Modelle von Organen © colourbox
Ein gespendetes Organ kann über Leben oder Tod entscheiden.
Ein gespendetes Organ kann über Leben oder Tod entscheiden.
Mehr Organspender
Kliniken meldeten häufiger potentielle Spender
Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist erstmals seit 2010 wieder merklich gestiegen.
Bundesweit haben im vergangenen Jahr 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Freitag in Frankfurt mit. Das entspricht 11,5 Spendern pro einer Million Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr (797 Spender) bedeutet das eine Steigerung von knapp 20 Prozent. 2012 hatte es letztmals mehr Organspenden gegeben - nämlich 1046.

Im bundesweiten Vergleich landet Nordrhein-Westfalen bei der Organspende auf dem letzten Platz. 2018 stieg hier die Zahl der Organspender zwar um 17 auf 163. Es spendeten aber nur 9,1 Menschen pro eine Million Einwohner. Die höchsten Spenderquoten verzeichnet die DSO mit 16,8 in der Region Ost und 16,3 in der Region Nord-Ost.

Von den bundesweit 955 Spendern konnten 3113 Organe durch die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant an Patienten der acht dem Verbund angehörenden Staaten vermittelt werden. Das sind 519 Organe mehr als 2017. Zugleich wurden 3264 Organe in deutschen Kliniken transplantiert. Aktuell stehen laut DSO in Deutschland rund 9400 Patienten auf den Wartelisten.

Entscheidend für Organspenden sind die Kliniken
Als besonders erfreulich bewertet die DSO, die die Organspende in Deutschland koordiniert, ein verstärktes Engagement der Kliniken. Sie hätten der Koordinierungsstelle 2811 Meldungen über eine mögliche Organspende zukommen lassen (plus 26 Prozent). Zuvor hatten Studien betont, dass das zurückhaltende Meldeverhalten der Kliniken für die niedrigen Organspendezahlen verantwortlich sei.

Der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, sprach mit Blick auf die Zahlen von einem Hoffnungsschimmer. Er geht davon aus, dass auch in Deutschland mittelfristig 15 bis 20 Spender pro Million Einwohner realisierbar wären.

Rahmel appellierte an Ärzte und Kliniken, die Organspende als wichtige Aufgabe wahrzunehmen. "Für jedes einzelne Organ lohnt es sich zu kämpfen. Jedes gespendete oder nicht gespendete Organ kann über Leben und Tod eines Menschen entscheiden."

Ein neues Gesetz soll kommen
Große Hoffnung setzt er auf das vom Bundeskabinett vorgelegte "Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende". Es setze an den Schwachstellen an: Es stärke die Position der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken und verpflichte durch ein flächendeckendes Berichtssystem zu mehr Qualität und Verbindlichkeit. Außerdem verankere es die Angehörigenbetreuung im Gesetz und sorge für eine aufwandsgerechte Finanzierung der Kliniken.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach angesichts der Zahlen von einem "Lichtblick". Vorstand Eugen Brysch sagte zugleich: "Doch das ist kein Erfolg der teuren Werbekampagnen der letzten Jahre. Der Schlüssel zu mehr Organspenden ist vielmehr eine gute Organisation in den Krankenhäusern." Dazu liege der Gesetzentwurf vor. "Der ist ein Anfang, doch die Strukturverbesserungen müssen weiter gehen. Der Vorschlag für eine Widerspruchsregelung erweist der Sache jedoch einen Bärendienst. Mit Zwang lässt sich kein Vertrauen gewinnen."

Organe vermitteln
Vom Spender zum Empfänger
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert den Ablauf von Organspenden. Den Rahmen gibt das Transplantationsgesetz vor.
Debatte über Organspende
Automatisch Spender?
Der deutsche Bundestag debattiert über den Vorstoß, die Organspende neu zu regeln. Widerspruchslösung statt Entscheidungslösung könnte das Ergebnis lauten.