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Sendung
24. Mai 2013
Forscherin mit Tonkurve Video
Ein Hydrophon fängt Töne aus einer Million Quadratkilometer Umkreis ein
Ein Ohr im Wasser
Akustisches Observatorium in der Antarktis
Die Blauwale der Antarktis singen im Mai immer leiser. "Ob das bedeutet, dass die Population abnimmt, ist unklar", sagt Meeresforscher Lars Kindermann.
Das akustische Observatorium "Palaoa" des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nimmt unter dem Eis der Arktis Geräusche auf. Wissenschaftler können diese Aufzeichnungen live im Internet verfolgen. Mikrofone unter 100 Metern Eis nehmen die Geräusche in der Umgebung auf. "Ein Regenguss im Ozean kann einem jede Aufnahme verderben, weil es alles übertönt", lacht Kindermann.

Es war für die Forscher eine Überraschung, dass unmittelbar in der Nähe ihrer Forschungsstation Neumayer III Seeleoparden und Rossrobben die antarktischen Gewässer besiedeln. Mittlerweile ist bei vielen Lauten bekannt, zu welchen Arten und zum Teil zu welchen Verhaltensweisen sie gehören, was Rückschlüsse auf Paarungs- und Fortpflanzungszeiten erlaubt. So zeigten die Gesangsmuster von Seeleoparden und Rossrobben, dass sich beide Arten auch in den antarktischen Küstengewässern fortpflanzen. Bisher war dies nur von Weddellrobben und Krabbenfresserrobben bekannt.

Robben singen jedes Jahr zu gleichen Zeit
Vergleiche zwischen verschiedenen Untersuchungsjahren lassen vermuten, dass die Fortpflanzungszeit an bestimmte Typen von Eis gekoppelt ist, auf denen die Tiere ihre Jungen zur Welt bringen. "Einige Robbenarten beginnen ihre Fortpflanzungsgesänge tatsächlich jedes Jahr in derselben Kalenderwoche", sagt Dr. Ilse van Opzeeland. Erstaunt waren die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, Buckelwale am Rande des antarktischen Kontinents zu hören, und das sogar im Winter. Auch die Gesänge von Blauwalen hat das Observatorium aufgezeichnet und damit die bisherige Vermutung widerlegt, diese größten auf der Erde lebenden Tiere würden eisbedeckte Gewässer meiden.

Auch 50 Jahre nach Ende des kommerziellen Walfangs in der Antarktis weiß man noch wenig darüber, wie sich die Population dieser fast ausgerotteten Großwalen entwickelt. Traditionelle, auf Sichtungen beruhende Zählungen registrieren oft nur wenige Tiere während einer mehrmonatigen Reise. Palaoa "hört" dagegen fast täglich Blauwale, denn die Rufe dieser Tiere haben mit mehreren hundert Kilometern eine sehr große Reichweite.

Die lautesten von Palaoa registrierten Geräusche stammen von Eisbergkollisionen: Ungefähr einmal im Jahr prallen in Hörweite der Station Giganten bis zur Größe Berlins aufeinander oder an den Rand des Schelfeises und sorgen für ordentlich Lärm in den Bremerhavener Büros der Ozean-Akustiker, die bei der täglichen Arbeit von den Live-Tönen aus der Antarktis begleitet werden. Neben der Forschung fanden die außergewöhnlichen Klänge aus dem Antarktischen Ozean mehrfach Eingang in Radio und Fernsehen sowie in Werke von Musikern, Komponisten und bildenden Künstlern.

"Eines dieser Hydrophone kann eine Million Quadratkilometer abdecken", sagt Kindermann. "In diesem Hintergrundgeräusch hören wir alle Wale in einem Bereich von einer Million Quadratkilometern."

Ein Geräusch aber bereitet den Forschern um Kindermann immer noch Kopfzerbrechen: "Es ist das häufigste Geräusch überhaupt im Antarktischen Ozean. Im antarktischen Winter ist unter Wasser dieses Geräusch zu hören und ist präzise gleich und wiederholt sich im Abstand von 3,1 Sekunden. Warum so genau? Warum nur im Winter, wenn kein Mensch da ist?"

Interaktiv
Forschung eiskalt
27 Länder unterhalten insgesamt 80 Forschungsstationen in der Antarktis. Die Hälfte ist ganzjährig besetzt, die restlichen nur im antarktischen Sommer von November bis Februar.
Glossar
Antarktis
Die Antarktis steht wegen ihres Ökosystems als "dem Frieden und der Wissenschaft gewidmetes Naturreservat" unter besonderem Schutz.
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