Beratung Lupe
Die Kinder Drogenabhängiger müssen lernen, ihre Probleme zu artikulieren
Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern
Hilfsprojekte lehren den Umgang mit Problemen
Kölner und Hamburger Wissenschaftler haben das Präventionsprojekt "Trampolin" für Kinder suchtkranker Eltern entwickelt.
Hier lernen Kinder einen angemessenen Umgang mit Emotionen und Problemen sowie Strategien für ihr Verhalten in der Familie. Vor allem drei Aspekte sind es, die den Kindern helfen können, mit der schwierigen Situation im Elternhaus zurechtzukommen, sagt Prof. Michael Klein vom Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung: die liebevolle, dauerhafte Beziehung zu einem vertrauten Erwachsenen. Die Begegnung mit anderen Betroffenen und die Erfahrung, mit seinen Erlebnissen nicht alleine dazustehen. Und nicht zuletzt die Möglichkeit, selbst wieder Spaß am Leben zu finden, Erfolge zu haben, sich kreativ auszudrücken und falsche Schuldgefühle zu überwinden.

Auch Henning Mielke vom Verein "Nacoa Deutschland" betont: "Schuldgefühle sind das Einfallstor für eine eigene Sucht. Das Risiko, selbst später süchtig zu werden, ist für diese Kinder hoch. Aber sie haben auch Ressourcen - und die müssen gestärkt werden."

Seit 2010 erprobten 27 Beratungsstellen in Deutschland das Trampolin-Angebot. Im Vergleich zu den herkömmlichen Hilfen biete es eine Kurzzeitintervention. Für die Kinder gebe es neun Module, in denen sie erfahren, wie Alkohol und Drogen wirken und wo sie Hilfe finden können. Das Interventionsprogramm wurde vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule NRW und dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erarbeitet.

Gewalt, Vernachlässigung und Schamgefühle
In Deutschland leben 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit alkoholabhängigen Eltern zusammen. 50.000 Kinder hätten ein Elternteil, das Drogen nimmt. "Kinder erleben in diesen Familien häufig Gewalt und Vernachlässigung und haben Schamgefühle", so Klein. "Sie sind dann häufig besonders gefährdet, im Jugendalter eigene Suchtprobleme zu entwickeln."

"Anhand vieler US-Studien wissen wir, dass etwa ein Drittel der Betroffenen selbst eine Suchtstörung entwickelt, oft schon früh in der Jugend", sagt Klein. Ein Viertel der Kinder aus Suchtfamilien leidet später an anderen psychischen Störungen wie Ängsten, Depressionen oder Psychosen. "Deren Hintergrund wird von den Betroffenen aber oft gar nicht erkannt oder erst viel später, schon in den Dreißigern." 40 Prozent, so Klein, bleiben gesund. "Wenn auch nicht unbedingt glücklich."

"In den Schulen beispielsweise wird das Problem bislang kaum erkannt", sagt Klein. In den USA ist man schon weiter. "Im Staat New York gibt es spezielle Unterstützungsprogramme für lernschwache Schüler, in denen auch die Suchtproblematik immer berücksichtigt wird. Das Wissen um diese besondere Problemgruppe ist in Deutschland so noch gar nicht vorhanden", sagt Mielke. "Unser Hilfesystem ist nicht familienorientiert. Es wird nur der Einzelfall behandelt", kritisiert Klein.

Deshalb sind es zurzeit vor allem Kinder aus Familien mit Drogenproblemen, denen Hilfe zukommt, weil dort beim Entzug offizielle Stellen eingreifen. Das Thema Alkohol hingegen läuft diskreter. "Wir erreichen nur einen Bruchteil, vielleicht acht bis zehn Prozent, der Familien mit Alkoholproblem. Und davon wiederum nur einen kleinen Teil der Kinder."

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