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Zucker, wo man ihn nicht erwartet (Beitrag vom 28. Oktober 2015)
Der Zucker ist oft gut getarnt
Hersteller versuchen, Zuckergehalt zu verschleiern
Viele Lebensmittel enthalten mehr Zucker, als den meisten Verbrauchern bewusst sei, sagt Dietrich Garlichs von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft.
So stehen auch Bezeichnungen wie Saccharose, Lactose, Fructose(-sirup), Fruchtzucker, Glucose(-sirup), Traubenzucker, Invertzuckersirup, Dextrose, Maltodextrin und Dextrine auf der Zutatenlisten für Zucker. Laien seien diese Fachbegriffe aber oft nicht bekannt.

Lebensindustrie lockt Kunden mit Zucker an
Kleinkinder Video
Schon von klein auf will die Lebensmittelindustrie ihre Kunden verführen (Beitrag vom 7. Februar 2013)
Nicht nur in Schokolade, Eis oder Softdrinks, sondern auch in Ketchup, Schinken oder Brot verstecke sich Zucker. Im Ergebnis konsumiere der Verbraucher unkontrolliert Zucker und nehme mehr Kalorien zu sich, als eine gesunde Energiebilanz vorschreibe.

Im Schnitt verzehrt jeder Bundesbürger pro Jahr 35 Kilogramm Zucker, fast 100 Gramm täglich. Das sei doppelt so viel, wie eine gesunde Ernährung vorsieht. "Zucker kann ähnlich wie eine Sucht wirken, er macht Appetit auf mehr", erklärte Garlichs.

"Die Präferenz, sei es für süß, aber auch für jeden anderen Geschmack oder Lebensmittel, ist ganz stark abhängig von der Lernerfahrung, die man im Laufe seines Lebens hat und den Speisen, die man früher gegessen hat", weiß Dr. Kathrin Ohla vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Auch Fruchtzucker in Getränken ist ein Dickmacher
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (Dife) hat Fruchtzucker in Getränken als einen bedeutenden Dickmacher in den Industrienationen ausgemacht. Die Forscher schließen das aus Versuchen an Mäusen: "Da die Gewichts- und Fettzunahme der Tiere, die eine Fructoselösung tranken, nicht auf eine gesteigerte Kalorienaufnahme zurückzuführen ist, ist anzunehmen, dass Fructose die Stoffwechseltätigkeit beeinflusst und auf diese Weise die Anreicherung von Körperfett begünstigt", so Hella Jürgens vom Dife.

In der Studie boten die Forscher Mäusen entweder eine 15-prozentige Fructoselösung, ein Saccharose-(Rohrzucker-)haltiges Erfrischungsgetränk (10 Prozent Saccharose), ein Süßstoff-haltiges Diät-Getränk ohne Kalorien oder Wasser an. Die Leberfettwerte der Mäuse, die die Fructoselösung tranken, stiegen an.

Fructose macht dick, aber den Körper nicht satt
"Fructose wird anders als Glucose in der Leber in Form von Fett gespeichert", weiß Prof. Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. "Der große Nachteil von Fructose ist, dass dieser Zucker anders als die Glucose kein Sättigungsgefühl im Körper auslöst. Wird Glucose aufgenommen, kommt es zur Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Das Insulin vermittelt in unserem Gehirn das Signal, 'wir sind satt'." Das Saccharose-haltige Getränk hatte keinen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Mäuse. Die Mäuse, die mit der angebotenen Flüssigkeit zusätzliche Kalorien aufnahmen, aßen weniger feste Nahrung als die Tiere, die nur Wasser oder das Diät-Getränk erhielten, so dass die Gesamtenergieaufnahme bei allen Gruppen annähernd gleich war.

Die Forscher des Instituts sehen dabei nicht die Aufnahme des Zuckers durch Obst, sondern in Erfrischungsgetränken mit hohem Fructoseanteil als Problem. "Vorreiter sind die USA", sagt Schürmann. "Da ist es schon vor vielen Jahren aufgefallen und es nimmt kontinuierlich zu, aber inzwischen ist es auch in Europa so, dass die Allgemeinbevölkerung dicker geworden ist und dass auch das Ausmaß der Adipositas zugenommen hat. Eine der Ursachen könnte der erhöhte Fructosekonsum sein."

In den USA sei der Verzehr von fructosehaltigem Mais-Sirup, der oft zum Süßen von Erfrischungsgetränken benutzt wird, in einem Zeitraum von 20 Jahren um mehr als 1000 Prozent gestiegen. "Der Grund, warum die Fructosekonzentration in unseren Nahrungsmitteln angestiegen ist, liegt daran, dass die Fructose für die Industrie günstiger ist. Sie hat drei Vorteile: Sie schmeckt süßer als Glucose, sie ist länger haltbar und sie ist günstiger." Sie rät der Bevölkerung "auf Softdrinks zu verzichten oder zumindest weniger süße Getränke zu konsumieren."

Fructose-Malabsorption ist weit verbreitet
"Die Hälfte der Erwachsenen kann täglich nicht mehr als 25 Gramm Fructose absorbieren", erklärt der Mannheimer Allergologe Florian-Walter Velten. Zwar entwickele nur wiederum die Hälfte der Betroffenen klinische Symptome. Bei diesen stelle sich jedoch bei jeder Fructoseüberlastung ein Reizdarmsyndrom ein - mit Übelkeit, Krämpfen, Blähungen und Durchfällen. Die Ursache dafür liege letztlich in der Art und Weise, wie der Fruchtzucker im Darm verarbeitet werde.

Während Glukose, aktiv unter Energieaufwand aus dem Darmhohlraum in die Zellen der Darmwand aufgenommen werde und von dort ins Blut gelange, werde die Fructose lediglich passiv transportiert. "Fruchtzucker wird daher niemals vollständig aus der Nahrung aufgenommen", erklärt Velten.

Zum Problem werde dies bei Menschen, die über eine vergleichsweise geringe Zahl bestimmter Transportproteine in den Zellen der Darmwand verfügten. Prinzipiell könne jedoch jeder, der die Transportkapazität der Proteine durch den Konsum großer Mengen an Fructose überlaste, Symptome eines Reizdarms entwickeln. Je größer das Ungleichgewicht zwischen Fructosekonsum und Fructosetransport, desto mehr Fructose verbleibe im Darm, sagt der Arzt. Dort werde der Zucker zu kurzkettigen Fettsäuren und verschiedenen Gasen abgebaut. Diese Stoffwechselprodukte lösten letztlich das Reizdarmsyndrom aus.

Natürlicherweise kommt Fructose hauptsächlich in Obst und Gemüse vor. Velten sieht daher die Empfehlung, dass eine gesunde Ernährung immer auch viel Obst und Gemüse enthalten sollte, durchaus kritisch. Auf mögliche Unverträglichkeiten sollte zumindest hingewiesen werden, fordert der Mediziner.

Industriezucker darf ab 2017 ungezügelt in die EU
© dpa Video
Invasion aus dem Supermarkt (Beitrag vom 9. Oktober 2015)
Der Ernährungsmediziner Dr. Gerd Claußnitzer warnt vor dem Industriezucker Isoglucose: Er kann Fettleber und Diabetes auslösen helfen. Er enthalte große Mengen Fruchtzucker, der "in der Leber verstoffwechselt wird", wie Claußnitzer erläutert. "Es entstehen Fettabbauprodukte, diese werden in der Leber gespeichert und das wird zur Fettleber. Außerdem führen diese Fettabbauprodukte zu einer Hemmung der Insulinwirkung."

In den USA warnen Mediziner bereits auf der Internetseite "Sugarscience" mit dem Beinamen "die ungesüßte Wahrheit": "Zu viel Fruktose, eine gebräuchliche Form von Zucker, kann der Leber schaden so wie zu viel Alkohol." Dort listen sie auch auf, dass ein US-Bürger im Jahr 30 Kilogramm Zucker konsumiere - dabei geht es allein um zugesetzten Zucker. 15 bis 18 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr kommen in den USA heute durch Zucker, früher waren nur 3 bis 4 Prozent gewesen, sagt der kalifornische Pädiatriker Prof. Robert Lustig.

Derzeit regelt die EU-weite Zuckerquote ein System aus Mindestpreisen und Mengensteuerungen: Isoglucose darf fünf Prozent des Zuckermarkts in Europa ausmachen. Diese EU-Zuckerquote soll jedoch 2017 fallen; das Handelsabkommen TTIP könnte das gleiche bewirken.

Glossar
Glucose
Die Glucose gehört in die chemische Gruppe der Zucker, der in diesem Falle aus sechs Kohlenstoff-besteht, die in Ringform mit einem Sauerstoff-Atom vorliegen (Pyranosering).
Mediathek
VideoHersteller verstecken Zucker unter vielen Namen
Beitrag vom 7. Februar 2013
Glossar
Fructose
Fructose ist - wie "handelsüblicher" Zucker, die Glucose, ein Zuckermolekül mit sechs Kohlenstoff-Atomen. Zusammen mit der Glucose bildet es auch die Saccharose.
Zucker
Süßer Süchtigmacher
"Hohe Mengen Zucker können Suchtverhalten auslösen", zitiert der Biologe Prof. Rainer Spanagel das Ergebnis von Versuchen an Ratten.
Vollkornbrot
Ballaststoffe halten den Zucker gefangen
Vollkornbrot macht länger satt, weil die vielen Ballaststoffe die Kohlenhydrate praktisch "einschließen".
Mediathek
VideoGewichtszunahme
32,8 Prozent der Mexikaner gelten als übergewichtig. Sie haben damit die Einwohner der USA überrundet, von denen "nur" 31,8 Prozent als übergewichtig gelten. (Beitrag vom 19. Juli 2013)
Literatur