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Grafik Video
Botenstoffe aus dem Bauchraum wirken bis in unser Denkorgan
Der Bauch denkt mit
Nerven und Botenstoffe verbinden Darm und Gehirn
Der Darm beeinflusst das Gehirn und damit das menschliche Verhalten. 95 Prozent des Botenstoffs Serotonin im menschlichen Körper wird im Magen-Darm-Trakt produziert.
Wahrscheinlich entfaltet das im Bauchraum produzierte Serotonin seine Wirkung auch im Gehirn. Ein hoher Serotoninspiegel lässt die Stimmung steigen und vertreibt schlechte Laune und Depressionen.

Nervenzellen im Magen-Darm-Trakt denken mit
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Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern wohl auch Glücksgefühle
"Der Magen-Darm-Trakt ist mit dem Gehirn in vielfacher Art und Weise in beide Richtungen verbunden", sagt der Grazer Neurogastroenterologe Prof. Peter Holzer. Die Nervenzellen der Darmwand münden in den Vagusnerv und damit in das limbische System. "Das limbische System ist bei der Verarbeitung von Darminformationen immer involviert", sagt der Tübinger Psychologe Prof. Paul Enck. Darum sorgen Schmerzsignale aus Magen und Darm auch für schlechte Stimmung, berichtet Holzer.

Das Darmsystem selbst ist unabhängig, sucht aber Kontakt zum Gehirn und versucht, Nervenverbindungen aufzubauen. Diese bestehen zu neunzig Prozent aus aufsteigenden - afferenten - Nervenfasern, die Informationen vom Darm zum Gehirn liefern. Zehn Prozent der Fasern liefern Informationen vom Gehirn zurück zum Darm.

Dieses "Bauchhirn" kann auch Erinnerungen speichern und ist somit unserem zentralen Denkorgan noch ähnlicher als ohnehin schon vermutet, stellten Forscher der Tiermedizinischen Hochschule Hannover fest. "Es hat Nervenzellen, die etwas aufnehmen können, auf etwas reagieren, etwas wahrnehmen können; es hat Nervenzellen, die diese Information verarbeiten und Nervenzellen, die Muskulatur aktivieren oder hemmen", schildert Prof. Michael Schemann.

Paul Enck: "Man kann sich glücklich essen"
Die Zusammensetzung der Darmflora entscheidet mit über unsere Stimmungen, so der Tübinger Psychologe Prof. Paul Enck: Signalstoffe zwischen den Bakterien wirken auch auf die Zellen der Darmwand. Und er meint: "Man kann sich glücklich essen, indem man eine ausgewogenen Ernährung hat und dafür sorgt, dass dem Körper alle Bestandteile zugeführt werden, die er braucht, um glücklich zu sein."

Bei Stress reagiert der Darm mit erhöhter Aktivität. Der Dünndarm treibt dann die Verdauungsreste beschleunigt voran und will sie möglichst schnell loswerden. Vermutlich ist das eine vorbeugende Maßnahme, um in Krisensituationen weniger Arbeit zu haben. Bei einer Vergiftung übermittelt das Darmhirn Notsignale an das Großhirn, das Übelkeit oder Erbrechen veranlasst.

Ein direkter Draht zwischen Darm und Immunsystem
Zahlreiche Immunzellen im Gewebe um den Darm sind bei Mäusen unmittelbar mit Nervenfasern und Nervenzellen verknüpft. Vermutlich, so Dr. Kurt Dittmar vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, lägen die Verhältnisse beim Menschen nicht viel anders als bei der Maus: Auch hier geht man davon aus, dass Gehirn und Psyche auf das Immunsystem einwirken. "Für viele Infektions- und Autoimmunkrankheiten ist im klinischen Alltag ein Zusammenhang zwischen der Psyche und der Schwere der Krankheit bekannt."

Über Einzelheiten dieses Wechselspiels wollen die Helmholtz-Forscher auf der Basis ihrer Arbeit dennoch nicht spekulieren: "Wir wissen noch nicht, wie das Nervensystem die Immunabwehr steuert", sagt Dittmar. "Die Erforschung dieser Wechselwirkungen steht erst ganz am Anfang." Eher schon könnten die erforschten Zellkontakte in naher Zukunft Aufschluss über manche Infektionsprozesse geben: "Krankheitserreger wie Prionen, die den Rinderwahn auslösen, gelangen über den Darm in das Nervensystem. Vielleicht zeigt sich, dass sie den Weg über die Lymphknoten des Darms nehmen - und dabei die Nerven-Lymphgefäß-Verbindungen nutzen, die wir gefunden haben."

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Das Streben nach Glück
Partnerschaft macht glücklich, Kinder nicht, Sport und Alkohol ebenfalls und ein wenig Geld schadet nicht. Ingolf Baur geht auf die Suche nach dem Glück.
Geschmackserinnerung
Der Darm wird unterschätzt: Auch er schmeckt mit
"Das Darmhirn schmeckt insofern, weil es wie ein Sensor auf die Zusammensetzung der Nahrung reagieren kann", erläutert Humanbiologe Michael Schemann. Und genau darauf sind all die Fertigsaucen, Trockensuppen oder Dosenkonserven nicht optimiert - sondern auf den Geschmack.
Literatur
Ma B et al (2007) Immunohistochemical Study of the Blood and Lymphatic Vasculature and the Innervation of Mouse Gut and Gut-Associated Lymphoid Tissue. Anat Histol Embryol 36: 62 - 74
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