dass sich die chemischen Verbindungen Glyoxal und Methylglyoxal im Oberflächenfilm der Ozeane bilden. Aus diesen Gasen bilden sich Kondensationskeime für Wolken. So können die Verbindungen das Klima beeinflussen. Bei Probenahmen vom Forschungsschiff "Polarstern" aus konnten Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) bei steigenden Temperaturen eine Anreicherung der Verbindungen im Oberflächenfilm beobachten. Ein Zusammenhang mit der Sonneneinstrahlung oder der biologischen Aktivität sei aber noch nicht sicher.

Wichtig für den Transport zwischen Meer und Atmosphäre ist vermutlich das "Bubblebursting", jener Prozess, bei dem Wellen für winzige Blasen auf der Meeresoberfläche sorgen, die dann zerplatzen und den Inhalt in die Luft schleudern. Außerdem spielen organische Stoffe, die aus dem Meerwasser als Gase in die Atmosphäre gelangen, offenbar eine Schlüsselrolle, vermuten Wissenschaftler.

Glyoxal und Methylglyoxal, zwei Alphadicarbonyle, sind in den letzten Jahren in den Fokus der Wissenschaft geraten, weil sie dazu beitragen können, dass sich in der Atmosphäre winzige Partikel aus Gasen bilden, an denen später Wasser kondensiert. Diese Tropfen bilden dann Wolken und nehmen so Einfluss auf Niederschläge und Temperaturen der Erde.

Glyoxal und Methylglyoxal wurden bereits in größeren Mengen über den Ozeanen beobachtet. Da sich die beiden Verbindungen aber auch durch photochemische Reaktionen in der Atmosphäre bilden können und dort mit etwa zwei Stunden sehr kurzlebig sind, vermuten Wissenschaftler, dass der Ozean eine wichtige Rolle spielt. Die genauen Mechanismen sind aber noch unklar. "Wir hoffen, dass es durch die gleichzeitige Untersuchung dieser beiden Verbindungen und von Aerosolpartikeln zusammen mit verschiedenen Umweltparametern möglich wird, die Zusammenhänge zwischen diesen Carbonylen im Ozean und in der Atmosphäre aufzudecken", erklärt Prof. Hartmut Herrmann vom Tropos.

Literatur
van Pinxteren M et al (2013) Glyoxal and methylglyoxal in Atlantic seawater and marine aerosol particles: method development and first application during the Polarstern cruise ANT XXVII/4. Atmos. Chem. Phys. 13, 11791-11802
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