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Wissenschaftler mit Löwenzahnpflanzen Video
Noch lässt sich der Löwenzahn mit Fließ-Stopp nur gentechnisch züchten
Gummi aus Löwenzahn
Russischer Löwenzahn produziert mehr Kautschuk
Da synthetisch hergestellte Kautschukprodukte wegen steigender Ölpreise immer teurer werden, könnte der Löwenzahn zu einem wichtigen Gummilieferanten werden.
Prof. Dirk Prüfer von der Westfälischen Wilhelms-Universität will eine Löwenzahnsorte züchten, die für die Kautschukproduktion besser geeignet ist als die herkömmliche Pflanze. Außerdem forschen er und seine Mitarbeiter daran, die biologischen Mechanismen der Kautschukproduktion besser zu verstehen.

Während der in Deutschland heimische Löwenzahn nur sehr geringe Mengen an Kautschuk produziert und daher für die Gummiherstellung uninteressant ist, liefert der aus Russland stammende Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) große Mengen davon - der Kautschukanteil macht über ein Drittel des Milchsaftes der Pflanze aus. Allerdings ist die "Ernte" des Kautschuks derzeit noch schwierig: "Sobald die Pflanze verletzt wird und latexhaltiger Milchsaft austritt, wird der Saft braun und fließt nicht mehr", erklärt Prof. Prüfer. Mit dieser Reaktion verschließt die Pflanze Verletzungen ihres Gewebes.

Das Ziel: Pflanzen mit Fließ-Stopp ohne Gentechnik
Die Forscher wissen, welches Enzym für die Gerinnung des austretenden Milchsafts verantwortlich ist. "Bei Pflanzen, in denen wir das zuständige Gen durch gentechnologische Methoden ausgeschaltet haben, gibt es diesen Fließ-Stopp nicht. Sie sind für die Kautschuk-Produktion bestens geeignet. Allerdings untersuchen wir diese Pflanzen nur im Labor, sie sollen nicht in die Umwelt gelangen", so Prof. Prüfer. Die Forscher wollen daher durch klassische Züchtung eine Pflanze erhalten, bei der der Fließ-Stopp ebenfalls ausgeschaltet ist. Dieser Löwenzahn könnte den Rohstoff zur Reifenherstellung liefern, aber auch für Produkte wie antiallergene Handschuhe oder Kondome. Naturkautschuk aus dem Gummibaum löst häufig Allergien aus.

Der aus Löwenzahn gewonnene Kautschuk hat soweit bislang bekannt die gleichen Eigenschaften wie der synthetische; so ist zum Beispiel die Elastizität identisch. Die Idee, Löwenzahn zur Gummiproduktion zu verwenden, ist nicht neu. "Der Russische Löwenzahn wurde schon während des zweiten Weltkriegs genutzt, von Russland, den USA und auch von den deutschen Nationalsozialisten", so Prof. Prüfer.

Löwenzahn ist anspruchslos, er wächst auf Böden, die zur Produktion von Nutzpflanzen nicht geeignet sind, und er wäre problemlos auch in Deutschland anbaubar. Da der Russische Löwenzahn nicht so vermehrungsfreudig ist wie sein einheimischer Verwandter, befürchten die Forscher nicht, dass er sich massiv in der Natur ausbreiten würde.

Sollte der Russische Löwenzahn künftig großflächig angebaut werden, müsste noch ein Problem gelöst werden: Der Appetit der Kaninchen. "Andererseits löst sich das Problem vielleicht auch von selbst dadurch, dass die Kaninchen mit dem Fressen einfach nicht nachkommen", sagt Prof. Prüfer. "Das wissen wir nämlich von den Salatbauern: Die Menge macht's."

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