Arzt im Online-Chat
VideoVideo
Eine Beratung über telefon und Internet soll zukünftig möglich sein.
Online-Doktor
Krankschreibung per Online-Chat soll es aber nicht geben
Neue Regelung: Mediziner in Deutschland können Patienten künftig auch über das Internet beraten.
Der Deutsche Ärztetag hat das Fernbehandlungsverbot gelockert. Die ausschließliche Behandlung und Beratung von Patienten über Telefon und Internet wird damit unter bestimmten Bedingungen ermöglicht. das hat die Bundesärztekammer mitgeteilt. Patienten dürfen künftig auch ohne vorherigen persönlichen Arztbesuch zum Beispiel per Videoschalte oder Online-Chat beraten und behandelt werden. Die Entscheidung löste unterschiedliche Reaktionen aus. So lehnt zum Bespiel die Deutsche Stiftung Patientenschutz die neue Regelung ab. "Verlierer sind pflegebedürftige und schwerstkranke Menschen, die auf ihren Mediziner daheim hoffen. Aber ebenso Hausärzte, die heute schon Honorare gekürzt bekommen, weil sie zu viele Hausbesuche machen", hieß es.

Was ist Telemedizin?
Bei der Telemedizin beobachtet und beurteilt ein Arzt medizinische Befunde oder Daten eines Patienten über digitale Kommunikationswege - etwa über das Internet per Videosprechstunde oder über eine Handy-App. Patient und Arzt halten sich dabei an unterschiedlichen Orten auf. Telemedizinische Anwendungen gibt es aber auch zwischen Ärzten, etwa um Befunde und Röntgenbilder elektronisch auszutauschen oder eine Zweitmeinung einzuholen.

Welchen Nutzen bringt das?
Vor allem in ländlichen Regionen, die häufig medizinisch unterversorgt sind, kann die Telemedizin nützlich sein. Patienten kann so mancher Weg zum Arzt erspart bleiben, wenn Befunde und Beschwerden am Bildschirm abgeklärt werden können. Auch bei der Nachsorge nach Operationen oder der Überwachung von chronisch Kranken etwa mit Herzschwäche ist die Telemedizin hilfreich. Die Betroffenen übermitteln regelmäßig ihre Daten wie Blutdruck und EKG-Werte von zu Hause an Ärzte, die dann im Notfall einschreiten können. Das kann die Prognose verbessern und im Ernstfall Leben retten. In mehreren Bundesländern werden auch Schlaganfallpatienten von "Tele-Stroke-Units" behandelt, wenn das nächste Krankenhaus über keine solche spezielle Schlaganfalleinheit verfügt. Per Videokonferenz können vernetzte Kliniken dann mit einem spezialisierten Arzt in Kontakt treten und über das weitere Vorgehen entscheiden.

Wie ist Telemedizin bislang geregelt?
Zwar ist die Fernbehandlung laut der aktuellen Musterberufsordnung für Ärzte nicht generell verboten. Ein ortsunabhängiger Austausch zwischen Arzt und Patient per Videokonferenz ist derzeit aber nur eingeschränkt möglich. Ein Arzt muss einen Patienten persönlich untersucht haben, bevor er in Ausnahmefällen Videosprechstunden anbieten kann. Die Beschlussvorlage des Vorstands der Bundesärztekammer, die in Erfurt auf den Tisch kommt, sieht nun eine Beratung und Behandlung ausschließlich über elektronische Kommunikationswege vor - also ohne vorherigen persönlichen Kontakt. Dies solle "im Einzelfall" erlaubt sein, wenn es ärztlich vertretbar sei und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt bleibe, heißt es in der Vorlage. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und auch die Kassen unterstützen den Ausbau der Telemedizin.

Werden damit Online-Sprechstunden zur Regel?
Nein, der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient soll nach dem Willen der Ärzteschaft der "Goldstandard" bleiben. Das direkte Gespräch soll auch im digitalen Zeitalter weiter Vorrang haben.

Mediathek
VideoIm Gespräch: Josef Mischo
Zum Thema Fernbehandlungen sprachen wir am 11.5.2018 mit Dr. Josef Mischo, Vorstand der Bundesärztekammer.
Link
Beschluss
Deutscher Ärztetag zur Fernbehandlung vom 10.05.2018 (pdf)
Link
Deutsches Telemedizinportal
Eine Reihe verschiedener Projekte und Studien. Ein Überblick.