Schweineherz © dpa
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Schweineherz im Pavian
Wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Transplantation beim Menschen
Xenotransplantation heißt der Organ-Austausch über Artgrenzen hinweg. Der ist jetzt im Tierversuch gelungen
Der Mangel an Spenderorganen und Pläne zu neuen Regelungen sorgen derzeit politisch für Zündstoff. Die Wissenschaft ist inzwischen einer anderen Lösung auf der Spur: Sie will Organe von Tieren einsetzen - hier ist nun ein wesentlicher Schritt geglückt: Paviane mit transplantierten Schweineherzen überlebten in einem Versuch mehr als ein halbes Jahr. Damit ist die Übertragung von Schweineherzen auf Menschen als Lösung für den Mangel an Spenderorganen einen großen Schritt näher gerückt.

Ein Forscherteam um den Münchner Herzchirurgen Bruno Reichart und den Veterinärmediziner Eckhard Wolf transplantierte mit einer mittlerweile ausgefeilteren Technik gentechnisch veränderte Schweineherzen in Paviane. Von fünf Tieren waren zwei noch nach 90 Tagen bei guter Gesundheit, als der Versuch beendet wurde, wie die Forscher berichten. Zwei Tiere lebten sogar 195 und 182 Tage, also gut ein halbes Jahr, bevor sie getötet wurden. Herz- und Leberfunktion seien normal gewesen, Abstoßungsreaktionen habe es nicht gegeben. Ein Tier starb nach 51 Tagen an einer Thrombose.

Die Xenotransplantation wird seit den 1980er Jahren erforscht. Schweine sind als Spender besonders geeignet, weil ihr Stoffwechsel dem der Menschen ähnelt. Reichart, dem 1983 die erste Herz-Lungentransplantation in Deutschland gelang, befasst sich seit langem mit dem Thema und war jahrelang Vorstand des Sonderforschungsbereichs für Xenotransplantation der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Literatur
Länglin, Mayer, Reichart et al. (2018) Consistent success in life-supporting porcine cardiac xenotransplantation.