Versuchszenario
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Verhaltensforscher wissen: Vom Wolf zum Hund war es kein so weiter Weg.
Der gezähmte Wolf
Hunde verstehen auch die Gesten von Menschen
Bereits Wölfe verstehen Blicke des Menschen, sagt die Ernstbrunner Verhaltensbiologin Zsófia Virányi. "Durch die Domestikation ist nichts schlimmer geworden."
Anders als Wölfe können Hunde aber Gesten der menschlichen Hand verstehen, weiß Virányi: "Durch die Domestikation hatten Hunde genug Zeit über die menschliche Hand lernen und Wölfe hatten diese Zeit nicht."

Seit 15.000 Jahren begleiten Hunde den Menschen
Die ersten häufigen Zähmungen von Wölfen reichen vermutlich ins mittlere Jungpaläolithikum zurück (25.000 bis 18.000 v. Chr.) In den folgenden Jahrtausenden erreichte die Isolation von den wilden Tieren hier und da ein solches Ausmaß, dass sich der Übergang vom Wolf zum Hund auch in Gestalt und Form klar zu erkennen gibt.

In einem Doppelgrab bei Bonn-Oberkassel wurde ein Skelett gefunden, das nach Radiokarbon-Messungen aus der Zeit um 12.000 v. Chr. stammt. Der Fund lässt darauf schließen, dass die Zähmung von Wölfen damals schon in einem fortgeschrittenen Stadium war. Darauf deutet eine funktionell bedeutende Anomalie am Unterkiefer des Tieres hin. Auch andere Knochenfunde in Deutschland zeigen, dass Jägergruppen am Ende der Eiszeit in Europa schon Haushunde hatten. In Vorderasien, Sibirien und Nordamerika reichen die ältesten Funde ebenfalls ins ausgehende Eiszeitalter zurück.

Alle Hunderassen gehen steinzeitliche Jäger zurück, die Welpen aufzogen, die ihnen bei Jagdzügen in die Hände gefallen waren. Dabei dürfte ein allgemeiner menschlicher Pflegetrieb für Jungtiere bestimmend gewesen sein. Wölfe lassen sich nur im Alter von wenigen Tagen bis Wochen auf den Menschen prägen und damit zähmen. Günstig wirkt sich aus, dass der Wolf im Unterschied zu anderen Wildtieren Eigenschaften hat, die mit menschlichem Verhalten übereinstimmen, zum Beispiel Rangordnung, Aufgabenteilung und Fürsorge. So können sich gezähmte Jungtiere in einer Menschengruppe einordnen, ohne dass Gefahr von ihnen ausgeht.

Von den verschiedenen Domestikationsgebieten wurden Hunde auch schon bald in Regionen verbreitet, in denen Wölfe nicht heimisch waren, etwa nach Südamerika, Afrika, Südostasien und Australien. Hier gibt es Haushunde seit etwa neun Jahrtausenden.

Anpassung an Futter spielte wohl wichtige Rolle
Die Anpassung an stärkehaltiges Futter spielte vermutlich eine Schlüsselrolle bei der Domestizierung des Hundes. Darauf deuten genetische Unterschiede zwischen Wolf und Hund hin, berichten Forscher um um Erik Axelsson von der schwedischen Universität Uppsala.

Sie hatten das gesamte Genom von Hunden nach Regionen durchsucht, die auffällig vom Erbgut des Wolfs abweichen. Die Forscher untersuchten Genproben von 19 Wölfen sowie von 71 Hunden 38 verschiedener Rassen. Dabei fanden sie 36 Genregionen beim Hund, die scheinbar unter starkem Selektionsdruck gestanden hatten. 19 dieser Regionen betreffen die Entwicklung von Gehirnfunktionen und könnten mit einem veränderten Verhalten von Hunden verbunden sein, berichten die Forscher. Weitere zehn Genbereiche regeln den Stoffwechsel und hier insbesondere die biochemischen Prozesse beim Abbau von Stärke. Drei dieser Regionen spielen sogar eine Schlüsselrolle beim Stärkeabbau, schreiben die Forscher.

Dies deute darauf hin, dass der Hund im Laufe seiner Entwicklung Stärke besser verdauen konnte. Eine ähnliche Veränderung machten vermutlich auch die Menschen durch, als sie anfingen, Landwirtschaft zu betreiben.

Die Zeit und der genaue Ablauf der Domestizierung seien immer noch unklar, so Axelsson. Die genetische Veränderung im Stärke-Stoffwechsel könne jedoch bedeuten, dass die frühen Hunde zu Beginn des Ackerbaus immer stärker von landwirtschaftlichen Abfällen der Menschen profitierten. Möglicherweise strichen die ersten halbwilden Hunde um menschlichen Siedlungen. Vermutlich machte der zunehmende Kontakt aus wilden Wölfen allmählich den "besten Freund des Menschen".

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Literatur
Axelsson E et al (2013) The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 495: 360 - 364