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Der Geräusch-Warner schlägt Alarm, wenn es im Operationssaal zu laut wird
Ruhe im OP!
Komplikationsrate um 50 Prozent gesenkt
Weniger Lärm im Operationssaal lässt Chirurgen konzentrierter arbeiten und senkt die Komplikationsrate. Das ergab eine Studie an der Kinderklinik der Uni Hannover.
"Wir konnten die Lautstärke um die Hälfte verringern", sagt Oberarzt Dr. Carsten Engelmann. "Die Chirurgen fühlten sich in dem ruhigeren Arbeitsumfeld wohler und konnten konzentrierter arbeiten. Darüber hinaus kam es bei den Patienten der Stichprobe zu deutlich weniger postoperativen Komplikationen".

Durch das Geräuschsenkungsprogramm konnte der Lärmpegel um 50 Prozent auf 60 Dezibel gesenkt werden. Neben verschiedenen anderen Werten wurden in der Studie auch die Aussagen der Chirurgen zu ihrem persönlichen Befinden berücksichtigt. In leiserer Umgebung sind die Chirurgen entspannter und können konzentrierter arbeiten.

Völlig überrascht hat die Forscher, dass dies offenbar direkte Auswirkungen auf die Patienten hat: "Die Komplikationsrate hat sich um die Hälfte reduziert. Es gab weniger Nachblutungen, Infektionen und Nahtinsuffizienzen", erklärt Engelmann.

Handys und Privatgespräche waren tabu
Grundlage der Studie waren mehr als 150 operative Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen, die länger als 20 Minuten dauerten. Prof. Benno Ure, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie, begleitete die Untersuchung. "Zunächst ermittelten wir den Status Quo im Operationssaal. Dann schauten wir uns an, welche Ergebnisse ein systematisches Geräuschsenkungsprogramm bringt. Dieses Programm bestand einerseits aus technischen Maßnahmen, andererseits aus spezifischen, verbindlichen Verhaltensregeln für das Personal", erläutert Ure.

Große optische Geräusch-Warner wurden in den Blickachsen des Operationssaales aufgehängt, das OP-Telefon auf das optische Signal umgestellt und die Lautstärke medizinischer Geräten reduziert. Für das Personal galt: Privatunterhaltungen waren verboten. Die Türen blieben geschlossen, Mobiltelefone waren im OP tabu und Gespräche wurden nur geführt, wenn sie etwas mit dem aktuellen Fall zu tun hatten.

Es gibt zahlreiche Lärmquellen in einem Operationssaal: Chirurgen, Anästhesisten, OP-Schwestern, Gastärzte und Medizinstudenten unterhalten sich, medizinische Geräte produzieren Geräusche, aus dem Radio kommt Musik, Pieper und Handys klingeln. "Der durchschnittliche Lärmpegel im OP liegt bei 63 Dezibel", erklärt Engelmann. Das ist etwa so laut wie ein Motor-Rasenmäher in zehn Metern Entfernung. "Extrem wird es, wenn beispielsweise OP-Bestecke in eine Metallschüssel geworfen werden oder wenn ein Hocker umfällt. Dann kommt es zu kurzzeitigen Spitzen von bis zu 100 Dezibel", erläutert der Chirurg. "Die Geräuschempfindlichkeit ist bei jedem Menschen anders. Aber grundsätzlich steigt mit dem Lärmpegel auch die Stressanfälligkeit", ergänzt Jan Philipp Neis, der an der Studie beteiligt war.

Literatur
Engelmann C et al (2014) A Noise-Reduction Program in a Pediatric Operation Theatre Is Associated With Surgeon's Benefits and a Reduced Rate of Complications: A Prospective Controlled Clinical Trial. Ann Surg Vol 259 Iss 5 1025–1033
Interaktiv
Lärm im Alltag
In der Nähe einer Autobahn treten 80 Dezibel auf. Ab 115 Dezibel wird Lärm als schmerzhaft empfunden, bei 120 Dezibel können bereits nach kurzer Einwirkung Hörschäden auftreten.
Glossar
Lärm
Mit Abstand am meisten Krach mache in Deutschland der Straßenverkehr. Vor allem die Lastwagen seien laut, sagt Lärmforscher Michael Jäcker-Cüppers.
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