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Interview
Birgit Blome ist Pressesprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation
"Wir wollen aufrütteln und motivieren"
Interview mit Birgit Blome von der DSO
Birgit Blome hat für die Stiftung "Fürs Leben" einen Werbespot für die Organspende produziert. nano sprach mit ihr über die Hintergründe.
Wie haben Sie Michael kennengelernt? Warum haben Sie ihn für das Projekt ausgewählt und was für eine Idee steckt hinter der Online-Kampagne?
Birgit Blome:
Wie Sie sich vorstellen können, haben wir länger nach einem Patienten gesucht, mit dem wir diese Kampagne umsetzen konnten. Michael war aber sofort begeistert von der Idee und hat spontan zugesagt, mitzumachen. Er will sich für das Thema einsetzen und mit seinem Engagement erreichen, dass mehr Menschen aufmerksam werden und sich mit der Frage nach Organspende auseinandersetzen. Es ist nicht einfach, sich auf einer Liege, angeschlossen an einem Demo-Dialysegerät, den ganzen Tag von Passanten beschauen zu lassen. Aber Michael hat das toll und voller Überzeugung getan. Das ist wirklich bewundernswert. Dazu kommt, dass er sehr kommunikativ und auch selbst im Social Web unterwegs ist.
Die Idee hinter der Kampagne ist, die Wartesituation der Patienten auf der Warteliste mit der Situation der Reisenden zu spiegeln, die auf eine U-Bahn oder S-Bahn warten. Nur: Die einen warten Minuten und die anderen Jahre – und viele sogar vergeblich. Mit dem Video wollen wir die Menschen aufrütteln und motivieren, sich über Organspende zu informieren. Patienten wie Michael könnte geholfen werden, wenn sich mehr Menschen für Organspende entscheiden und dies dann auch in einem Organspendeausweis dokumentieren würden.
Wie bewertet die DSO die neuen gesetzlichen Regelungen? Wäre eine andere Lösung, etwa die Widerspruchslösung, in Ihren Augen für Deutschland überhaupt in Frage gekommen?
Wir denken, dass die Novellierung des Transplantationsgesetzes ein richtiger und wichtiger Schritt ist. Bisher mussten die Menschen von sich aus aktiv werden, jetzt sollen sie in regelmäßigen Abständen von ihrer Krankenkasse aufgefordert werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zu treffen. Diese Forderung ist legitim, letztendlich würden auch neun von zehn Menschen eine Organspende dankbar annehmen, wenn sie dadurch gerettet würden. Voraussetzung für eine stabile Entscheidung ist jedoch nach wie vor eine ausreichende und umfassende Information.
Die Widerspruchsregelung wäre unserer Einschätzung nach zu weit gegangen und auch nur schwer durchsetzbar. In diesem Fall würde eine Nichtäußerung mit einer Zustimmung gleichgesetzt, was für viele Menschen ethisch nicht vertretbar wäre.
Die Strukturen und die Organisation der Organspende in Deutschland sind in die Kritik geraten, seit das Thema in diesem Jahr verschärft in die Medien gekommen ist. Was meinen Sie: Gibt es Handlungsbedarf – wenn ja, welchen genau?
Die Organspende und Transplantation sind sehr sensible Themen, die Vertrauen und absolute Transparenz erfordern. Fakt ist, dass kaum ein Bereich in der Medizin so transparent organisiert und aufgestellt ist wie die Organspende. Jeder Schritt wird genau dokumentiert und ist durch das deutsche Transplantationsgesetz streng geregelt, alle Richtlinien werden veröffentlicht. Die Koordinierung der Organspende untersteht der DSO, für die Verteilung der Organe nach festgelegten medizinischen Kriterien ist Eurotransplant verantwortlich und die Transplantation selbst wird von den Kliniken vorgenommen.
Trotzdem steht die Organspende schnell unter Generalverdacht, gleichgültig ob es sich um diffuse Ängste handelt, dass mit Organen gehandelt werden könnte oder Organspender zu schnell medizinisch aufgeben werden könnten. Beides ist in Deutschland garantiert nicht der Fall. Aber dies hängt sicher auch damit zusammen, dass ethische Fragestellungen mit den Problemen der knappen Ressourcen und der Verteilungsgerechtigkeit verknüpft werden. Fakt ist aber: Es sterben jeden Tag statistisch gesehen drei Menschen, die mit einer Organspende hätten gerettet werden können.
Was ist Ihr Appell an die nano-Zuschauer?
„Jeder sollte sich überlegen, ob er in der Situation von Michael dankbar eine Organspende annehmen würde. In diesem Fall sollte man auch bereit sein, sich intensiver mit dieser Frage zu beschäftigen und für sich eine Entscheidung zu treffen. Dies ist auch wichtig, um die eigenen Angehörigen zu entlasten, die ansonsten im Falle eines Falles um eine Entscheidung gebeten werden - und das inmitten einer Situation der Trauer, des Verlustes und der Verzweiflung. Und man sollte sich auch überlegen, ob es nicht ein schöner Gedanke ist, anderen Menschen zu helfen, wenn einem selbst nicht mehr geholfen werden kann.
Gewissensfrage
Spender gesucht
Alle deutschen Krankenversicherten ab 16 Jahren werden vom Sommer 2012 an von ihren Krankenkassen schriftlich befragt, ob sie Organspender sein wollen.
Glossar
Nierentransplantationen
Seit der ersten Nierentransplantation 1963 in Deutschland sind laut Bundesgesundheitsministerium 98.951 Organe übertragen worden (Stand August 2010).
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