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Biologe Frank Bradke © dpa Video
Frank Bradke erforscht die Axone im Rückenmark
Verletztes Rückenmark irgendwann heilen
Leibniz-Preis für Bonner Molekularbiologen
Der Bonner Molekularbiologe Frank Bradke erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2016.
Bradke möchte mit seiner Forschung die Grundlagen schaffen, Rückenmarksverletzungen zu behandeln. "Vom Narbengewebe, das sich bei einer Verletzung bildet, werden chemische Stoffe ausgeschüttet, die das Wachstum blockieren", sagt der Molekularbiologe. "Eine ideale Therapie für die Regeneration der Axone bei Rückenmarksverletzungen sollte daher die Vernarbung verringern und die Regenerationsfähigkeit der Axone aktivieren."

In Laboruntersuchungen gelang Bradke und seinem Team der Nachweis, dass bestimmte Krebsmedikamente die Regeneration von Nervenzellen fördern können und gleichzeitig die Vernarbung verringern. Eine dementsprechende Behandlung von Ratten mit Rückenmarksverletzungen verbesserte nach Angaben der Forscher die Bewegungsfähigkeit der Tiere. "Bis zur Anwendung am Patienten ist es sicher noch ein weiter Weg", so Bradke. "Inzwischen verstehen wir aber immer besser, was der Regeneration von Nervenzellen entgegensteht. Das eröffnet uns die Möglichkeit, gezielt nach Wirkstoffen zu suchen, die vielleicht eines Tages in der klinischen Praxis zum Einsatz kommen könnten."

Zehn Forscher erhalten den Leibniz-Preis
Die Leibniz-Preise 2016 der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) gehen an insgesamt zehn Wissenschaftler. Davon kommen jeweils drei Preisträger aus den Lebenswissenschaften, den Naturwissenschaften sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften und einer aus den Ingenieurswissenschaften, wie die DFG mitteilte.

Mit dem Preisgeld von jeweils 2,5 Millionen Euro sollen die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftler verbessert werden. Die DFG verspreche sich durch die besondere Förderung der Preisträger eine Steigerung der wissenschaftlichen Leistungen, sagte DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider laut einer Mitteilung. Die Verleihung findet am 1. März in Berlin statt.

Die Preisträger 2016:

  • Frank Bradke: Neuroregeneration, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Bonn
  • Emmanuelle Charpentier, Infektionsbiologie, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
  • Daniel Cremers, Computer Vision, Lehrstuhl für Informatik IX: Bildverstehen und wissensbasierte Systeme, Technische Universität München
  • Daniel James Frost, Mineralogie/Experimentelle Petrologie, Universität Bayreuth
  • Dag Nikolaus Hasse, Philosophie, Institut für Philosophie, Universität Würzburg
  • Benjamin List, Organische Molekülchemie, Abteilung Homogene Katalyse, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr
  • Christoph Möllers, Rechtswissenschaften, Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Marina V. Rodnina, Biochemie, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut), Göttingen
  • Bénédicte Savoy, Kunstgeschichte der Moderne, Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik, Technische Universität Berlin
  • Peter Scholze, Arithmetische und algebraische Geometrie, Mathematisches Institut, Universität Bonn

Vita
Berlin, London, San Francisco
Prof. Frank Bradke forschte nach seinem Studium an der Freien Universität Berlin und dem "University College London" im Rahmen seiner Dissertation zunächst am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Als Postdoc wechselte er 2000 an die "University of California" in San Francisco und die Universität Stanford. 2003 wurde er Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried. 2011 erhielt er den IRP-Schellenberg-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen in der Regenerationsforschung, wurde ordentlicher Professor an der Universität Bonn und Leiter der Arbeitsgruppe "Axonales Wachstum und Regeneration" am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. 2013 wurde Frank Bradke zum Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) gewählt. 2014 wurde Frank Bradke an die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina berufen.
Glossar
Querschnittslähmung
Eine Verletzung des Rückenmarks hat für den Patienten schwerwiegende Folgen. So kommt es unterhalb des beschädigten Rückenmarksbereiches zu Lähmung und Gefühllosigkeit.