Spielautomaten © dpa
Geldspielautomaten gelten als besonders riskant.
Geldspielautomaten gelten als besonders riskant.
Das gefährliche Geschäft mit dem Glück
Illegale Sportwetten sind "Anlass zur Sorge"
Immer mehr junge Männer beteiligen sich an illegalen Sportwetten - der Anteil hat sich zwischen 2013 und 2015 mehr als verdoppelt.
Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB). 2015 beteiligten sich 12,8 Prozent der Männer zwischen 18 und 20 Jahren an illegalen Sportwetten - 2013 waren es 5,7 Prozent. Dies biete "Anlass zur Sorge", sagte der zuständige Abteilungsleiter der BZgA, Peter Lang.

Die Teilnahme am Glücksspiel indes bleibt rückläufig. Hätten 2013 noch 40,2 Prozent der Befragten an einem Glücksspiel teilgenommen, waren es 2015 nur noch 37,3 Prozent, hieß es. Erstmals seit Beginn der Studienserie im Jahr 2007 habe das Spielen an Geldspielautomaten abgenommen - um 1,1 Prozent seit 2013. Der Anteil Jugendlicher, die gewerbliche Glücksspiele nutzten, sank von 15,8 auf 14,6 Prozent.

Ein problematisches Glücksspielverhalten wiesen der Studie zufolge 0,79 Prozent der Befragten auf. Das entspricht 308.000 bis 676.000 Personen in der Altersgruppe zwischen 16 und 70 Jahren. Diese Quote liegt laut BZgA im Bereich vergleichbarer vorheriger Studien. Die BZgA und der DLTB befragten nach eigenen Angaben 11.500 Personen für ihre fünfte gemeinsame Glücksspielstudie. Pathologisches Glücksspiel ist in Deutschland seit 2001 als eigenständige Krankheit anerkannt.

In der Sucht gibt es Geschlechterunterschiede
Frauen werden seltener, aber dafür schneller spielsüchtig als Männer. Zudem seien spielsüchtige Frauen im Unterschied zu Männern in ihrer Kindheit häufiger schwer traumatisiert worden, erklärte Andrea Wöhr von der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim. So berichteten von hundert weiblichen und hundert männlichen Glücksspielern, die stationär in Behandlung waren, 70 Prozent der Frauen und damit doppelt so viele wie Männer von körperlicher Gewalt, sexuellem Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit.

Nach Schätzungen sind 80 Prozent der krankhaften Glücksspieler Männer. Männer gleiten meist schon in jüngeren Jahren in die Spielsucht ab. Während der Altersgipfel bei den therapiesuchenden Männern zwischen 30 und 39 Jahren liegt, sind die betroffenen Frauen im Schnitt zehn Jahre älter. Ihre Sucht nimmt dann aber einen rascheren Verlauf - mit allen Folgen wie Überschuldung und soziale Isolierung.

Neben den klassischen Spielbanken gibt es in Deutschland Lotto und Toto, Pferdewetten sowie die Klassen- und Fernsehlotterie. Mit Abstand am beliebtesten - gerechnet nach den Umsätzen - aber sind Geldspielautomaten, vor allem in Gaststätten und Spielhallen.

Aus dem ersten Erfolg wird irgendwann eine Sucht
© dpa Frauen verfallen dem Glücksspiel seltener, aber schneller.
Frauen verfallen dem Glücksspiel seltener, aber schneller.
Der Übergang vom Freizeitspaß zum problematischen Spielverhalten ist meist fließend. Größere oder mehrere kleine Gewinne führen zunächst zu Erfolgserlebnissen. In der Folge wächst die Risikobereitschaft, und höhere Beträge werden gesetzt. Der Spieler spielt immer häufiger, getrieben von der Hoffnung, verlorenes Geld zurückzugewinnen. Spieler beginnen, ihr Laster zu verheimlichen und fangen an, sich Geld zu leihen. Sie haben einen kaum zu kontrollierenden Drang zum Spielen und geraten in einen Schuldenstrudel. Dass Glücksspiele immer vom Zufall abhängig sind, verdrängen sie. Pathologische, also krankhafte Spieler glauben vielmehr, das Spiel kontrollieren und beeinflussen zu können.

Neben der Verschuldung drohen der Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung, Probleme in der Familie, die soziale Isolation und sogar ein Abrutschen in die Kriminalität. Studien weisen darauf hin, dass sich mindestens jeder Vierte das Geld zum Spielen auf illegale Weise beschafft.

Besonders hohes Suchtpotenzial haben Suchtexperten zufolge Spiele mit einer schnellen Spielabfolge. So dauern Automatenspiele oder auch Kasinospiele oft nur wenige Sekunden. Zudem suggerieren Stopp-Tasten an Geldspielautomaten den Zockern, den Spielverlauf steuern zu können. Geringe Cent-Beträge bei Automaten oder beim Pokern, Jetons im Kasino oder virtuelle Punkte bei Internetspielen verschleiern die wahren Summen. Es wird mehr eingesetzt, Verluste werden unterschätzt.

In Deutschland regeln die Länder das Glücksspiel
Im Zuge der Föderalismusreform haben die Länder vom Bund das Recht erhalten, Gesetze für Spielhallen zu erlassen. Im Mai 2011 hat Berlin als erstes Land gehandelt und zum Beispiel einen Mindestabstand von einer Spielhalle bis zur nächsten festgelegt. Begrenzt sind auch die Anzahl der Automaten und Öffnungszeiten. Ein Abstand zu Schulen muss gewahrt bleiben. Inzwischen haben fast alle Bundesländer nachgezogen, die Vorschriften unterscheiden sich aber.

Weiter beim Bund liegt zum Beispiel das Recht, über die Technik der Automaten zu bestimmen. Die Länder fordern über den Bundesrat seit längerem mehr Spielerschutz, zum Beispiel Obergrenzen für Geldeinsätze an Automaten oder die Abschaffung von Automatiktasten.

Ein Kuriosum bleibt, dass Geldspielautomaten außerhalb von Spielbanken rechtlich nicht als Glücksspiel gelten. Sie werden seit ihren Anfängen als "Unterhaltung" eingestuft und fallen damit trotz hoher Einsätze lediglich unter das Gewerberecht. Kritiker sehen das als Fehlentwicklung und werten sie Ergebnis einer erfolgreichen Lobbyarbeit der Spielautomaten-Branche.

Literatur
Haß, Wolfgang & Lang, Peter (2016). Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland. Ergebnisse des Surveys 2015 und Trends. Forschungsbericht der BZgA. Köln: Bundeszentrale fürgesundheitliche Aufklärung.