Paar im Bett © colourbox.de
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In Seminaren lernen Teilnehmer, wie man der Schlaflosigkeit Herr werden kann.
Gut durch die Nacht
Ärzte raten zu Entspannung bei Schlaflosigkeit
Seminare helfen, Vertrauen zu entwickeln, dass der Schlaf kommt, und heilen so Schlaflosigkeit, sagt der Münsteraner Schlafmediziner Dr. Hans-Günter Weeß.
Wesentlich sei die Entspannung, was auch der Freiburger Schlafforscher Prof. Dieter Riemann bestätigt: Die Die Weckschwelle ist bei schlafgestörten Menschen niedriger. Zwei Drittel der Teilnehmer schlafen nach dem Seminar besser.

Entspannung statt Pille zum Einschlafen
Monitor
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Gruppengespräche und Messungen sollen gegen Schlaflosigkeit helfen.
Bei Schlafstörungen können gezielte Entspannungstechniken einer Studie zufolge weniger Medikamente nötig machen, haben Regensburger Schlafmediziner 2012 bestätigt. Nach dreiwöchiger Behandlung hätten die Patienten bei der von der Universität Regensburg geleiteten Untersuchung im Durchschnitt nur noch 2,6 Tabletten statt 3,6 pro Woche genommen, berichteten sie. Die mittlere Zeit bis zum Einschlafen sei von 74 auf 27 Minuten gesunken, die mittlere Schlafdauer von 5,0 auf 6,6 Stunden gestiegen. An der Untersuchung hatten 2690 Patienten und 550 Allgemeinarztpraxen teilgenommen.

Therapeutische Maßnahme sollen langfristig wirken
Bei der Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) spielten verhaltenstherapeutische Maßnahmen eine ganz große Rolle, sagt der Freiburger Mediziner Prof. Dieter Riemann. Während nach dem Absetzen der Medikamente Schlafstörungen wiederkehrten, könnten therapeutische Maßnahmen langfristig wirken. Ein wichtiges Mittel hierbei ist nach Angaben Prof. Göran Hajaks (Regensburg) die Stimuluskontrolltherapie. "Dazu gehört, dass der Patient sich nur bei Müdigkeit hinlegt und nicht länger als eine Viertelstunde wach im Bett liegen bleibt", erläuterte Hajak.

Zur wichtigen "Schlafhygiene" zählt Riemann zufolge, nachts nicht auf den Wecker zu schauen. Außerdem sollten die von Schlafstörungen Geplagten sich nicht hinlegen, in der Hoffnung dann insgesamt länger schlafen zu können. "Sinnvoller ist es, kürzer ins Bett zu gehen", sagte Riemann.

Nach Angaben der Schlafforscher leiden rund zehn Prozent der Deutschen unter Schlafstörungen. Vor allem Frauen klagten über Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Für die gravierenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern in diesem Bereich kämen zum einen biologische Ursachen in Frage: Hormone etwa haben großen Einfluss auf den Nachtschlaf. Zum anderen seien Frauen empfindlicher für solche Probleme, suchten vermutlich in solchen Situationen früher einen Arzt auf als Männer.

Die Folgen anhaltender Schlaf-Wach-Störungen seien nicht nur Symptome wie Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen oder erhöhtes Unfallrisiko. Schlaflosigkeit könne auf die Dauer auch zu ernsthaften gesundheitliche Problemen führen, so die Regenburger Schlafmediziner. Bei Menschen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden schlafen, erhöhe sich das Sterblichkeitsrisiko um 30 Prozent. Fast jeder dritte Patient mit Tageschläfrigkeit entwickle eine Depression.

Schlafstörung sind oft Vorläufer der Depression
Menschen, die ein Jahr lang an einer unbehandelten Schlafstörung leiden, haben ein drei- bis viermal höheres Risiko als Gesunde, an einer Depression zu erkranken. "Am Ende erschöpft sich der Mensch in seiner Schlaflosigkeit", sagte 2009 der Regensburger Schlafmediziner Prof. Göran Hajak. Leider sei es gesellschaftlich noch immer stigmatisiert, sich als schlafgestört zu outen. Das sei das Gleiche wie bei psychischen Erkrankungen.

Als behandlungsbedürftig gelten Schlafstörungen, die dreimal pro Woche über den Zeitraum von vier Wochen auftreten, erläuterte der Mediziner. "Jemand, der einmal in der Woche eine schlechte Nacht hat, muss nicht unbedingt behandelt werden." Patienten sollten sich zuerst an ihre Hausärzte wenden. Acht Millionen Menschen in Deutschland gelten laut Hajak als "schwer schlaflose Patienten".

Schlafhygiene
Riten und Regeln
"Einschlafrituale sind wichtig", sagt die Hamburger Schlafmedizinerin Dr. Britta Tiburtius. Es gebe einige Tipps, um gut und regelmäßig einzuschlafen.
Glossar
Schlafstörungen
Für Schlafstörungen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) bisher 40 verschiedene Ursachen festgestellt worden.