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Labor Video
Insgesamt 24 Versuchszylinder haben die Forscher auf dem See eingerichtet
Klimalabor mitten auf dem See
In Zylindern werden Lebensbedingungen verändert
Mit einer Forschungsplattform wollen Wissenschaftler auf dem Stechlinsee in Brandenburg die Folgen des Klimawandels untersuchen.
Im Frühjahr 2012 startete das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei den Betrieb der Anlage auf dem Gewässer an der Oberhavel.

"Wir wollen die Klimafolgenforschung am Beispiel von Seen auf ein neues Niveau heben", erklärt der Projektleiter, Professor Mark Gessner. Bisher hätten die Forscher vorwiegend in kleinem Maßstab im Labor experimentiert und Langzeitdatenreihen analysiert. Doch die Auswirkungen von Klimaveränderungen seien noch nicht genügend verstanden. Das Seelabor biete nun unter weitgehend natürlichen Bedingungen ganz neue Möglichkeiten.

Die Anlage besteht aus 24 Versuchszylindern mit einem Durchmesser von je neun Metern. Die mit einer Spezialfolie ummantelten Röhren sind jeweils 20 Meter tief und reichen bis auf den Seegrund.

Mit einer Unterwasser-Sprinkleranlage können die Forscher das Wasser in den einzelnen Zylindern mischen und so die Lebensraumbedingungen verändern. So lasse sich zum Beispiel die warme Oberflächenwasserschicht im Sommer vergrößern oder die Temperatur des Tiefenwassers erhöhen, erklärt Gessner. Die Untersuchungen sollen zeigen, welche Auswirkungen dies auf die Tier- und Pflanzenwelt oder den Nährstoffgehalt des Wassers hat. In jeder Röhre liefern Messsonden Daten zu Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Trübung, Lichtintensität und Algendichte in verschiedenen Tiefen.

Experimente mit Sturm und Regen sind auch geplant
Geplant seien verschiedene Experimente, bei denen auch andere Ereignisse wir Sturm oder Starkregen simuliert werden, die in Zukunft häufiger erwartet werden. "Aus den Erkenntnissen wollen wir künftige Handlungsoptionen für das Management von Seen ableiten", sagt Gessner. Auch andere Wissenschaftler aus dem In- und Ausland seien eingeladen, das Labor zu nutzen und ihre Ideen einzubringen. Das Bundesforschungsministerium hat die Anlage mit fünf Millionen Euro finanziert.

Der Stechlinsee ist mit fast 70 Metern einer der tiefsten Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. Seit 1957 wird er regelmäßig untersucht. "Dadurch stehen der Wissenschaft heute wertvolle Langzeitdaten zur Verfügung", sagt Peter Casper, der seit Jahrzehnten am Stechlinsee forscht. Die gute Datenlage und die Tatsache, dass das Leibniz-Institut am Seeufer seit Jahren ein Labor betreibt, waren laut Gessner Gründe für die Wahl des Stechlinsees.

Eingeschlossene Seebecken im Freiland sind in der Forschung nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren haben Wissenschaftler drei große Zylinder im englischen Lake District installiert. "Die Aussagekraft der dort durchgeführten Versuche war jedoch begrenzt, weil die Zahl der gleich behandelten Versuchseinheiten unzureichend war, um statistisch gesicherte Aussagen abzuleiten", sagt Gessner. Das Seelabor erfülle diese zentrale Voraussetzung dagegen bestens. Das Projekt sei zunächst auf 10 bis 20 Jahre angelegt.

Stechlinsee ist "Lebendiger See des Jahres 2012"
Der Stechlinsee wurde zum "Lebendigen See des Jahres 2012 gekürt. Mit seinem Naturreichtum und seiner Tiefe sei der Stechlinsee "einer der interessantesten Seen unter den norddeutschen Gewässern", erklärte die internationale Umweltstiftung "Global Nature Fund" (GNF) anlässlich des Weltwassertages am 22. März. Mit der Aktion solle auf Seen als wertvolle Ökosysteme und einzigartige Naturschätze aufmerksam gemacht werden.

In dem See leben laut Umweltstiftung zahlreiche seltene Arten, wie das vom Aussterben bedrohte Faden-Laichkraut, Armleuchteralgenarten und die Erbsenmuschel, von der es nur wenige Nachweise in Deutschland gibt.

Aufgrund der Vielfalt von Seen, Mooren und naturnahen Laubwäldern gehört das ganze Stechlinsee-Gebiet zu den Schutzgebieten von europäischem Rang. Theodor Fontane hatte den See in seinem letzten Roman "Der Stechlin" von 1899 literarisch verewigt. Daher ist der Stechlinsee ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Natur-, sondern auch für Literaturliebhaber.

Der GNF machte auch auf einige "besorgniserregende Veränderungen" an dem See aufmerksam. Zwar habe das Gewässer die thermische Belastung aus dem früheren Atomkraftwerk Rheinsberg zunächst scheinbar gut verkraftet. Ein gutes Jahrzehnt nach Abschaltung des Kraftwerks zeigte sich jedoch den Angaben zufolge eine Reihe von Veränderungen, wie steigende Phosphorkonzentrationen im Tiefenwasser.

Binnen zwei Jahrzehnten verlor der See demnach 100 Hektar seiner Unterwasserpflanzenfauna, während die Entwicklung verschiedener Planktonarten massenhaft zunahm. Die Ursachen seien noch nicht ausreichend analysiert, erklärte der GNF. Der Titel "Lebendiger See" wurde zum zweiten Mal vergeben. 2011 wurde der Plauer See in Mecklenburg-Vorpommern gekürt.

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