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Die Themen der Sendung
21. November 2014
Kind isst Video
Bei Babys finden sich Spuren der väterlichen und mütterlichen Darmflora
Bakterienwelten
Früh übt sich, was eine Darmflora werden will
Das erste, was Kleinkinder zu sich nehmen, sind die Bakterien, die ihren Darm besiedeln. "Das ist sehr wichtig für die Entwicklung einer gesunden Darmflora", weiß Prof. Michael Blaut.
Der Wissenschaftler vom Potsdamer Institut für Ernährungsforschung betont auch die Rolle für das Immunsystem: Mediziner der Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinik ernähren Frühchen mit gespendeter Muttermilch, damit sie die lebenswichtige Darmflora entwickeln können. So bekommen auch die Frühchen den für die Darmflora so wichtigen Mix aus Nährstoffen.

"Während der Geburt nimmt das Kind über den Mund die ersten Bakterien aus der Scheide der Mutter auf", schildert Blaut. "Diese ersten Bakterien treffen auf eine Schleimhaut, die völlig unbesiedelt ist, so dass diese Besiedelung sehr schnell vonstatten geht." Bis zu 800 verschieden Arten zersetzen Ballaststoffe von Gemüse, Obst und Getreide.

Milchsäure- und Bofidusbakterien verhindern, dass sich fremde Mikroben ansiedeln - selbst die, die der Mensch sich mit Joghurts aktiv zuführen will. "Die Zusammensetzung der Darmflora verändert sich kaum noch", so Haller. "Wenn keine gravierenden Einflüsse wirken, bleibt die Darmflora sehr stabil." Zehn bis hundert Billionen Bakterien leben auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern und bringen es auf ein Gesamtgewicht von zwei Kilo.

Drei Grundtypen von Darmflora medizinisch wichtig
Szenenbild Video
Drei verschiedene Grundtypen von Darmfaunen gibt es beim Menschen
"Darmbakterien spielen eine große Rollen auch bei Immunkrankheiten wie Multipler Sklerose", sagt der Ernährungswissenschaftler Prof. Dirk Haller. Der menschliche Organismus beherbergt knapp 200 verschiedene Bakterienarten. Die meisten dieser Mikroorganismen befinden sich im Darm. Dabei sind ihre Wechselwirkungen mit dem Menschen noch nicht umfassend geklärt.

Forscher unterscheiden zwischen drei verschiedenen Besiedlungsmustern: Bacteroides, Prevotella oder Ruminococcus. Der jeweilige Typ entscheidet über die Nahrungsverwertung. Der Bacteroides-Typ macht aus dem Nahrungsbrei große Mengen Kohlehydrate verfügbar. Menschen dieses Typs neigen zur Fettleibigkeit.

Die Darmflora entscheidet auch über das Gewicht
Gerade die Ballaststoffe, die Übergewicht vorbeugen sollen, können es fördern, wenn die Bakteriengruppe der Fimicuten in der Darmflora stark vertreten ist, haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Sie können Ballaststoffe viel besser verdauen als andere Bakterien. Dabei entstehen Zucker und Fettsäuren, aus denen der menschliche Organismus Fette aufbaut. Kalorienwerte müssten deshalb der individuellen Darmflora entsprechend berechnet werden.

Mediathek
VideoGesund von Anfang an
Im Darm tummeln sich 800 meist symbiotische Mikroben (Beitrag vom 9. November 2009)
Glossar
Bakterien
Der Begriff "Bakterien" ist nicht exakt definiert: Einige verstehen darunter die "echten Bakterien" (Eubacteria), andere sehen ihn als Oberbegriff.
Magen denkt mit
Das Hirn im Bauch
"Der Magen-Darm-Trakt ist mit dem Gehirn in vielfacher Art und Weise in beide Richtungen verbunden", sagt der Grazer Neurogastroenterologe Prof. Peter Holzer.
Literatur
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