Kinder hinter Absperrung © ap
Der Umgang mit Kindern an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze löste massive Kritik aus.
Der Umgang mit Kindern an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze löste massive Kritik aus.
Die Folgen der Trennung
Studien belegen Schädigung der Hirnstruktur
Trauma-Experten warnen: die gewaltsame Trennung von den Eltern kann bei Kindern schwere psychische Störungen hervorrufen.
Schon der erste Moment der gewaltsamen Trennung von den Eltern ist für die Kinder nach Meinung von Psychiatern und Psychologen traumatisch und kann Panik auslösen. Unmittelbar werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet, Puls und Blutdruck steigen an, es kann zu Angstzuständen, Kopfschmerzen und Übelkeit kommen. Hält die Trennung länger an, wird die Stressreaktion aufrecht erhalten - eine anhaltende Angststörung und Depressionen können die Folge sein.

Aktuell: Trump beendet Trennungen von Einwandererfamilien
US-Präsident Donald Trump hat die umstrittene Trennung von Einwandererfamilien an der Grenze zu Mexiko beendet, zugleich aber eine weiterhin harte Gangart angekündigt: Das Vorgehen an der Grenze werde "genauso hart, wenn nicht härter sein", sagte Trump am Mittwoch. Nach seiner Kehrtwende sollen Familien zwar nicht mehr getrennt, dafür aber gemeinsam inhaftiert werden. Einen Plan, um die bereits getrennten Familien wieder zusammenzuführen, gibt es Medienberichten zufolge noch nicht.

Eine Frage der Dauer
Für die Langzeitfolgen ist die Dauer der Trennung entscheidend: Laut Jack Shonkoff, dem Leiter des Forschungszentrums für frühkindliche Entwicklung an der Harvard Universität, ist eine Trennung für einige Stunden zwar traumatisch, bleibt aber eventuell ohne Langzeitfolgen für das Kind. Dauert die Trennung aber längere Zeit an, kann es zu einer Schädigung in der Hirnstruktur der betroffenen Kinder kommen. Charles Nelson, Professor für Kinderheilkunde an der Harvard Universität, erforschte ab dem Jahr 2000 die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Trennung von den Eltern bei rumänischen Waisenkindern. Dabei beobachtete er eine dramatische Abnahme der Aktivität in den Gehirnen der betroffenen Kinder. Eine lange andauernde Trennung führte außerdem zu einer stark verringerten Bildung grauer und weißer Gehirnmasse - diese sind verantwortlich für Informationsverarbeitung, -weiterleitung und Problemlösung im menschlichen Gehirn.

Die Trennung hinterlässt Spuren
Auf lange Sicht kann die zu Posttraumatischen Belastungsstörungen und andauernden Verlustängsten bei den Kindern führen. Sie entwickeln häufig eine Depression oder eine Angststörung und haben ein erhöhtes Risiko, in ihrem späteren Leben an Diabetes oder einem Herzleiden zu erkranken. Auch Verhaltensstörungen sind eine mögliche Folge. Nelson beobachtete bei betroffenen Kindern Probleme bei der Impulskontrolle und Gedächtnisschwierigkeiten. Ihr Risiko, später straffällig zu werden, erhöht sich und sie werden häufiger alkoholabhängig. Ein Szenario, das die vielen Kinder, die aktuell noch von ihren Eltern getrennt interniert sind, noch immer bedroht.

Glossar
Depressionen
Depressive Menschen fühlen sich vor allem am Morgen traurig, gedrückt und pessimistisch. Sie ziehen sich zurück und verlieren das Interesse an gesellschaftlichen Kontakten.
Glossar
Angststörungen
Die Generalisierte Angststörung (GAS) ist neben der ausgeprägten Depression (5,6 Prozent) die häufigste psychische Erkrankung bei Patienten in Allgemeinarzt-Praxen.