Versuchsperson Video
Man sieht es einem Probanden an den Gehirnwellen an, wie gut er gelernt hat
Lernen nach dem Schlaf
Erst der Tiefschlaf festigt die Erinnerungen
Im Tiefschlaf lernen wir, hat der Tübinger Psychologe Prof. Jan Born herausgefunden. "Schlaf ist ein aktiver Vorgang, da passiert viel", behauptet er.
So übernehmen Gehirnwellen in der Tiefschlafphase eine Filterfunktion. Diese Delta-Wellen treffen eine Auswahl, was vom tagsüber Erlebten und Gelernten, das in einem vorläufigen Speicher aufbewahrt wird, im Langzeitgedächtnis landet. Nur dort befinden sich "Erlebnisse, an die man sich erinnern kann, oder Vokabeln, die man gelernt hat", weiß Born. Damit widerspricht Born der bislang vermuteten Vorstellung, man lerne in der Traumphase (REM-Phase).

"Die Delta-Wellen ermöglichen, dass man am nächsten Tag einen anderen Blick auf die Dinge hat", fand er heraus. Dieses Ergebnis brachten Versuchspersonen ans Licht, die vor dem Schlafengehen ein Zahlenrätsel lösen sollten. Jene Gruppe, die nachts wach blieb, konnte das Rätsel auch am nächsten Tag nicht lösen. Die andere Gruppe schlief eine Nacht darüber - sie meisterte das Rätsel.

"Kinder schlafen viel und tief, denn bei ihnen spielt der Schlaf eine große Rolle beim Lernen", so Born. Schließlich müssten Babys und Kleinkinder viel Neues aufnehmen. "Beispielsweise schlafen sie, um sich das Gehen und Sprechen anzueignen", meint der Forscher. Umgekehrt bestätigen ältere Menschen Borns Erkenntnisse: "Senioren können sich Dinge schlechter merken, weil sie weniger intensive Tiefschlafphasen haben."

Zudem helfe gute Laune, sagt der Ulmer Psychologe Dr. Markus Kiefer: Zwar könne man auch mit schlechter Laune gut auswendig lernen, aber: "Wenn es darum geht, Informationen kreativ zu verändern, ist eine positive Stimmung ganz zentral."

Die richtige Dosis Schlaf hält zudem noch gesund
Müde Menschen sind häufiger krank, lauten die Ergebnisse des Regensburger Forschers Jürgen Zulley. Dieser Schlafexperte plädiert zudem für einen Mittagschlaf. Falsch sei, dass man umso gesünder sei, je länger man schlafe. Ebenso fegt er die Legende weg, Hochbegabte brauchten weniger Schlaf. Vielmehr meint Zulley, der bis vor kurzem Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Psychiatrischen Universitätsklinik Regensburg war: "Weder zu viel noch zu wenig Schlaf sind gesund."

Eine durchschnittliche Schlafdauer von sieben Stunden hält er für sinnvoll. Zwei Stunden mehr oder weniger gibt Zulley den Lang- oder Kurzschläfern. Fünf Stunden sind damit Zulleys Schlafminimum. Schlafen wir weniger, "können wir uns Dinge einfach schlechter merken". Zu wenig Schlaf mache zudem krank. Unter anderem leide das Immunsystem. "Schlechtschläfer sind drei mal so oft erkältet wie Gutschläfer", lautet Zulleys Erkenntnis.

Außerdem altern Menschen schneller, wenn sie wenig schlafen: Im Schlaf produziert der Körper die meisten Wachstumshormone - und die braucht der Mensch zur Zellerneuerung. Besonderen Wert legt der Regensburger auf den Mittagsschlaf. Um diese Uhrzeit stecke man im biologischen Tief. Der Kreislauf sei labiler, und es würden mehr Fehler gemacht. Deshalb rät der Professor zu einem Nickerchen, das zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde dauern sollte. "Damit wird die Leistungsfähigkeit um 30 Prozent gesteigert und das Risiko an Herz-Kreislauf-Störrungen zu erkranken, um 30 Prozent gesenkt", betont Zulley.

Interaktiv
Zwei Hälften, ein Denken
Unser menschliches Gehirn hat drei Hauptstrukturen: den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie das Großhirn, das aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Funktionen besteht.
Info
Für seine Erkenntnisse erhielt Born 2009 den Leibnitz-Preis.
mehr zum Thema