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Wer noch urteilsfähig ist, kann selbst entscheiden, ob und wie er therapiert werden möchte.
Wer noch urteilsfähig ist, kann selbst entscheiden, ob und wie er therapiert werden möchte.
Leben retten oder sterben lassen?
Die Ärzte müssen bei Intensivtherapie dem Willen des Patienten folgen
Wer nach einem Unfall oder bei schwerer Krankheit nicht mehr selbst über die Therapieform entscheiden kann, der kann seinen Angehörigen mit einer Patientenverfügung helfen.
Unser Themenschwerpunkt
Nach einem Genickbruch liegt der 78-jährige Walter Maier bewegungslos im Bett und muss beatmet werden ...
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... ohne Aussicht auf Besserung - will er so weiterleben? Und kann er das noch selbst entscheiden?
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Die Patientenverfügung - was ist das?
Mit einer Patientenverfügung können Menschen vorab regeln, wie sie behandelt werden möchten, falls sie ihre Entscheidungsfähigkeit durch Unfall oder Krankheit verlieren. In Deutschland ist die Patientenverfügung seit 2009 gesetzlich geregelt. Demnach ist bei der Anordnung lebenserhaltender Maßnahmen verbindlich, was der Betroffene in einer Willenserklärung festgelegt hat. Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst und der Betreffende mindestens 18 Jahre alt sein. Eine Patientenverfügung gilt in jeder Lebensphase, also auch bei Wachkomapatienten oder bei schwerer Demenz. Die Patientenverfügung kann jederzeit formlos widerrufen werden - im Notfall auch mündlich.

Bevollmächtigte sind im Fall der Entscheidungsunfähigkeit des Betroffenen an seine schriftliche Patientenverfügung gebunden. Sie müssen prüfen, ob die Festlegungen der aktuellen Lebens- und Behandlungssituation entsprechen und den Willen des Betroffenen zur Geltung bringen. Die Entscheidung über ärztliche Maßnahmen wird gemeinsam vom Arzt und Bevollmächtigtem vorbereitet. Sind sich Arzt und Bevollmächtigter nicht einig, muss das Vormundschaftsgericht entscheiden.
Gibt es keine Patientenverfügung oder betreffen die Festlegungen nicht die aktuelle Situation, muss der Bevollmächtigte unter Beachtung des mutmaßlichen Patientenwillens entscheiden. Die Deutsche Hospiz-Stiftung bietet Expertenrat in Konfliktfällen an.

Patientenverfügung in der Schweiz und in Österreich
In der Schweiz ist die rechtliche Verbindlichkeit der Patientenverfügung seit 2013 gesetzlich geregelt. Auch hier gilt sie als verbindliche Willensäußerung des Patienten. Dieses Recht steht in der Schweiz aber auch urteilsfähigen Minderjährigen zu.

Österreich hat 2006 ein Gesetz zu Patientenverfügungen verabschiedet. Danach haben die Willensbekundungen eine hohe Verbindlichkeit, jedoch werden strenge Formvorschriften gefordert. So muss die Verfügung schriftlich vorgelegt und vom Notar oder Rechtsanwalt beurkundet werden. Gefordert wird zudem eine Aktualisierung alle fünf Jahre und eine medizinische Pflichtberatung. Sofern nicht alle Voraussetzungen vollständig erfüllt sind, soll die Verfügung bei der Ermittlung des Patientenwillens lediglich mitbeachtet werden.

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