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Mann versprüht Desinfektionsmittel © ap Video
Die neuen Ebola-Fälle gelten als Rückschlag im Kampf gegen die Epidemie
Vom Hund gekommen
Erneuter Ausbruch von Ebola in Liberia
Der erneute Ausbruch von Ebola in Liberia könnte auf den Verzehr von Hundefleisch zurückgehen, erklärte der Leiter der Anti-Ebola-Einheit des Landes, Moses Massaquoi.
Die inzwischen drei Fälle aus dem Dorf Nedowein 50 Kilometer von der Hauptstadt Monrovia entfernt seien alle einem Zeitfenster zugeordnet worden. "Sie haben in der Vergangenheit zusammen Hundefleisch gegessen", eine in Liberia durchaus gängige Mahlzeit, sagte Massaquoi. Dorfbewohner berichteten ihrerseits, die drei hätten einen toten Hund ausgegraben und gegessen. Einer der Infizierten, ein 17-jähriger Junge, ist verstorben. Vize-Gesundheitsminister Tolbert Nyenswah zufolge stehen 175 Personen unter Beobachtung.

Eigentlich war Liberia am 9. Mai für frei von Ebola erklärt worden, während es in den Nachbarstaaten Sierra Leone und Guinea noch immer neue Infektionen gibt. Nedowein liegt allerdings weit von den Landesgrenzen entfernt. Es ist auch nicht bekannt, dass die drei Erkrankten ins Ausland gereist wären.

Massaquoi zufolge wird daher untersucht, ob das Virus sich bei Tieren eingenistet haben könnte. Es sind Fälle nach dem Verzehr von Affenfleisch aufgetreten. Andere Experten erklärten, es könne in abgelegeneren Teilen des Landes noch infizierte Menschen geben. An der der Epidemie in Westafrika sind 11.220 Menschen gestorben, mehr als 4800 davon in Liberia.

Die Ebola-Epidemie ist noch nicht überwunden
Medizinischer Helfer im Slum © dpa Video
Nach wie vor leisten viele Ärzte Aufklärungsarbeit in den Ebola-Gebieten (Beitrag vom 9. April 2015)
Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie bleibt ein ständiges Auf und Ab. "Die Epidemie war und ist nicht unter Kontrolle", sagt Brice de le Vingne von "Ärzte ohne Grenzen" (MSF). Während Liberia Fortschritte gemacht hat, die Seuche zu bekämpfen, mussten die Nachbarländer Guinea und Sierra Leone häufig Rückschläge verzeichnen. Nach Meinung von De le Vingne liegt das vor allem an der unterschiedlichen Herangehensweise und der Reaktion der betroffenen Länder. "In Liberia hat sich die Regierung sehr transparent verhalten - es wurde sehr diszipliniert gehandelt und ein Überwachungssystem eingerichtet, um die Übertragung des Virus nachvollziehen zu können", sagt er.

In Sierra Leone habe es zu Beginn des Ausbruchs hingegen viel mehr politischen Widerstand gegeben. "Jetzt versucht die Regierung endlich das Richtige zu tun, aber das braucht Zeit, um Wirkung zu zeigen."

Liberia, Sierra Leone und Guinea seien zudem sehr verschieden bezüglich ihrer Geschichte und ihrer Kultur, sagt die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, Katherine Mueller. Viele Menschen seien misstrauisch gegenüber den Behörden. "Etwa in Teilen von Guinea haben die Leute ihre ganz eigene Art, mit Krankheiten umzugehen, darunter auch die Befragung traditioneller Heiler sowie der Einsatz von Hexerei und Voodoo", sagt Mueller.

Erst nachdem Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Heiler und religiösen Führer in langen Gesprächen über die Gefahren von Ebola aufgeklärt hätten, habe auch die Bevölkerung damit begonnen, die so dringend angeratenen Präventionsmaßnahmen zu befolgen, und den Ernst der Lage zu erkennen.

"Das Wichtigste ist jetzt epidemiologische Überwachung", meint hingegen De le Vingne. "Aber das ist keine einfache Aufgabe. Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit." Es gelte dabei, eine vollständige Liste von Kontaktpersonen zu erstellen, mit denen jeder infizierte Patient in Berührung gekommen ist. Aber auch hier komme Ärzten und Helfern wieder das Misstrauen der Menschen in die Quere, sagt der MSF-Experte: "Es kommt vor, dass die Kranken ihre Kontakte nicht preisgeben wollen. Es ist ihnen suspekt, weil sie nicht wissen, was wir mit den betreffenden Personen machen werden."

Gespräch
Video Zum Thema sprach nano am 9. April 2015 mit dem Mediziner und Vorstandsvorsitzenden der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Dr. Tankred Stöbe.
Mediathek
VideoKeine Entwarnung
Das Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" warnt vor einer Entwarnung bei der Ebola-Epidemie in Afrika. "Die Epidemie ist noch nicht vorbei", sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach. (nano-Bericht vom 2. April 2015)
Mediathek
© dpaVideoEndlich wieder Schule für Kinder in Monrovia
In dem besonders hart von Ebola betroffenen Land Liberia gibt es weniger Neuinfektionen. In Sierra Leone steigt die Zahl der Fälle wieder. (Bericht vom 9. März 2015)
Glossar
Das Ebola-Virus
Das zentralafrikanische Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst hämorrhagisches - mit Blutungen einhergehendes - Fieber aus.
Chronik
Ebola ist nicht besiegt
Ein Ende der Ebola-Epdidemie in Westafrika ist nicht absehbar. Sie ist die bei weitem schwerste bislang bekannte. Ein Rückblick über die Ereignisse seit Dezember 2013.
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