Gesicht hinter Spritze
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Forscher hatten große Hoffnungen in ein Medikament gesetzt, das leider auch nicht wirkt.
Wieder kein Wundermittel
Pharmahersteller "Eli Lilly" verabschiedet sich von Alzheimer-Medikament
Alzheimer ist unheilbar - und vorerst bleibt es dabei. Studien haben die Hoffnung auf ein neues Medikament zerstört.
Der Pharmahersteller "Eli Lilly" stellt die Forschungen am Medikament Solanezumab ein. Es sei nicht gelungen, bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung den Verlust kognitiver Fähigkeiten zu verlangsamen. Eigentlich sollte der monoklonale Antikörper die Amyloid-Beta-Proteine angreifen, die als ein möglicher Auslöser für Alzheimer gelten. Pharmaexperten sagten, dass der Rückschlag zwar bitter für die Forschung auf diesem Gebiet sei. Andere Therapieansätze könnten aber immer noch funktionieren.

Demgegenüber macht Pharmahersteller Roche weiter - mit dem gleichen Ansatz: Roche ist von zwei eigenen Arzneien gegen die Krankheit überzeugt. Es gebe beträchtliche Unterschiede zwischen den in der Entwicklung stehenden Mitteln Crenezumab und Gantenerumab und dem Lilly-Produkt Solanezumab, sagte ein Roche-Sprecher. Roche ziehe auf dem Gebiet zudem Lehren aus laufenden Studien und prüfe etwa die Auswirkungen von hohen Dosen.

Auf ein Medikament wird man wohl noch lange warten müssen
Tablette
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So einfach ist es mit Alzheimer noch nicht.
Medikamente gegen Alzheimer, die "wirksam, verträglich und bezahlbar sind, wird es frühestens in 20 bis 30 Jahren geben - wenn überhaupt", so Hirnforscher Prof. Thomas Arendt. Man müsse bedenken, "dass wir die Ursachen der Erkrankung bisher nicht kennen und auch den Verlauf nur ungenügend verstehen." Schon mehrfach hätten sich durch Erfolgsmeldungen geweckte Hoffnungen als verfrüht erwiesen, sagt auch der Münchner Alzheimer-Forscher Martin Dichgans. Die Alzheimer-Krankheit lasse sich bisher mit Medikamenten nur symptomatisch behandeln.

Forscher setzt auf Methylenblau bei Alzheimer
Ein aus dem Labor bekannter Farbstoff kann die Tau-Fibrillen auflösen
Ein aus dem Labor bekannter Farbstoff kann die Tau-Fibrillen auflösen
Neben dem Versuch, Antikörper gegen das Amyloid-Protein zu erzeugen, gibt es noch einen im Labor gängigen Farbstoff, der einen Ansatz darstellt: Methylenblau kann die Tau-Fibrillen der Alzheimerkrankheit auflösen, hofft Prof. Claude Wischik von der britischen Universität Aberdeen: "Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Menge an Tau-Fibrillen im Gehirn und dem Grad der Demenz." Methylenblau löst die Aggregate auf, die die Tau-Fibrillen bilden, wenn der Körper zu viel davon produziert. "Der Weg zu einem zugelassenen Medikament ist aber immer noch weit", sagt Wischik. Seine Studie an 321 Menschen mit leichtem und mittelschwerem Alzheimer zeigte, dass sich der Zustand dreier von vier so Patienten verbesserte oder stabil blieb. Gehirnbereiche zeigten sich im Scan aktiver als zuvor.

"Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man solche Befunde einschätzt", sagt Prof. Hans Förstl vom Münchner Klinikum rechts der Isar. "Die Studie ist groß und facettenreich, aber dahinter steht auch ein gravierendes kommerzielles Interesse: Der Forscher ist gleichzeitig involviert mit einer Firma und muss natürlich schauen, dass er nach mehrjähriger Forschung auch die Ernte einfährt."

Andere Forschergruppen wiederum gehen gegen ein Protein vor, dass sich in den typischen Alzheimer-Plaques findet: Pyroglutamat. Göttinger Mediziner haben eine Impfung dagegen entwickelt; ein Unternehmen in Halle möchte gar die Bildung dieses Eiweißstoffes unterbinden.

Dement in der Klinik
Nicht finanzierbar
Die Fallpauschalen reichen nicht aus, damit Krankhäuser demente Patienten adäquat versorgen können, sagt die Saarländische Sozialwissenschaftlerin Sabine Kirchen-Peters.
Glossar
Alzheimer
"Alzheimer" ist zum geflügelten Wort für Vergesslichkeit geworden, doch tatsächlich beschreibt es eine schwere Form der
Demenz.
Alzheimer behandeln
Den Verfall aufhalten
Wer vorbeugen will, sollte auf verschiedene Weise aktiv werden: Sport, geistige Beweglichkeit und Neugier können das Fortschreiten der Alzheimerschen Krankheit bremsen.
Spurensuche im Gehirn
Auslöser unbekannt
Obwohl die Demenz vom Alzheimer-Typ die häufigste Demenzerkrankung darstellt, ist die Ursache der meisten Erkrankungsfälle noch immer ungeklärt.
Suche nach Alzheimer-Mittel
Erste Ergebnisse
Der US-amerikanische Biotech-Konzern "Biogen" macht nach eigener Auskunft Fortschritte auf der Suche nach einem Medikament gegen Alzheimer.
Angehörige pflegen
Eine große Last
Zahlreiche pflegende Angehörige klagen über psychische Belastungen mit depressiven Phasen. Besonders hoch ist die Anfälligkeit dafür, wenn Demenzkranke versorgt werden.