Auge/Chip
Forscher bauen die Netzhaut mit Elektronik nach. Es ist der einfachste Zugang zum Gehirn.
Forscher bauen die Netzhaut mit Elektronik nach. Es ist der einfachste Zugang zum Gehirn.
Die Cyborgs sind da
Elektronische Hilfen - Optimierung oder Heilung?
Ein Chip im Kopf, das gibt es längst. Doch wie geht es weiter? Schafft die Technik der Zukunft unser Gehirn ab?
Ingolf Baur traf den Neurologen E.J. Chichilnisky in seinem Labor an der Standford University.
Ingolf Baur traf den Neurologen E.J. Chichilnisky in seinem Labor an der Standford University.
Das Gehirn ist in seiner Komplexität längst nicht verstanden, aber angezapft und getunt wird es trotzdem. Alles fing an, als zum ersten Mal Gelähmte lernten, allein durch ihre Gedanken Roboterarme zu bewegen. Die Forscher waren in Aufbruchstimmung. Da ging es noch vorrangig um Heilung. Doch die Möglichkeiten, die sich aus dieser Forschung ergeben sind zu reizvoll, um sie nur als Therapie zu nutzen. Neurowissenschaftler spielen zum Beispiel mit dem Gedanken, Mischwesen mit übermenschlichen Fähigkeiten zu erschaffen. Ein spannendes Feld: Ingolf Baur ist für uns in die Welt der großen zukünftigen Technikvisionen eingetaucht.

Unsere Beiträge zum Thema
E.J. Chichilnisky forscht an der  Stanford University an einem Kommunikationsweg zwischen Elektronik und Gehirn.
E.J. Chichilnisky forscht an der Stanford University an einem Kommunikationsweg zwischen Elektronik und Gehirn.
Den Gehirn umziehen auf eine Festplatte: Das ist der Plan von Neurowissenschaftler Randal Koene.
Den Gehirn umziehen auf eine Festplatte: Das ist der Plan von Neurowissenschaftler Randal Koene.

Aktuell: Jahrestagung des Deutschen Ethikrates
Am 27. und 28. Juni berät sich der Deutsche Ethikrat auf seiner Jahrestagung in Berlin über die Auswirkungen neuer Technologien auf das menschliche Zusammenleben. Unter dem Titel "Des Menschen Würde in unserer Hand" beraten Wissenschaftler aus Deutschland und dem Ausland zwei Tage lang, welche Konsequenzen Fortschritte in Genetik, Hirnforschung und im Bereich künstlicher Intelligenz für Autonomie und Daseinsform des Menschen haben können.

Ethikrat: Politik erkennt Revolutionspotenzial von Forschung nicht

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat von der Politik mehr Aufmerksamkeit für einschneidende technologische Entwicklungen gefordert. "Entwicklungen im Bereich der Genetik, der Hirnforschung und der künstlichen Intelligenz fordern das heraus, was wir als Grundlage unseres Gemeinwesens verstehen: die Menschenwürde", so Dabrock. Es seien "stille Revolutionen", die sich in diesen Forschungsbereichen ereigneten. "Das Revolutionspotenzial ist von weiten Teilen der Politik und Gesellschaft noch nicht erkannt", führte er weiter aus. "Dabei geht es um eine wesentliche Frage: Wie weit trägt das Konzept der Menschenwürde noch im Jahr 2018 und darüber hinaus?".

Dabrock erklärte weiter, im Bereich der Genetik werfe insbesondere die "Gen-Schere" Menschheitsfragen auf. "Immerhin geht es um die Veränderung der biologischen Grundlagen des Menschseins", sagte er. Die
Gen-Schere Crispr-Cas9 ermöglicht präzise Veränderungen der DNA bei Pflanzen, Tieren und Menschen, die das Erbgut auf Dauer verändern könnten.

"Entwicklungen in der Hirnforschung stellen den freien Willen des Menschen infrage", sagte Dabrock weiter: "In Freiheit und Autonomie unseres Denkens und Handelns sehen wir aber genau die Adelung des Menschen. Sie sind zentraler Ausdruck von Menschenwürde." Im Bereich der künstlichen Intelligenz gehe es darum, inwieweit der Mensch auch in dieser technischen Entwicklung Freiheit und Gemeinschaftsfähigkeit wahren kann. "Alle drei Bereiche berühren damit zutiefst Grundlagen des Gemeinwesens, wie wir es heute kennen", sagte der Erlanger Professor. "Der Ethikrat stellt seine Jahrestagung unter das Thema Menschenwürde, weil sie Größe und zugleich Verletzlichkeit des Menschen zum Ausdruck bringt", erklärte Dabrock. Er wolle die Debatte über bio-ethische Fragen in der Gesellschaft erneut anstoßen.

Schäuble: "Vollkommenheit ist Versprechen der Tyrannen"

Begrüßungsredner der diesjährigen Tagung war Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Er warnt davor, in neuen technologischen Entwicklungen den Weg zu einem perfekten Leben zu sehen. Der Mensch sollte sich zur Unvollkommenheit bekennen, sagte Schäuble zur Eröffnung der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats. Das nicht zu akzeptieren berge Gefahr in Wissenschaft und Politik, sagte er. "Vollkommenheit ist das Versprechen der Tyrannen und führt in Totalitarismus", sagte der Parlamentspräsident. Der Menschen dürfe seine Freiheitsräume bei der Gestaltung technologischen Fortschritts nicht aufgeben. Schäuble betonte, man könne dies gestalten, "verweigern können wir uns in einer globalisierten Welt nicht". Schon jetzt vollzögen sich in anderen Teilen der Welt Entwicklungen schneller und in Teilen auch rücksichtsloser als in Deutschland. Auch hierzulande gelte: "Wir schützen die Forschungsfreiheit", sagte Schäuble und ergänzte: "aber wir schützen vor allem anderen die Würde des Menschen."

Utopien 2.0
Up to Mars
Noch ist es auf dem Mars ungemütlich. Doch NASA-Forscher haben diverse Ideen, wie man das ändern könnte.
Utopien 2.0
Update für den IQ
Selektion auf Intelligenz könnte technisch bald möglich sein. Ingolf Baur begegnet wichtigen Forschern auf diesem Feld.
Neuroprothesen
Gedanken in Bewegung umwandeln
Ein querschnittsgelähmter Mann kann seine rechte Hand mit Hilfe eines Chips im Gehirn bewegen. Der Chip setzt Hirnaktivitäten in Bewegungen um.