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Zusätzliche Vitamine sind unnötig und machen ein Lebensmittel auch nicht gesund.
Die Dosis macht das Gift
Zu viele Vitaminpräparate können gefährlich werden
Fast kein Mitteleuropäer braucht zusätzliche Vitamine, sagen Wissenschaftler. Schlimmer noch: In bestimmten Fällen können sie sogar die Gesundheit gefährden.
Bei fettlöslichen Vitaminen kann eine Überdosis giftig wirken, sagt der Heidelberger Epidemiologe Prof. Rudolf Kaaks, da diese sich im Körper anhäufen. Probanden, die Calcium-Ergänzungsmittel zu sich nehmen, hatten ein höheres Risiko für Herzinfarkt, haben Forscher um Kaaks gezeigt. Zusätzlich eingenommenes Vitamin E kann die Sterblichkeit um 4, Vitamin A um 14 Prozent erhöhen, hat eine dänische Studie mit 200.000 Probanden belegt. Bei Rauchern kann Betakarotin das Krebsrisiko erhöhen statt wie erhofft zu senken, so eine US-Studie.

Nahrungsergänzungsmittel: beliebt und oft sinnlos
Die wissenschaftliche Wirksamkeit künstlicher Vitamine und Mineralien ist generell nicht bewiesen, so die Experten des Bayrischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Sie beurteilen Nahrungsergänzungsmittel meist als unnütz, aber in der Regel wenigstens als unschädlich. Hauptverkaufsargument ist überwiegend der drohende Vitaminmangel - den allerdings haben in westlichen Zivilisationen höchstens Kranke oder Schwangere.

Ein Produkt, dessen Hauptbestandteil Silicium ist, halten die Fachleute für nicht besonders sinnvoll, weil es Krankheiten durch Siliciummangel in Deutschland gar nicht gibt. Das Prädikat "überflüssig" erhält auch die Noni-Frucht aus Hawaii, deren Saft in Deutschland teuer verkauft wird. Die sagenhaften Heilwirkungen dieser Frucht sind nur angedichtet und die heimischen Fruchtsäfte decken den Bedarf des Körpers durchaus ab.

Vitamine aus Gemüse sind so gesund wie eh und je
Als Verkaufsargument für Vitaminpräparate gilt, dass Obst und Gemüse durch lange Transportwege und falsche Zubereitung Vitamine verlieren würden. Doch das ist ein Irrtum, denn Analysen von Tomaten haben gezeigt, dass heutige Tomaten in etwa die gleiche Menge an Vitaminen und Spurenelementen wie vor 30 Jahren enthalten. Selbst Dosentomaten haben mindestens 80 Prozent der Vitamine von frischen Tomaten. Der Glaube, Obst und Gemüse seien wegen langer Lagerung, Verkochen oder schlechter Bodenqualität vitaminarm, ist also ein Irrglaube.

Laut Ernährungswissenschaftlern reichen 650 Gramm Obst und Gemüse pro Tag für die Gesundheit. Manche der heutigen Apfelsorten enthalten sogar dreimal mehr Vitamin C als Äpfel früherer Sorten. Die zahlreichen Vitamine und Pflanzenstoffe von Äpfeln vermögen sogar manchmal das Wachstum von Krebszellen zu verringern. Künstliches Vitamin C dagegen schafft das nicht.

Glossar
Vitamine
Die richtige Dosierung von Vitaminen ist umstritten, sagt Helmut Oberritter von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Freie Radikale
Gesunder Stress
Kurzzeitiger, geringer Stress kann unser Leben verlängern. Das hat der Zürcher Ernährungswissenschaften Prof. Michael Ristow herausgefunden.
Pillen
Vitaminpräparate auch für Ältere nicht sinnvoll
Vitaminpräparate sind keine sinnvolle Nahrungsergänzung für ältere Menschen: "Eine über Jahre laufende Ergänzung mit solchen Präparaten sollte man vermeiden", sagt der Arzt Prof. Ralf Joachim Schulz.
Präparate verkaufen sich gut
Kassenschlager
Vitamin-C-Tabletten bescheren gute Umsätze, auch wenn in westlichen Ländern kein Vitaminmangel herrscht. Doch als dessen Synthese erfunden wurde, war das noch nicht klar.
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