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Aus Erfahrung Wettervorhersage: Bauernregeln trafen einst häufig zu
Gelegentliche Treffer
Bauernregeln treffen dort zu, wo sie entstanden
Die meisten Bauernregeln stimmen, meint Wetterbuch-Autor Günter Roth - aber oft nur für den Ort, an dem sie erfunden worden sind.
Kleinräumliche Gegebenheiten wie Wälder oder Gebirge beeeinflussen das Wetter in kleinen Skalen so stark, dass eine Bauernregel andernorts "unwirksam" sein kann.

"Wir wissen im Frühling, wie der Sommer wird"
Meteorologen nutzen zwar die Temperatur der Ozeane oder die Schnee- und Eisdecke weltweit für langfristige Tendenzen, aber genaue Prognosen erlaubt das nicht: So ist die Atmosphäre gar nicht berücksichtigt.

"Ist Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass"
Wolken Lupe
Daw Wetter zu Siebenschläfer hat nicht viel zu bedeuten
Der "Siebenschläfertag" ist für das Wetter in den kommenden Wochen völlig unbedeutend: Entscheidend sei nicht ein Tag, sondern der gesamte Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. DWD-Meteorologe Jens Hoffmann bezeichnete die Ableitung des Sommerwetters vom 27. Juni als "Unsinn". Aber auch bei Betrachtung eines längeren Zeitraums ist die Trefferquote für die Bauernregel "Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag" eher bescheiden. Eigentlich ist der Siebenschläfertag laut DWD sogar der 7. Juli. Das Datum 27. Juni entstand demnach nur durch die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582.

Der Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli kann aber zumindest gewisse Rückschlüsse auf das Sommerwetter zulassen. Wenn in dieser Zeit schlechtes Wetter überwiegt, ist dem Wetterdienst zufolge die Wahrscheinlichkeit für einen zu kühlen und zu feuchten Sommer relativ groß. Der Grund liegt im "Jetstream", einem Höhenwind, der über dem Atlantik und Europa von Westen nach Osten weht und sich Ende Juni/Anfang Juli in seiner Lage stabilisiert. Dem Verlauf des Jetstreams folgen die Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik her Regenwetter nach Europa bringen. Liegt der Jetstream weit im Norden, werden Tiefdruckgebiete nach Nordeuropa abgelenkt. Deutschland kommt in den Genuss des Azorenhochs und erhält warmes Sommerwetter. Weht der Höhenwind wie 2009 weiter im Süden, gehen über Deutschland die Ausläufer des Islandtiefs hinweg: Der Sommer wird verregnet und kühl.

Aber grundsätzlich liegt die Trefferquote im Binnenland nur bei 60 Prozent und im Alpenvorland bei 70 Prozent. Danach stimmt die Regel in jedem dritten Jahr überhaupt nicht.

"Morgengrau gibt Himmelblau"
Sinkt die Feuchtigkeit zu Boden statt in Regenwolken zu steigen, wird das Wetter tatsächlich meist schön.

"Der Hundertjährige Kalender stimmt noch immer"
Studierte Meteorologen halten die Vorhersagen des 100-jährigen Kalenders schlicht für "Mumpitz" und "Kaffeesatz-Weisheit". Nach ihrem Urteil ist eine verlässliche Wettervorhersage für allenfalls drei Tage im voraus möglich. Bereits beim Versuch, eine Prognose für die nächsten acht Tage zu stellen, sinke die Trefferquote auf 50:50. Mauritius Knauer, hat eine Wetterprognose hinterlassen, die jeder weitgehend nach eigenem Gusto auslegen kann. Der Abt des Klosters Langenheim bei Bamberg suchte vor 300 Jahren den Lauf der Gestirne und deren mögliche Einflüsse auf das irdische Klima zu deuten suchte. Im 17. Jahrhundert zählte man zu den bereits bekannten Planeten Mars, Venus, Merkur, Saturn und Jupiter auch die Sonne und den Mond als "Wettermacher". Knauer glaubte, dass sich darum das Wetter alle sieben Jahre wiederholt.

"Bei Vollmond schlägt das Wetter um"
Mond © dpa Lupe
Er macht Gezeiten - aber kein Wetter
Die Schwerkraft, die der Mond ausübt, ist zu gering, um das Wetter zu beeinflussen. Bei alten wie neueren "Mondregeln" ist viel Aberglaube mit im Spiel. Allgemein gilt der Mond als wetterwendisch. Eine der verbreitetsten Wetterregeln besagt: "Seht ihr den Neumond hell und rein, so wird gutes Wetter sein. Ist aber selbiger sehr rot, so ist er viel Windes Brot. Ist er dann bleich, so glaube frei, dass nasse Zeit dahinter sei." Auch wenn sich der Mond mit einem Ring oder Hof umgibt, soll dies Auswirkungen auf das zu erwartende Wetter haben. Hierzu heißt es dann: "Ist der Ring nah dem Mond, uns der Regen noch verschont, ist der Ring aber weit, hat er Regen im Geleit."

Die bäuerliche Bevölkerung von einst ging davon aus, dass Pflanzen besser wuchsen, wenn sie in bestimmten Mondphasen ausgesät oder gepflanzt wurden. Man unterschied zudem zwischen oberirdisch und unterirdisch fruchttragenden Pflanzen. Ausgehend davon, dass der zunehmende Mond nur das Wachstum über der Erde fördere, wurden beispielsweise Kartoffeln, Zwiebeln und Rüben bei abnehmendem Mond gesetzt, um das Ins-Kraut-Schießen zu verhindern. Besonders dicke Früchte sollen der Lohn für die Beachtung dieser Bauernweisheit gewesen sein.

Zahlreiche "Mondregeln" sind bereits seit der Antike überliefert. So empfahl bereits Plinius der Ältere, insbesondere Futterlaub bei abnehmenden Mond zu ernten, damit es vor allzu rascher Fäulnis geschützt sei. Bei Vollmond gewinnt man reichlicher Honig als sonst, und auch das Bebrüten von Eiern soll bei Vollmond geschehen. Getreide, während des Neumondes gesät, und bei Vollmond ausgelegte Bohnen und Linsen sollen vor Insektenfraß geschützt sein. Bei der Getreideernte wird im Volksmund ein kleiner Trick empfohlen: Für den Verkauf bestimmtes Getreide soll bei zunehmenden Mond geerntet werden, da es um diese Zeit mehr wiegt als zu anderen Zeiten. Das für den eigenen Speicher vorgesehene Getreide sei dagegen bei Neumond zu schneiden, damit es vor Krankheit verschont bleibe.

"Der Schafskälte folgt ein kalter Sommer"
Schafe © reuters Lupe
Die Schafskälte ist unzuverlässig
Aussagen darüber, ob der Sommer nach der Schafskälte kühl und verregnet wird, sind von der Schafskälte nicht abzuleiten. Die Schafskälte ist ein recht verlässliches Ereignis. Dabei leiten nordwestliche Winde Mitte Juni einen feucht-kühlen Witterungsabschnitt ein, der etwa eine Woche anhält. Begleiterscheinungen können Bodenfrost und in den Gipfellagen der Mittelgebirge sogar noch einmal eine dünne Schneedecke sein. Grundsätzlich sind die Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst anfällig für solche Wetterextreme.

Als Schafskälte bezeichnet man einen in Mitteleuropa häufig zu beobachtenden Kälterückfall - meist zwischen dem 10. und 20. Juni. Sie gehört zu den Singularitäten - Witterungsereignisse, die zu bestimmten Zeiten des Jahres überdurchschnittlich häufig auftreten. Die bekanntesten Singularitäten in Mitteleuropa sind neben der Schafskälte die Schönwetterperioden Ende September (Altweibersommer) und im November (Martinssommer), Tauwetter zu Weihnachten sowie Kaltlufteinbrüche zwischen dem 11. und 14. Mai (Eisheilige).

"Die Eisheiligen bringen Kälte"
Die Eisheiligen machen ihrem Namen nicht immer Ehre - zuweilen treten sie mit ungewöhnlich hohen Temperaturen sogar eher als "Schweißheilige" auf. Die Eisheiligen sind Bestandteil des traditionellen Bauernkalenders, aber auch von der modernen Wissenschaft als meteorologische Singularität bestätigt. Damit bezeichnen die Fachleute bestimmte Wetterlagen, die jährlich nahezu um die gleiche Zeit auftreten können, allerdings nicht müssen. Bezeichnend für die Eisheiligen sind eine Kältewelle und Nachtfröste, die Schäden an empfindlichem Saatgut, Keimlingen oder südländischen Topf- und Kübelpflanzen verursachen können. Entsprechend haben sich im Volksmund zahlreiche Bauernregeln dazu entwickelt. Für Gärtner gilt etwa: "Pflanze nie vor der Kalten Sophie". Andere lauten: "Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz" oder "Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost". Derber klingt es in Bayern und Österreich: "Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie."

Als Eisheilige gelten die Tage vom 11. bis 15. Mai. Je nach Region zählen drei bis vier Namenstage von Heiligen und Märtyrern aus dem 4. und 5. Jahrhundert als Eisheilige. Dies sind am 11. Mai Mamertus, am 12. Mai Pankratius, am 13. Mai Servatius, am 14. Mai Bonifatius und schließlich am 15. Mai Sophie, die "Kalte Sophie". In Norddeutschland gelten der 11. bis 13. Mai, im Süden der 12. bis 15. Mai als Eisheilige. Die Differenz erklärt sich, weil die kalte Luft eine gewisse Zeit von Norden nach Süden braucht.

"Die Hundstage versprechen drückendes Wetter"
Mit den Hundstagen, die jedes Jahr in der Zeit zwischen dem 23. Juli und dem 23. August liegen, meinen die Meteorologen die Hochsommerperiode mit den - an sich - heißesten und sonnigsten Tagen des Jahres. Nach alter Bauernregel versprechen die Hundstage drückendes und schwüles Wetter. Mit Hunden haben die Hundstage aber nichts zu tun. Die Hochsommerzeit ist nach dem Stern Sirius benannt, der zu deutsch Hundsstern heißt und zwischen Ende Juli und Ende August der Sonne am nächsten steht. Achteinhalb Lichtjahre von der Erde entfernt, ist der Sirius der hellste Himmelskörper im Sternbild des Großen Hundes.

Die alten Ägypter, Griechen, Römer und auch die Germanen sahen mit Beginn der Hundstage jedes Mal Gefahr im Verzug. In Ägypten trat um diese Jahreszeit regelmäßig der Nil über seine Ufer. Die Griechen fürchteten Gallenkrankheiten und bei den Römern galten die Hundstage wegen der Hitze und Trockenheit als sehr gefährlich. Die Germanen gingen nicht mehr im Freien baden, weil sie das Wasser für giftig hielten.

"Der April macht, was er will"
Das klassische Aprilwetter mit seinen raschen Wechseln wird von Tiefdruckgebieten bestimmt, die sich über der Nordsee zunächst mit kalter Luft vollpumpen, ehe sie nach Mitteleuropa kommen. Die Wetterlage kann in sehr kurzer Zeit umschlagen - mal Sonne, mal Regen, mal Schnee, einmal 20 Grad lau, dann wieder Kälte und kräftige Windböen und Gewitter. Vom Kalender her ist bereits Frühling, doch selbst in den milden Weinbaugebieten Deutschlands kann noch ein eisiger Hauch über die frühen Blüten streifen.

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Wind, Wolken, Wetter
Jeder redet über das Wetter - doch kaum einer versteht dieses komplexe Phänomen so richtig. Erkunden Sie es doch in unserer interaktiven Flash-Animation.
Glossar
Bauernregeln
Bauernregeln entstammen der langen Erfahrung von Landwirten, die das Wetter beobachtet haben - für sie war das überlebenswichtig.
Siebenschläfertag
Die sieben schlafenden Brüder
Der Name "Siebenschläfer" hat nichts mit dem possierlichen heimischen Nagetier zu tun, sondern geht auf eine Legende zurück: Danach flohen sieben Brüder im griechischen Ephesos während einer Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Deceus im Jahr 251 nach Christi Geburt in eine Höhle und wurden dort eingemauert. 200 Jahre später sollen sie wieder zum Leben erwacht sein, um Zeugnis für die Auferstehung der Toten zu geben:
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