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Reisepass © colourbox Lupe
Was in Nepal und Australien geht, lässt die Bundesrepublik nicht zu
Das dritte Geschlecht
Wahl zwischen männlich, weiblich oder X
Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, wollen im Pass oder in der Geburtsurkunde eine dritte Möglichkeit haben, der sie sich zuordnen können.
Eines der ersten Länder, die ein drittes Geschlecht anerkannt haben, ist Australien. Seit 2011 bieten australische Pässe drei Geschlechtsoptionen: männlich, weiblich und unbestimmt. Transsexuelle Menschen und Menschen unbestimmten Geschlechts können ihr Geschlecht mit einem "X" registrieren lassen. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen eine ärztliche Bescheinigung einreichen.

Im August 2015 hat Nepal die dritte Geschlechtsangabe im Pass eingeführt. So können die Nepalesen statt männlich oder weiblich ein drittes Geschlecht im Pass angeben. Dort wird der Buchstabe "O" für "other", "andere", eingetragen.

Auch andere Länder erkennen ein drittes Geschlecht an. 2013 verabschiedete die Regierung in Bangladesch ein Gesetz, das die Kategorie "Hijra" im Pass und anderen Ausweisen einführt. Hijra sind Männer in Frauenkleidern. 2014 folgte Indien: Das dritte Geschlecht darf sich an Schulen und Universitäten eintragen und um eine Arbeitsstelle bewerben. Es sollen auch Quoten eingeführt werden, wie sie bereits für andere sozial und wirtschaftlich rückständige Minderheiten existieren.

Deutsche Pässe haben die Möglichkeit noch nicht
In Deutschland gibt es diese Möglichkeit noch nicht. 2013 trat ein Gesetz in Kraft, das es intersexuellen Menschen ermöglicht, im Geburtsregister das Feld zur Geschlechtsangabe frei zu lassen. So müssen sich die Eltern bei der Geburt ihres Kindes nicht mehr für ein Geschlecht entscheiden. Nach Schätzungen leben 80.000 Menschen ohne klar bestimmbares Geschlecht in Deutschland. Die Gesetzesänderung wurde vom Deutschen Ethikrat empfohlen.

Im Oktober 2014 lehnte das Amtsgericht Hannover einen Antrag auf Änderung der Geschlechtsangabe von "weiblich" in "inter" oder "divers" ab. Die zuständige Richterin begründete die Entscheidung damit, dass nach dem Personenstandsgesetz die Angaben "inter" beziehungsweise "divers" gesetzlich nicht vorgesehen seien. Möglich seien laut Gericht nur die Angaben "weiblich", "männlich" oder gar keine Angabe. "Darin sehen wir eine Diskriminierung", sagt ein Sprecher der Organisation "Dritte Option". Die meisten Menschen würden in Deutschland einem Geschlecht zugeordnet. Aber Menschen, die sich zu keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlten, würde ein Eintrag verwehrt. Der Bundesgerichtshof soll diese Beschwerde klären.

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