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© ap Video
Krebs ist häufige Folge von Strahlenbelastung
Schlimmer als gedacht
Schilddrüsenkrebs nach Fukushima
Bei Kindern in der Nähe des zerstörten Reaktors Fukushima wurde 20 bis 50 Mal so häufig Schilddrüsenkrebs diagnostiziert als statistisch zu erwarten wäre.
Nach dem Atomunglück von Fukushima im März 2011 versicherte die japanische Regierung immer wieder: Die freigesetzte Strahlung wird keinesfalls zu mehr Krebserkrankungen in der Umgebung führen. Doch vier Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima steigt dort die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs.

Die meisten der 370.000 Kinder in der Präfektur Fukushima erhielten nach dem Unglück Vorsorgeuntersuchungen mit Ultraschall. Statistiken vom August 2015 zeigten, dass bei 137 Kindern Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde oder der Verdacht darauf besteht. Ein Jahr zuvor waren es noch 25 Kinder weniger. Normalerweise taucht die Erkrankung geschätzt nur bei einem oder zwei von einer Million Kindern pro Jahr auf. Die japanische Regierung hatte bei der hohen Zahl auf den "Screening-Effekt" verwiesen. Dabei wird davon ausgegangen, dass durch die Massenuntersuchung Krankheitsfälle aufgedeckt werden, die sonst erst später auffallen.

Zweifel am "Screening-Effekt"
"Das sind mehr als erwartet und es steigert sich schneller als erwartet", sagt der Epidemiologe und Hauptautor der Studie, Toshihide Tsuda. "Das sind 20 bis 50 Mal Mal so viele wie normalerweise zu erwarten wären." Die Studie wurde in dieser Woche im Internet veröffentlicht, gedruckt erscheint sie in der November-Ausgabe des Magazins "Epidemiology", das von der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie herausgegeben wird.

Wissenschaftlich ist es unmöglich, einen einzelnen Krebsfall auf Verstrahlung zurückzuführen. Verstärkte Vorsorgeuntersuchungen wie in Fukushima führen dazu, dass Tumore schneller gefunden werden. Dieser Screening-Effekt führt damit zu höheren Fallzahlen. Die Schilddrüsenuntersuchungen waren nach Regierungsangaben nur eine Vorsichtsmaßnahme. Tsuda erklärt, die jüngsten Resultate der Kontrollen ließen Zweifel an den Beteuerungen der Regierung aufkommen.

Wissenschaftler bewerten Studie unterschiedlich
So erklärt der amerikanische Professor für Epidemiologie Scott Davis in derselben Ausgabe des Fachmagazins, der vorliegenden Studie mangele es an individuellen Daten, um die tatsächliche Strahlenbelastung der Kinder abschätzen zu können. Davis schließt sich den Einschätzungen der WHO und des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung an, die beide vorhersagten, die Krebsraten in Fukushima würden etwa gleich bleiben.

Der Radiologe Professor David Brenner ist anderer Meinung. Zwar findet auch er, dass die Strahlenbelastung der einzelnen Kinder geschätzt werden müsse. Aber er ist sich sicher, dass die höhere Anzahl an Krebsfällen in Fukushima nicht allein auf das Screening zurückführen ist.

Am 11. März 2011 waren Fukushima und angrenzende Provinzen im Nordosten Japans von einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem Jahrhundert-Tsunami heimgesucht worden. 15.000 Menschen starben. In dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zu Kernschmelzen.

Interview
"Krebs hat kein Herkunftssiegel"
nano sprach mit dem Mediziner Dr. Alex Rosen von IPPNW über das Schilddrüsenkrebsrisiko nach dem Atomunfall von Fukushima.
Gast
VideoZum Thema sprachen wir am 26. November 2012 mit dem Mainzer Strahlenmediziner Prof. Mathias Schreckenberger.
Mediathek
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