Karzinomzelle © dpa
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Wenn es nach Gesundheitsminister Spahn geht, soll Krebs bald besiegt sein.
Verstehen und heilen
Mehr Geld für die Krebsforschung
Kampfansage gegen den Krebs: Deutschland will die Krebsforschung vorantreiben und die Prävention stärken.
"Wir wollen Krebs besser verstehen, wir wollen Krebs verhindern, und wir wollen Krebs heilen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am 29. Januar 2019 in Berlin zum Start der "Nationalen Dekade gegen Krebs". Patienten sollen künftig vor allem schneller von neuen Forschungsergebnissen profitieren. Bislang dauert es oftmals mehrere Jahre, bis vielversprechende Therapien bei den Betroffen ankommen.

Fast 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs, rund 220.000 sterben daran. Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen damit die zweithäufigste Todesursache. Experten erwarten, dass die Neuerkrankungen bis 2030 vor allem aufgrund der älter werdenden Bevölkerung auf 600.000 im Jahr steigen werden.

"Wir wollen diesem Schicksal die Stirn bieten", sagte Karliczek. Dafür sollten Forscher, Ärzte, Patienten und Angehörige enger vernetzt werden.

62 Millionen Euro und acht neue Tumorzentren
In einem ersten Schritt fördert das Bundesforschungsministerium in den kommenden Jahren klinische Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen mit bis zu 62 Millionen Euro. Es geht dabei darum, Therapien zu vergleichen, damit sich die wirksamste Behandlung durchsetzen kann. Zudem sollen im Laufe der Dekade bis zu acht weitere nationale Tumorzentren aufgebaut werden, um die Zusammenarbeit von Forschung und Ärzten zu stärken.

Noch größeres Augenmerk soll künftig auf die Prävention und die Früherkennung gelegt werden. Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) haben ermittelt, dass in Deutschland mindestens 37 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf das Konto von vermeidbaren Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht gehen. Werden zusätzlich Früherkennungsuntersuchungen etwa gegen Darmkrebs berücksichtigt, so wäre sogar die Hälfte aller Krebsfälle vermeidbar.

Krebs in Deutschland
Männer Frauen
Neuerkrankungen 249.160 226.960
Sterbefälle 121.331 101.641
(Zahlen für 2014) 

Faktencheck: Ist Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegbar?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält Krebsleiden in absehbarer Zeit für besiegbar. Innerhalb von ein bis zwei Jahrzehnten könne das erreicht sein, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Mediziner teilen Spahns Optimismus allerdings nicht.

"Krebs ist durch seine biologische Vielfalt eine der komplexesten Erkrankungen", erklärt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Zwar seien in den kommenden 10 bis 20 Jahren deutliche Verbesserungen bei den Krebsüberlebensraten zu erwarten - mit zeitlichen Prognosen zu einem "Sieg über den Krebs" sei es aber schwierig, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten. Auch in der Krebsprävention sei möglicherweise ein längerer Atem nötig, bis Erfolge sichtbar würden.

Ein großer Teil der Krebsfälle sei auch genetisch bedingt oder entstehe durch Infektionen, erklärte Bernhard Wörmann, Krebsmediziner an der Charité in Berlin. "Nicht jeder Krebs ist vermeidbar."

Große Hoffnungen richten sich derzeit auf neue Behandlungsansätze wie die Immuntherapie, insbesondere die Checkpoint-Inhibitor-Therapie. Dabei sollen Wirkstoffe molekulare Bremsen von Immunzellen lösen - die "Checkpoints" - und dadurch eine Reaktion des Immunsystems gegen Tumoren entfesseln. Solche Behandlungen verbuchen beeindruckende Erfolge, insbesondere bei Schwarzem Hautkrebs, teils auch bei Lungen- und Brustkrebs. Allerdings schlägt die Behandlung nur bei einem relativ kleinen Teil der Patienten an - bei Brustkrebs sind es etwa 10 bis 20 Prozent. Warum das so ist, ist derzeit unklar.

Auch Gentherapien gegen Krebs seien in der Entwicklung, aber ein großflächiger Einsatz in 10 bis 20 Jahren sei nicht zu erwarten, sagte Wörmann. Bei vielen Krebsarten werde es in den kommenden Jahren nicht um Heilung gehen, sondern darum, die Krankheit mit lebenslang einzunehmenden Medikamenten in Schach zu halten. "Wir werden aus vielen akuten Krebserkrankungen chronische machen können, aber 'besiegen' im Sinne von gar keinen Krebs mehr haben, das halte ich für unrealistisch."

Link
Krebsdaten für Deutschland vom Robert-Koch-Institut (PDF)
Glossar
Krebs
Krebszellen sterben nicht - und genau diese Eigenschaft lässt sie zu den oft tödlichen Tumoren auswachsen, die den Körper besiedeln.
Immuntherapie bei Krebs
Alles auf Angriff
Das körpereigene Immunsystem soll gegen Krebszellen kämpfen. Die Therapie wirkt auch bei Lungenkrebs.