Arzt näht Patienten © dapd
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Immer mehr Kliniken suchen nach Möglichkeiten, das Risiko für Fehler zu reduzieren.
OP-Besteck vergessen, Infarkt übersehen
Immer mehr Patienten beklagen Ärztefehler
Bin ich richtig behandelt worden? Das fragen sich immer mehr Patienten. Die Kliniken reagieren darauf und wollen Behandlungen sicherer machen.
Im chirurgischen Bereich gibt es die meisten Verdachtsfälle.
Im chirurgischen Bereich gibt es die meisten Verdachtsfälle.
Die Zahl der Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler ist bei der Techniker Krankenkasse (TK) 2016 um 26 Prozent auf 4400 Fälle gestiegen. Bereits 2015 hatte der Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS) einen Anstieg von Patientenmeldungen verzeichnet. Die meisten Verdachtsfälle - 1372 - wurden dem TK-Bericht zufolge im chirurgischen Bereich gemeldet. Es folgten Zahnärzte mit 606 Verdachtsfällen, Allgemeinmediziner (382), Orthopäden (378), Gynäkologen (222) und Augenärzte (155). Insgesamt habe die Techniker Krankenkasse 2016 rund 14 Millionen Euro von Ärzten und Kliniken für die Folgekosten nach falschen Behandlungen zurückgefordert.

Doch das bedeutet nicht automatisch, dass Ärzte schlechter gearbeitet haben. Den starken Anstieg der Meldungen führt die TK vor allem auf ein größeres Rechtsbewusstsein ihrer Mitglieder zurück. So habe die TK verstärkt über Hilfsangebote bei möglichen Fehlbehandlungen informiert. "Wir gehen fest davon aus, dass sich die Versorgung in den Krankenhäusern und Arztpraxen nicht in diesem Ausmaß verschlechtert hat", sagte der TK-Medizinrechtsexperte Christian Soltau. Nach dem Patientenrechtegesetz sind gesetzliche Krankenkassen verpflichtet, ihre Patienten bei möglichen Beratungsfehlern zu unterstützen. Dies kann beispielsweise durch die Finanzierung eines ärztlichen Gutachtens erfolgen. Die TK hat dem Bericht zufolge 2016 insgesamt 1492 Gutachten für ihre Patienten beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) erstellen lassen, nach 1460 im Vorjahr. 61 Fälle wurden vor Gericht verhandelt.

Glossar
Kunstfehler
In deutschen Krankenhäusern kommen pro Jahr bis zu 560.000 Fehler bei Behandlung und Pflege vor - bei 17 Millionen Behandlungsfällen insgesamt. Das schätzt das Aktionsbündnis Patientensicherheit.
Was tun?
Fragen und Antworten zu Behandlungsfehlern
Beweise sichern, Gutachten anfordern - Patienten müssen einiges beachten, wenn sie den Verdacht haben, falsch behandelt worden zu sein.
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