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Ärzte bei OP © dpa Video
Eine Checkliste könnte helfen, Fehler zu vermeiden (Beitrag vom 13. Mai 2016)
Behandlungsfehler in Kliniken und Praxen
Krankenkassen sehen den Gesetzgeber gefordert
Immer mehr Patienten haben den Verdacht, dass bei ihrer Behandlung etwas nicht in Ordnung war und suchen Hilfe bei ihrer Krankenkasse.
Um Fehlerquellen zu minimieren hat das Universitätsspital Basel OP-Checklisten eingeführt. Sie sollen Patienten schützen und Sicherheit und Qualität verbessern. Vermeidbare Fehler wie die Verwechslung eines Patienten oder die Verwendung von falschem Operationsmaterial können so verhindert werden. Die Liste hat sich bereits bewährt.

Auch in Deutschland sind Kliniken, Krankenkassen und Politik gefordert, denn die Zahlen zu Behandlungsfehlern sind erschreckend. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink forderte die Koalition zu gesetzlichen Schritten zur Fehlervermeidung auf. "Dazu braucht es ein bundesweites Monitoring durch eine unabhängige Stelle sowie ein verbindliches Fehlermelde- und Vermeidungssystem." Auch drei Jahre nach Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes zeige sich, dass die Rechte Geschädigter etwa durch eine abgesenkte Beweislast erweitert werden müssten. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sprach sich für ein zentrales Behandlungsfehlerregister aus. Gefordert sei der Gesetzgeber.

Zahl der Fehler steigt im Vergleich zum Vorjahr
14.828 Fälle prüften Gutachter im Auftrag der Krankenkassen im Jahr 2015. Die Zahl der bestätigten Behandlungsfehler stieg im Vergleich zum Vorjahr um 268 auf 4064. In 205 Fällen sind Patienten durch Fehler gestorben. "Bei den Fehlern, die wir registrieren, handelt es sich um die Spitze eines Eisbergs", sagte Stefan Gronemeyer Vize-Geschäftsführer des Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS). Die Zahl der Beschwerden nehme seit Jahren zu. Zusätzlich beschwerten sich 2015 rund 12.000 Patienten bei Stellen der Ärzteschaft, hier wurden 2132 Fehler festgestellt. Niemand weiß, wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden. In der Vergangenheit schätzten die Ärzte die Zahl der Beschwerden auf 40.000 pro Jahr insgesamt.

Regelmäßig komme es zu besonders folgenschweren Fehlern, die vermeidbar gewesen wären, so der MDS. 71 Mal erlitten Patienten in der Klinik etwa ein schlimmes Druckgeschwür. 35 Mal waren bei einer Operation Tupfer oder anderes Gerät im Körper vergessen worden. Die Krankenhäuser betonten, sie hätten in den vergangen Jahren viel unternommen, um Behandlungsfehler zu minimieren. Gleichwohl sei jeder Fehler einer zu viel. "Vor dem Hintergrund der rund 20 Millionen stationären Fälle liegt die Zahl der von den Krankenkassen erfassten Behandlungsfehler bei nur rund 0,1 Prozent", sagte ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Im Operationssaal geht zu viel schief
7693 der jüngsten Vorwürfe bezogen sich auf eine Behandlung im Operationssaal - bestätigt wurden diese Vorwürfe in knapp jedem vierten Fall. Fast jeder dritte Vorwurf betraf die Orthopädie und die Unfallchirurgie. Jeweils rund jeder zehnte Vorwurf bezog sich auf die Innere beziehungsweise Allgemeinmedizin, die Allgemeinchirurgie sowie die Zahnmedizin. In fünf Prozent der begutachteten Fälle bezogen sich die Vorwürfe auf die Pflege.

Jeder zweite Fehler wurde den Angaben zufolge verursacht, indem eine notwendige Maßnahme nicht oder zu spät durchgeführt wurde. 31 Prozent der Fehler gab es im operativen Bereich, 25 Prozent bei Diagnosen und 9 Prozent bei der Pflege. In 150 Fällen hatte die Diagnose auf Zahnkaries gelautet, in 130 Fällen auf Kniegelenkverschleiß. In 3156 Fällen war ein Fehler nachweislich die Ursache eines Schadens.

Gronemeyer kritisierte mangelnde Transparenz über die Fehler. Es fehle an nationalen Zielen zu ihrer Reduzierung. Auch eine Statistik fehle. "Wir setzen uns für eine Meldepflicht von Behandlungsfehlern ein." Erst dann könnten sie umfassend reduziert werden - vergleichbar mit den Unfallursachen im Verkehr. Als mangelndes Anschnallen als Problem erkannt wurde, sei die Gurtpflicht gekommen.

Patientengespräche
Einfach mal zuhören
"Lebewesen funktionieren nicht wie Maschinen", sagt der Frankfurter Chirurg Dr. Bernd Hontschik. Man müsse bei Patienten häufiger "auf die Seele blicken".
Was tun?
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