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Frau schluckt Pille © dpa Video
Die Pille erhöht das Thromboserisiko (Beitrag vom 18. Februar 2016)
Pille in der Kritik
Junge Frau klagt gegen den Pharmariesen Bayer
Eine junge Frau kämpft vor Gericht gegen den Pharmakonzern Bayer. Dessen Antibabypille habe sie fast getötet. Sie ist nicht die einzige. Der Prozess könnte Jahre dauern.
Felicitas Rohrer klagt vor dem Landgericht im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen gegen den börsennotierten Chemie- und Arzneimittelkonzern Bayer. Die von dem Unternehmen vertriebene Antibabypille "Yasminelle" soll verantwortlich sein dafür, dass Rohrer nach monatelanger Einnahme des Verhütungsmittels 2009 beinahe starb. Die Folgen spürt die frühere Tierärztin, die ihren Beruf nicht mehr ausüben kann, nach Gerichtsangaben bis heute. Eine ganz ähnliche Geschichte hat Kathrin Weigele erlebt.

Drospirenon kann Thrombosen verursachen
© dpa Lupe
Mit ihrem Vorgehen gegen den Riesen aus Leverkusen sehen sich die beiden Frauen stellvertretend für viele Frauen. Sie kämpfen gegen den umstrittenen Wirkstoff Drospirenon. Dieser ist in vielen Medikamenten enthalten, auch in der millionenfach eingenommenen Pille "Yasminelle". Das Problem: Drospirenon kann Thrombosen verursachen. Das Risiko ist höher als bei früheren Pillen mit anderen Wirkstoffen. Um zu informieren haben sie eine Internetseite ins Leben gerufen, auf der sich Betroffene austauschen können.

Rohrer nahm das Mittel zur Schwangerschaftsverhütung im Oktober 2008 erstmals ein. Im Juni 2009 kam der Kollaps: Rohrer brach zusammen und ihr Herz hörte auf zu schlagen. Die junge Frau, damals 25 Jahre alt, war klinisch tot. Nur durch eine mehrstündige Notoperation konnte ihr Leben gerettet werden. Sie ist überzeugt, dass Drospirenon ihr Leid verursacht hat. "Yasminelle" sei damals als Lifestyle-Produkt vermarktet worden, erinnert sie sich vor Gericht. Eine harmlose Pille mit Schminkset und farbiger Broschüre. Dass Thrombose und damit Lebensgefahr drohe, habe der Hersteller verschwiegen.

Erwartet wird ein langwieriger Prozess
Das Gericht sucht nun Beweise, will Sachverständige hinzuziehen. Bereits im Juni 2011 hat Rohrer Klage eingereicht, seither beschäftigt sich die Justiz mit dem Fall im Schriftverkehr. Es ist ein Prozess mit Gutachtern und Sachverständigen, der als schwierig und langwierig gilt. "Es ist ein Berg, der vor uns liegt", meint der Rechtsanwalt von Bayer, Henning Moelle, mit Blick auf das Verfahren. Die Hinweise auf Thrombose-Gefahr durch Drospirenon finden sich inzwischen im Beipackzettel.

In der Pharmasparte des Bayer-Konzerns gehören die Verhütungsmittel "Yaz", "Yasmin" und "Yasminelle" zu den großen Umsatzbringern des Unternehmens. Allerdings befinden sich die Präparate seit sie in die Kritik geraten sind auf Schrumpfkurs. Auf dem deutschen Markt werden alle drei Mittel vertrieben. Die Kontrazeptiva werden Bayer zufolge millionenfach in mehr als 100 Ländern eingenommen.

Tausende Frauen hatten Bayer in den USA wegen gesundheitlicher Probleme nach Einnahme der Pillen "Yasmin" und "Yaz" auf Schadensersatz verklagt. Ohne Schuldeingeständnis zahlte der Konzern in einem Vergleich insgesamt 1,9 Milliarden US-Dollar. Auch in Deutschland gingen Frauen gerichtlich gegen das Unternehmen vor. Zwischen Januar 2014 und August 2015 wurden drei Schadensersatzklagen aber entweder abgewiesen oder zurückgezogen und damit zugunsten von Bayer entschieden. Ähnliche Fälle gab es auch in der Schweiz und in Frankreich.

Glossar
Antibabypille
Antibabypillen hemmen den monatlichen Eisprung der Frau. Sie enthalten zumeist eine Hormonkombinationen aus Östrogenen und Gestagenen.
Glossar
Thrombose
Thrombosen sind Blutgerinsel, die in Venen entstehen; dort können sie ein Gefäß verstopfen. Oft entstehen sie in den Beinen, wenn das Blut langsam fließt, sich staut und "verklumpt".
Die Pille
"Kein Lifestyle-Produkt"
Moderne Antibabypillen bergen nach Darstellung des Arzneimittelexperten Gerd Glaeske für Frauen ein doppelt so hohes Risiko gefährlicher Nebenwirkungen wie ältere Präparate.
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