Arzt mit Petrischalen Video
Auf einmal war Ehec da - Mediziner mussten lange nach der Ursache suchen
Ab jetzt mit Plan
Bund und Länder wollen nach Alarm-Plan aufstellen
Ein Jahr nach dem Ausbruch der lebensgefährlichen Ehec-Epidemie wollen Bund und Länder einen Alarm-Plan aufstellen, um Seuchen effektiver bekämpfen zu können.
Künftig solle es klare Regeln zur Bildung einer "Task Force Lebensmittelsicherheit" von Bund und Ländern in Krisenfällen geben, kündigte Bernhard Kühnle vom Bundeslandwirtschaftsministerium im April 2012 an. Zudem solle geregelt werden, wer in Bund und Ländern mit welchen Informationen an die Öffentlichkeit gehe, um Verwirrungen zu vermeiden. Im Herbst sollten die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern einen entsprechenden Beschluss fassen.

Kompetenzen sind über Deutschland verteilt
Die Überwachung ist in der föderalen Republik nicht gut genug organisiert, wie der Bundesrechnungshof moniert. Die allererste Verantwortung liegt bei den Herstellern. In eigenen Qualitätskontrollen müssen sie zum Beispiel regelmäßig Proben nehmen und darauf achten, dass Kühlketten eingehalten werden. Aufgabe des Staates ist dann die "Kontrolle der Eigenkontrolle". Zuständig sind die 16 Bundesländer, die dafür aber jeweils unterschiedliche Strukturen aufgebaut haben. Mehr als 400 Stellen sind bundesweit mit der Aufsicht über Lebensmittel und der Produktion von Tierfutter betraut und nehmen jährlich 400.000 Betriebe unter die Lupe.

Das Zusammenspiel zwischen Bund, Länder und Kommunen ist kompliziert. In die Firmen kommen die Lebensmittel- und Veterinärkontrolleure der Kreise und Städte. Fachaufsicht und Koordination liegen etwa bei den Regierungspräsidien und letztlich beim zuständigen Landesministerium.

Der Bund muss dafür sorgen, dass Vorgaben der EU umgesetzt werden, und bei entdeckten Gefahren in Deutschland die europäischen Partner alarmieren. Einen Gesamtüberblick, selbst zur Zahl der Mitarbeiter auf allen Ebenen, haben aber auch Fachleute nicht. "Derzeit wissen wir noch nicht einmal, welches Bundesland gut aufgestellt ist und als Vorbild dienen kann", beklagt FDP-Ernährungsexpertin Christel Happach-Kasan.

Zusehends dominieren große Hersteller und Handelsriesen den Lebensmittelmarkt, die ihre Rohstoffe weltweit einkaufen und Waren jenseits der Grenzen verkaufen. In Konzernen gelten die eigenen Kontrollen als sehr professionell - bei Fehlern sind die Folgen aber besonders weitreichend und treffen schnell Zehntausende Verbraucher quer durch die Republik. Die Überwachung sollte daher nicht allein beim örtlichen Ordnungsamt liegen, empfiehlt der Bundesrechnungshof. Für Discounter, Ketten von Supermärkten und Schnellrestaurants soll es neue, länderübergreifende "Spezialeinheiten" geben.

Mediziner haben aus EHEC ihre Lehren gezogen
Die Medizin habe aus der EHEC-Epidemie, die durch importierte Bockshornkleesamen aus Ägypten ausgelöst wurde, Lehren gezogen, sagte Joachim Röther von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). "Wir haben ein neues Krankheitsbild kennengelernt, das wir nun schneller diagnostizieren können." Vor allem Blutwäsche habe sich als Therapie bewährt.

Eine weitere Lehre sei, dass nach der Diagnose von EHEC Neurologen hinzugezogen werden müssen. Auch Patienten, die nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen, könnten durch die Krankheit neurologisch beeinträchtigt werden.

Lehren aus EHEC
"Einfach zu wenig Laboruntersuchungen"
Ein Diagnose-Überwachungssystem und Labortests nach Arztbesuchen seien bei EHEC sinnvoll, sagt Christina Frank vom Robert-Koch-Institut.
Glossar
Ehec-Erreger HUSEC041
Enterohämorrhagische Escherichia coli-Keime (Ehec) sind eine sehr gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Eine Ehec-Infektion kann Durchfälle auslösen.
Chronik
Die Jagd auf EHEC
Im Mai 2011 schreckt ein neuer, aggressiver Lebensmittel-Keim in Deutschland Ärzte und Forscher auf: 53 Menschen sterben, 3800 erkranken an EHEC.