Buschmücke © reuters
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Sind die Mückenarten in Deutschland nur lästig oder auch gefährlich?
Krankheiten im Gepäck
Forscher untersuchen Stechmücken
Auf der Jagd nach Plagegeistern: Parasitologe Dorian Dörge sucht nach eingewanderten Stechmückenarten, die Krankheiten wie das Zika- oder Dengue-Fieber übertragen können.
Die Asiatische Buschmücke (Hulecoeteomyia japonica) - ein möglicher Überträger von Krankheiten wie dem West-Nil-Virus - könnte sich in Deutschland weiter ausbreiten als bisher. Nach Modellberechnungen droht eine Verbreitung in Südhessen, im Saarland und im nördlichen Nordrhein-Westfalen. "In diesen Gebieten ist das Klima gemäßigt und wärmer und damit ein idealer Lebensraum für die Asiatische Buschmücke", sagt der Frankfurter Biologe Prof. Sven Klimpel.

In einem Sicherheitslabor nehmen die Wissenschaftler die Asiatische Buschmücke wie auch heimische Mückenarten ins Visier. Die Mücke mit den geringelten Mustern an den Beinen kann möglicherweise bislang in Deutschland nicht auftretende Krankheiten wie das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber übertragen. Diese Erkrankungen sind gefährlich für den Menschen. Das West-Nil-Fieber ist eine Zoonose - das Virus kann per Mücke von einem infizierten Tier auf den Menschen übertragen werden. West-Nil-Erkrankungen gibt es auch in Griechenland - mehrere Erkrankte starben.

Es gibt bereits erste Krankheitsfälle
In Italien, Südfrankreich und Südosteuropa sind bereits Menschen von Mücken gestochen und dabei mit Tropenkrankheiten infiziert worden. Für Italien ist ein Fall von Dengue-Fieber belegt, wie eine Sprecherin des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin sagte. Die in Deutschland von Zika und anderen Krankheiten betroffenen Menschen waren zuvor alle in tropischen Länder gewesen und haben sich dort angesteckt. Mit dem Reise- und Warenverkehr werden die exotischen Mücken nach Deutschland gebracht. Die Ausbreitung der invasiven Arten verzeichnen Forscher seit einigen Jahren in einer interaktiven europäischen Karte.

Das Hamburger Institut für Tropenmedizin will im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Risikokarte für Deutschland erstellen, sagt der Koordinator des Vorhabens, Prof. Egbert Tannich. "Wir wollen den Status quo erheben." Die Wissenschaftler würden immer häufiger gefragt, wie der Klimawandel das Vorkommen der Mücken verändere. Doch um Veränderungen zu erkennen, müsse zunächst der Ist-Zustand genau bekannt sein. Es gebe 50 Mückenarten in Deutschland. Welche Erreger sie übertragen können, wollen die Forscher in Hamburg herausfinden. Bekannt sei bereits, dass einheimische Mücken das tropische Usutu-Virus verbreiten, das 2011 in Baden-Württemberg zu einem großen Amselsterben führte. Der Erreger sei auch auf den Menschen übertragbar, aber er werde dadurch zum Glück nicht krank, sagte Tannich.

Exotische Mückenarten gelangen nach Europa
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Die Exoten-Mücken kommen.
Mit dem Klimawandel und dem globalisierten Handel dringen immer mehr Exoten-Mücken nach Mitteleuropa vor. Auch die aggressive Asiatische Tigermücke wurde in Deutschland gesichtet. Dass sie sich ebenso wie die Asiatische Buschmücke in Deutschland etablieren wird, ist für die Forscher nur eine Frage der Zeit. Angesichts wärmerer Temperaturen könnten aber auch heimische Mückenarten Überträger bislang hier nicht bekannter Krankheitserreger werden, sagt Infektionsmedizinerin Stefanie Becker. "Jedes Virus hat eine Temperaturspanne, unter denen es sich besonders gut entwickelt."

Dass Mücken Krankheiten übertragen, spricht für die Gewieftheit bestimmter Erreger. "Es ist schlau von dem Virus, mit den Mücken einen Zwischenwirt zu haben, der selbst nicht erkrankt", sagt Becker. Schon lange gibt es in Europa Viren, die durch heimische Stechmücken auf den Menschen übertragen werden, darunter das Sindbis-Virus, das Tahyna-Virus oder das Batai-Virus. Die Infektionen sind in der Regel nicht schwerwiegend und gehen meist mit leichten Symptomen einer Sommergrippe einher.

Interesse an Mückenforschung wächst wieder
"Nach der Ausrottung der Malaria in Deutschland verschwand auch das Interesse an der Mückenforschung - bis 2006 an der Blauzungenkrankheit Tausende Rinder und Schafe starben", sagt der Leiter des Bundesforschungsinstituts, Thomas C. Mettenleiter. Der durch die Seuche verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird allein in Deutschland auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Für die Tierseuchenforscher auf der Insel Riems rücken vor allem solche exotischen, von Mücken übertragbare Erreger in den Blick, die neben dem Menschen auch Nutztieren wie Rinder, Schafe, Pferde oder Geflügel gefährlich werden können. Dazu zählen das Rifttal-Fieber-Virus oder das Japanische Enzephalitis-Virus. Das in Afrika beheimatete Rifttal-Fieber-Virus kann von verschiedenen Stechmückenarten übertragen werden und ist von Kenia inzwischen bis auf die arabische Halbinsel vorgedrungen, wie Becker berichtet. Auch das ursprünglich in Afrika beheimatete Usutu-Virus, an dem auch in Deutschland Amseln verendeten, wird von Stechmücken übertragen.

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VideoBei uns schon heimisch
Die Asiatische Buschmücke hat sich inzwischen in Deutschland etabliert. (Beitrag vom 1. Oktober 2014)
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VideoEin Atlas aller Mücken
Wissenschaftler des Projekts Mückenatlas haben 2013 erneut zum Fang von Stechmücken aufgerufen. (Beitrag vom 10. Juni 2013)
Tipps bei Mückenstichen
Kühlende Flüssigkeiten wie Öle, aber vor allem Wärme und Speichel helfen gegen das Jucken bei Mückenstichen, denn sie alle wirken gegen den Auslöser: Histamin, das die Nervenzellen reizt und für das Jucken sorgt. Kälte nimmt die Reizung und wirkt abschwellend. Wärme lässt das Histamin denaturieren, so dass es keine biochemische Reaktion mehr auslöst. Speichel wiederum kühlt nicht nur, sondern er enthält schwache Antihistamine.
Glossar
Stechmücken
Durch Mitteleuropa surren 50 verschiedene Stechmückenarten aus der Familie der Culicidae. Biologen teilen die Plagegeister in drei verschiedene Kategorien ein.
Kampf den Stechmücken
Jede Sekunde zählt
"Durch die Überschwemmungen haben wir jetzt besonders viel zu tun", sagt Artur Jöst von der "kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V." (Kabs).
Überschwemmte Landschaften
Nach dem Hochwasser droht Mückenplage
Ob es in Überschwemmungsgebieten zu einer Mückenplage kommt, hänge vom Wetter ab, sagt der Biologe Norbert Becker.