Ferkel © dpa
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Bisher stand fest: Ab dem 1. Januar 2019 soll Schluß sein mit der betäubungslosen Kastration.
Arme Schweine
Initiative will betäubungslose Kastration für zwei Jahre verlängern
Die große Koalition in Berlin geht auf die Wünsche aus Landwirtschaft und Fleischindustrie ein und will das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration verschieben.
Die Koalitionsfraktionen haben dafür im Bundestag eine Initiative mit dem Ziel auf den Weg gebracht, die Übergangsfrist bis zum vollen Verbot um zwei Jahre zu verlängern. Nach jetzigem Stand ist es ab dem 1. Januar 2019 verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, mit dem Kompromiss sei nun auch in Zukunft Ferkelzucht in Deutschland möglich. Der Bauernverband hatte auch angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Aktuell: Bundestag berät über Verlängerung der Übergangsfrist
Am 9. November 2018 berät der deutsche Bundestag erstmals über die Verlängerung der Übergangsfrist. Geplant ist, die Fristverlängerung am 29. November zu beschließen, der Bundesrat soll am 14. Dezember zustimmen.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Tierschützer forderten, es beim geplanten Verbotsdatum zu belassen, um "Ferkelqual" nicht zu verlängern.Im Bundesrat hatten Initiativen, die bisherige Praxis noch bis Ende 2020 oder sogar Ende 2023 zu ermöglichen, kürzlich keine Mehrheit gefunden. Aus der Union wurden daraufhin Rufe laut, im Bundestag einen weiteren Anlauf für eine Verschiebung des Verbots zu nehmen.

Während die geforderte Fristverlängerung bei Tierschützern und Grünen auf starke Kritik stößt, zeigten sich Vertreter der Landwirte und der Fleischbranche erleichtert. "Die geplante Fristverlängerung bedeutet für unsere Mitgliedsunternehmen und die gesamte Fleischwirtschaft in Deutschland, dass die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen EU-Ländern gewahrt bleibt, wenn auch nur vorerst", sagte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, Franz-Josef Holzenkamp.

Tierschützer und Grüne sehen eine Verschiebung kritisch
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat die Abgeordneten von Union und SPD aufgefordert, gegen eine Verlängerung der betäubungslosen Kastration von Ferkeln zu stimmen. "Die Ferkelquälerei muss gestoppt werden", sagte Hofreiter. "Ich fordere Unions- und SPD-Abgeordnete auf, das sinnlose Tierleid zu stoppen."

Es sei nicht nachvollziehbar, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und die Bundesregierung der deutschen Fleischindustrie erneut einen Freifahrtschein zur Tierquälerei ausstellen wollten. "Das wäre ein Einknicken vor den Profitinteressen der Agrarlobby", sagte Hofreiter.

Der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte, Siegfried Moder, mahnte, Tierärzte und Landwirte bräuchten dringend Klarheit. Übrig bleibe allein die Impfung gegen Ebergeruch mit dem Impfstoff Improvac. Dieses Verfahren scheitere derzeit vor allem daran, dass der Lebensmitteleinzelhandel keine klaren und einheitlichen Aussagen zur Abnahme von damit geimpftem Schweinefleisch treffe: "Die Zeit drängt. Deshalb sind die gemeinsamen Beratungen im Rahmen eines Nationalen Improvac-Gipfels aus unserer Sicht dringend erforderlich."

Kastenstände für Schweine
Leben zwischen Gittern
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