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H5N1-Viren © reuters Lupe
Forscher können Viren im Labor ansteckender und aggressiver machen
Grenzen setzen
Deutscher Ethikrat zu Viren aus dem Labor
Der Deutsche Ethikrat fordert Grenzen für Forschung, bei der die Gefahr von Viren künstlich erhöht wird. Chancen und Risiken müssten abgewogen werden.
In einer Stellungnahme des Gremiums heißt es, die Ergebnisse solcher Forschung könnten nicht nur zum Nutzen des Einzelnen und der Gesellschaft angewandt, sondern auch in Schädigungsabsicht missbraucht werden. Das Gremium sieht vor allem die Wissenschaftler selbst in der Pflicht, mahnt aber auch gesetzliche Regelungen an.

Hintergrund der Stellungnahme waren Forschungen von US-amerikanischen und niederländischen Biologen am Vogelgrippevirus 2012. Die Forscher erzeugten mutierte Varianten des für den Menschen höchst gefährlichen H5N1-Virus', die über die Luft zwischen Säugetieren übertragbar waren und nicht wie in der Natur vorkommend nur über engen Körperkontakt von Menschen mit infiziertem Geflügel. Befürchtungen, Ergebnisse solcher Forschung könnten auch beispielsweise für Biowaffen missbraucht werden, lösten eine Debatte über Grenzen der Virenforschung aus.

Auch der Ethikrat teilt diese Sorge und resümiert in seiner Stellungnahme, dass weder nationales noch Europa- oder Völkerrecht diesen Missbrauch bislang verhindern könnten. Die 26 Mitglieder plädieren einstimmig dafür, das Bewusstsein der Forscher für den sensiblen Bereich zu schärfen. Woopen sagte, dies sei nötig, da nicht bei jedem Projekt sofort zu erkennen sei, dass Fragen der Biosicherheit betroffen sein könnten.

Im zweiten Schritt fordert der Ethikrat einen Kodex, auf den sich die Wissenschaft verpflichten soll. Wirksam soll er unter anderem dadurch werden, dass Forschungsvorhaben nicht gefördert werden, wenn sie mit dem Kodex nicht vereinbar sind. Dem Gesetzgeber schlägt das Gremium die Einrichtung einer Kommission vor. Sie soll bei Forschungsvorhaben, die Risiken für die öffentliche Gesundheit bergen, beraten. Nach Ansicht des Ethikrats sollte sie an eine bestehende Institution, beispielsweise das Robert-Koch-Institut, angebunden werden.

Virenforscher beenden Forschungspause
Forscher im Schutzanzug Video
Das Virus ist umstritten, weil es in den falschen Händen gefährlich sein könnte
Im Januar 2013 haben die Wissenschaftler angekündigt, nach einem Jahr Unterbrechung wieder an ddm besonders gefährlichen Vogelgrippe-Virus forschen zu wollen. In Labor-Experimenten war ein sehr aggressives Virus entstanden, das sich unter Frettchen rasend schnell verbreitet hatte und viele von ihnen tötete. Aus Angst vor Bioterrorismus hatten die Wissenschaftler um Ron Fouchier von der Erasmus-Universität in Rotterdam im Januar 2012 die zunächst nur auf 60 Tage angelegte Pause angekündigt und sie dann verlängert. Während der Forschungspause sollten Maßnahmen entwickelt und beschlossen werden, die verhindern, dass diese gefährliche Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1 in falsche Hände gerät.

Bei zahlreichen Konferenzen sei das Thema besprochen worden und die Weltgesundheits-Organisation (WHO) habe bereits Sicherheitsrichtlinien für die weitere Forschung erstellt, heißt es. Der H5N1-Erreger entwickle sich in der Natur weiter und könne gefährlich werden. "Wissenschaftler, die die Erlaubnis ihrer Regierungen und Institutionen haben, ihre Forschungen unter den angebrachten Sicherheitsbedingungen auszuführen, haben eine Verpflichtung gegenüber dem öffentlichen Gesundheitswesen, diese wichtige Arbeit wieder aufzunehmen."

Wie gefährlich das Virus für den Menschen ist, wissen die Forscher noch nicht. Das Problem sei nun einmal komplex, hatte der US-amerikanische Wissenschaftler Anthony Fauci kürzlich erläutert. Er leitet das Nationale Forschungsinstitut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) in Bethesda. "Zunächst einmal wissen wir bisher nur, dass das neue Virus bei Frettchen so einfach übertragbar ist. Wie das beim Menschen ist, ist ja noch gar nicht erforscht." Beim natürlichen Erreger sei das Risiko der Übertragung von Mensch zu Mensch sehr gering, sagt Fauci. Aber wenn das neue Supervirus - und das vermuteten die Wissenschaftler - sich auch beim Menschen derart rasend schnell verbreiten würde, dann würde es eine enorme Gefahr darstellen.

Mediathek: Bio-Hacker
VideoGentechnik für alle
Im Genlabor der Amsterdamer Waag-Gesellschaft können Laien gentechnisch arbeiten. So soll die Biotechnik demokratisiert werden, sagt Gründer Pieter van Bohemeen.
Mediathek
VideoDie Daten sind frei
Das US-Wissenschaftsmagazin "Science" hat die letzte von zwei kontroversen Studien über die Züchtung aggressiver Vogelgrippe-Viren veröffentlicht. (Beitrag vom 22. Juni 2012)
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VideoGespräch mit Alexander Kekulé
Zum Thema sprachen wir am 25. Januar 2013 mit dem Virologen Alexander Kekulé von der Uni Halle.
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