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Die Themen der Sendung
2. September 2014
Gehirnscans Video
Die Folgen einer Kindesmisshandlung lassen sich im Gehirn nachweisen
Es bleibt nur Wut
Das Gehirn von Missbrauchsopfern reagiert anders
Missbrauchsopfer reagieren stärker auf Wut, sagt der US-Entwicklungspsychologe Prof. Dante Cicchetti. "Zorn spielt eine große Rolle in ihrem Leben."
"In den Fällen, in denen Misshandlungen im ersten Lebensjahr stattfanden, wurden bei misshandelten Kindern weniger Gene exprimiert als bei denen, die später misshandelt wurden." Dies könne den Hormonhaushalt im Gehirn beeinflussen.

"Narben" im Gehirn: Misshandlung hinterlässt Spuren
Ärzte vor Scanner Video
Mediziner haben bleibende Schäden durch Misshandlung gefunden
Überaktives Angstzentrum, verkleinerte Gehirnareale: Kindesmisshandlungen verändern das Gehirn der Opfer über Jahrzehnte, so Forscher der Uni Münster. Noch Jahrzehnte nach dem Missbrauch zeigten die Opfer diese Veränderungen, berichten die Wissenschaftler. Die Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt, um den Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und späteren psychischen Erkrankungen zu erklären.

Für ihre Studie untersuchten die Münsteraner Forscher 148 psychisch gesunde Erwachsene. Mit einem Fragebogen ermittelten sie, ob ein Proband als Kind misshandelt wurde. Dann konfrontierten die Forscher die Testpersonen mit Fotos von wütenden oder furchtvollen Gesichtern und maßen gleichzeitig die Aktivität der Amygdala, des Angstzentrums im Gehirn: Bei misshandelten Probanden schlug das Angstzentrum deutlich heftiger Alarm als bei Personen, die als Kind nicht misshandelt wurden.

Folgen einer Überreaktion des Hirns sind dramatisch
"Dieser Zusammenhang zwischen einem hypersensiblen Mandelkern und Kindesmisshandlung wurde bisher noch nie bei gesunden Menschen nachgewiesen", erklärt der Psychiater Udo Dannlowski, einer der Autoren der Studie. Lediglich bei Ratten, die man sehr früh von den Müttern getrennt hat, und bei misshandelten, bereits depressiv erkrankten Menschen gab es schon ähnliche Befunde. Die Folgen einer solchen Überreaktion seien dramatisch: "Die Betroffenen fürchten sich schneller, haben einen stärkeren Schreckreflex, haben Angst vor Nähe zu anderen Menschen und sind im Alltag ängstlicher als andere Menschen." Alles in allem ein Leben in Alarmbereitschaft.

In einem zweiten Versuchsteil untersuchten die Münsteraner Forscher die Größe bestimmter Bereiche im Gehirn. Bei Missbrauchsopfern waren bestimmte Gebiete signifikant kleiner als bei anderen Menschen. Zu demselben Schluss kommt eine Studie US-amerikanischer Forscher. Betroffen waren unter anderem der Hippocampus, der für das Lernen zuständig ist, aber auch der Stirnlappen, der eigentlich das Angstzentrum kontrollieren soll. "Kleinere Gehirnareale bedeuten weniger Zellen und das führt tendenziell zu einer schlechteren Funktion des betroffenen Gebietes", sagt Udo Dannlowski.

Beide Ergebnisse - ein sensibles Angstzentrum und verkleinerte Gehirnbereiche - kennen die Forscher bereits: von Patienten mit Depressionen und Angstzuständen. In den Ergebnissen könnte also der Schlüssel liegen für eine biologische Erklärung des Zusammenhangs zwischen Misshandlungen im Kindesalter und späteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen.

Interaktiv
Zwei Hälften, ein Denken
Unser menschliches Gehirn hat drei Hauptstrukturen: den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie das Großhirn, das aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Funktionen besteht.
nano spezial vom 22. April 2010
Schutzlos ausgeliefert?
Das nano spezial "Kindesmissbrauch - Schutzlos ausgeliefert" geht der Frage nach, in welchen Situationen und Institutionen es zu Missbrauch kommt.
Ausgezeichnet
Forschungspreis aus der Schweiz
Für seine Arbeiten erhält Cicchetti am 7. Dezember 2012 den mit einer Million Euro dotierten Jacobs-Forschungspreis.
Literatur