Medizinische Beschneidung © ap
Beschneidung verringert das Übertragungsrisiko, kann aber Männer sorglos machen.
Beschneidung verringert das Übertragungsrisiko, kann aber Männer sorglos machen.
Zweifelhafte Methoden
Organisationen fordern Stopp von Beschneidungsprogrammen in Afrika
Mehrere Organisationen raten mittlerweile davon ab, Jungen im Kampf gegen das HI-Virus zu beschneiden: Das könnte die Verbreitung sogar noch erhöhen.
Männer verließen sich auf den - vorhandenen, aber nicht vollständigen - Schutz vor einer Verbreitung des Aids-Erregers und verzichteten dann auf Kondome. Das aber ist die einzig sichere und nahezu 100prozentige Methode; bei Beschneidung bleibt ein Restrisiko von 35 Prozent im Vergleich zu Geschlechtsverkehr ohne Kondom.

In manchen Fällen fehlt die Einwilligung der Eltern oder der Jungen
Und auch aus menschenrechtlichen Gründen müssten die Programme abgelehnt werden, meint Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Nach Angaben des Bündnisses von Organisationen, die sich gegen medizinisch nicht notwendige Beschneidungen einsetzen, werden die Eingriffe in einigen afrikanischen Ländern ohne Einwilligung der Eltern vorgenommen. Über Komplikationen werde nicht hinreichend aufgeklärt.

Und auch mit der "Freiwilligkeit" nehme man es nicht so genau: Die Wiener Ärztin Jutta Reisinger, die für die Organisation "Regen" auch in Afrika tätig war, schilderte, dass Jungen in einigen Fällen in konzertierten Aktionen aus der Schule zur Operation gebracht wurden und bei den Eingriffen teilweise Gewalt angewendet wurde. Dies verstoße gegen Kinder- und Menschenrechte, sagte sie.

Die 40 Organisationen haben zu einer Demonstration in Köln aufgerufen. Anlass ist der von ihnen ausgerufene "Welttag der Genitalen Selbstbestimmung". Damit verweisen sie auf das am 7. Mai 2012 ergangene Kölner Urteil, das in einer religiös motivierten Beschneidung eine Körperverletzung sah und in Deutschland hoch umstritten war. Das Urteil löste eine breite Diskussion aus, weil Juden und Muslime eine zentrale religiöse Praxis in Gefahr sahen.

Mediathek
VideoBeschneidung soll Risiko für Infektion senken
Mitarbeiter der Organisation IRDO klären Männer in Kenia darüber auf, dass eine Beschneidung das Risiko senkt, sich mit HIV zu infizieren. (Beitrag vom 29. November 2013)
Beschneidungs-Debatte
Streit um einen Schnitt
Bei einer Beschneidung bestünden "von Seiten der jüdischen Religion keinerlei Einwände gegen eine Betäubung", sagt der jüdische Mediziner Leo Latasch.
Glossar
Aids - HI-Viren greifen das Immunsystem an
Aids steht für das "Acquired Immune Deficiency Syndrome" (erworbene Immunschwäche). Es bezeichnet das Vollbild einer unheilbaren Krankheit, deren Ursache der Zusammenbruch des menschlichen Immunsystems ist.