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2009 lag der Ort L'Aquila in Trümmern - Forscher hatten Entwarnung gegeben
Forscher verurteilt
Wissenschaftler sollen Risiken unterschätzt haben
Vier Jahre nach dem schweren Beben in den Abruzzen sind sieben Experten in L'Aquila wegen ungenügender Warnung vor Erdstößen zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden.
Dieses Urteil in erster Instanz fällte das Gericht von L'Aquila am 22. Oktober nach einem mehr als einjährigen Verfahren. Es ging damit noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die jeweils vier Jahre Haft verlangt hatte, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Seismologen und Zivilschutzbeamten hätten die Bevölkerung rund um L'Aquila nur "ungenau, unvollständig und widersprüchlich" über die Gefahren eines Bebens informiert, so die Anklage. Die Kommission renommierter Wissenschaftler war sechs Tage vor dem Beben mit mehr als 300 Toten zu dem Schluss gekommen, dass die Reihe von Erdstößen in der Region auf kein besonders erhöhtes Erdbebenrisiko hinweise.

Die Beben-Kommission hatte eine Woche vor dem starken Beben getagt und nicht eindeutig gewarnt. Erdbebenforscher und die Verteidigung wiesen in der Diskussion um das Verfahren darauf hin, dass es bislang nicht möglich sei, größere Erdbeben wissenschaftlich vorherzusagen. Bei einer Verurteilung werde kein Wissenschaftler sich mehr zum Phänomen Erdbeben äußern, erklärte die Verteidigung in dem Prozess.

"Wegen dieses Satzes sind Menschen gestorben"
Picuti verwies in seinem Plädoyer unter anderem auf den Forscher Enzo Boschi. Der ehemalige Direktor des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) soll vor dem Erdbeben gesagt haben, dass er die Gefahr eines Erdbebens "beiseite schieben" würde. Laut Picuti hätten sich die Einwohner in und um L'Aquila bei einer deutlicheren Warnung besser vor dem Beben schützen können. "Wegen dieses Satzes sind Menschen gestorben", sagte er. Die sechs Forscher und ein Beamter des Katastrophenschutzes hatten demnach lediglich auf die üblichen Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere beim Hausbau, hingewiesen.

Mehr als 5000 Wissenschaftler hatten zum Prozessauftakt 2011 Jahr in einem offenen Brief an Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano beklagt, dass den Angeklagten ein Strafprozess gemacht werde, obwohl die Vorhersage von Erdbeben bislang technisch unmöglich sei. Bei dem Beben am 6. April 2009 wurde das mittelalterliche Zentrum von L'Aquila in ein Trümmerfeld verwandelt. 309 Menschen kamen ums Leben, 80.000 wurden obdachlos.

Auferstanden aus Ruinen
Eine Spinne aus Metall rettet die Heilige Maria
"Große Hoffnung" gebe die Rettung der beim Erdbeben von L'Aquila zerstörten Barockkirche Santa Maria del Suffragio, meint Gabriele Miconi. Ingenieurs- und Restaurierungskunst haben dem Gebäude geholfen.
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© apVideoSehen Sie den Beitrag "Nach dem Erdbeben herrscht das Chaos in L'Aquila" vom 6. April 2009 in unserer Mediathek
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VideoZum Thema sprachen mir am 22. Oktober 2012 mit dem Potsdamer Seismologen Prof. Rainer Kind.
Infografik
LupeL'Aquila, die Abruzzen und die Bebenregion mit den Grenzen der tektonischen Platten