Hanfblatt © reuters
Hanf wird auch für die Apotheke angebaut.
Hanf wird auch für die Apotheke angebaut.
Ein nützliches Kraut
Cannabis hilft bei Schmerzen und Krämpfen
Cannabis ist kein Wundermittel, aber einige medizinische Wirkungen sind recht gut belegt.
Hanf aus der Apotheke - Fragen und Antworten © dpa Hanf aus der Apotheke - Fragen und Antworten
Hintergrund: <i>Cannabis sativa</i> © colourbox Hintergrund: Cannabis sativa

Generell gilt: Die Pflanze und ihre Extrakte können nicht heilen. Symptome lindern kann Cannabis aber sehr wohl. Belegt sind mittlerweile diese Wirkungen:

  • Multiple Sklerose: Krämpfe treten seltener und weniger stark auf
  • Chronische Schmerzen bei Multipler Sklerose, Neuropathie, Rheuma und Krebs können gelindert werden
  • Nebenwirkungen bei Chemotherapien: Übelkeit und Erbrechen können bekämpft werden
  • Grüner Star: Der Augeninnendruck kann reduziert werden
  • Entzündungshemmende Wirkung
  • Epilepsie: Es gibt Hinweise auf eine antiepileptische Wirkung

Auch bei medizinischem Cannabis gilt: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kann die Gedächtnisleistung nachlassen, auch negative Folgen auf das Herz-Kreislauf-System sind beschrieben. Eine psychische Abhängigkeit ist auch bei der medizinischen Anwendung möglich. Cannabis-Konsumenten haben ein höheres Risiko, eine Psychose zu entwickeln - diese Gefahr droht jedoch nur bei einer Überdosierung.

Nachfrage nach medizinischem Cannabis steigt rasant
Ein Jahr nach der Freigabe lassen sich immer mehr Patienten in Deutschland Behandlungen mit medizinischem Cannabis verschreiben. So verzeichnen die Apotheken eine rasant wachsende Zahl eingereichter Cannabis-Rezepte. 2017 seien schon 44.000 Einheiten Blüten zulasten der gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben worden, teilte der Branchenverband ABDA mit.

"Die Tendenz war von Quartal zu Quartal steigend, sowohl bei Rezepten als auch bei den Abgabeeinheiten", erklärte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekenkammer. Hätten die Apotheken im zweiten Quartal 2017 noch 4615 Rezepte mit gut 10.000 Einheiten verteilten Cannabis-Blüten verbucht, seien es im Schlussquartal 12.717 Rezepte mit rund 18.800 Einheiten gewesen. "Cannabis-Rezepturen sind also zumindest teilweise im Versorgungsalltag angekommen", sagte Kiefer.

Bei den Krankenkassen gehen indes massenhaft Anträge auf Kostenerstattung für Cannabis-Behandlungen ein. Allein bei den großen Versicherungen AOK-Bundesverband, Techniker und Barmer waren es seit der Freigabe am 10. März 2017 insgesamt über 15.700, wie sie berichten. Die Zahl der Anträge sei "sprunghaft gestiegen", erklärte auch die DAK-Gesundheit. Laut der Kassen gibt es aber Anlaufprobleme, etwa wegen fehlerhafter oder unvollständiger Angaben. Bisher lehnen die vier Kassen rund ein Drittel der Anträge vorerst ab.

Ärzte müssen verschriebene Cannabis-Therapien umfangreich begründen. Die Krankenkassen können Anträge zunächst abweisen und Angaben nachfordern. Sie übernähmen aber bei allen zugelassenen rezeptpflichtigen Medikamenten die Kosten, so der Spitzenverband GKV.

Literatur
Glossar
Multiple Sklerose
Multiple Sklerose ist die häufigste zur Behinderung führende Nervenkrankheit in Europa. Auslöser ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems.
Glossar
Glaukom
Bereits mehr als 100 Jahre ist bekannt, dass der Grüne Star in Zusammenhang mit erhöhtem Augeninnendruck zwischen Linse und Hornhaut durch nicht mehr gänzlich abfließende Augenflüssigkeit steht.
Glossar
Epilepsie
"Feuern" Nervenzellen ungehemmt Signale, kommt es zum epileptischen Anfall. Typisch sind sekunden- oder minutenlange Krampfanfälle, die den ganzen Körper betreffen und zur Bewusstlosigkeit führen.