Spritzbesteck © dpa Video
Das aus Russland stammende "Krok" dient Drogensüchtigen als Heroinersatz
"Krokodil" beunruhigt die Drogenfahnder
Verdacht auf Droge in Bochum nicht bestätigt
Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat intensivere Ermittlungen zur Droge "Krok" gefordert.
Derzeit sei über die Vertriebswege noch sehr wenig bekannt, sagte Wendt. Die Polizei müsse klären, ob die Droge zielgerichtet nach Deutschland eingeführt worden sei und verbreitet werden sollte oder ob es sich "um einen einmaligen Fall" handle. Auch die Bochumer Polizei hat bisher keine neuen Erkenntnisse über die Herkunft der gefährlichen Droge "Krokodil".

Der Konsum von "Krok" mache nicht nur sehr schnell süchtig, sondern habe schwere Weichteilschädigungen zur Folge, sagte Wendt weiter. Im weiteren Verlauf würden die Organe absterben. Drogensüchtigen dient das bisher vor allem in Russland verwendete "Krok" als Heroinersatz.

Das Rauschmittel - mit dem Betäubungsmittel Desomorphin - werde illegal aus dem in Russland frei erhältlichen Codein und weiteren Stoffen wie Benzin aufgekocht, berichtete die Leiterin der Bochumer Drogenhilfe, Silvia Wilske. Da die Produzenten die Verunreinigungen im Stoff nicht entfernen, komme es schon nach wenigen Injektionen zu großflächigen Gewebeschäden. Arme oder Beine sterben rund um die Einstichstelle ab und müssen amputiert werden.

Nach russischen Medienberichten haben "Krok"-Abhängige in der Regel eine nur noch kurze Lebenserwartung. In manchen Fällen ende bereits der erste Kontakt mit der Droge tödlich.

Bisher keine Hinweise auf "Krok" in Bochum
Vier Drogenkonsumenten hatten sich in Bochum mit Symptomen gemeldet, die auf einen "Krok"-Konsum schließen ließen, sie litten unter großflächigen Haut- und Gewebeschäden. Die Ermittler bezweifeln aber die Aussagen der vier Betroffenen, die Drogen am Bahnhof gekauft zu haben, wie ein Polizeisprecher sagte. Dabei könne es sich um Schutzbehauptungen handeln, um die wahre Quelle nicht preiszugeben. Es sei auch möglich, dass die Betroffenen die Droge selbst gemischt hätten. Neue Fälle seien bisher nicht bekannt. Tests auf "Krok" bei sichergestellten Drogen seien negativ verlaufen.

Bisher war die Droge nach Polizeiinformationen bereits in Frankfurt am Main angeboten worden, hatte dort aber kein Aufsehen erregt. In Russland wird sie seit längerer Zeit gedealt und soll dort bereits Hunderte von Abhängigen getötet haben.

Glossar
Droge "Krokodil"
Die Drogenmischung "Krok" aus Kodein, Benzin, rotem Phosphor und Schwermetallen stammt aus Russland, wo Tausende davon abhängig sind.
Gast
Zum Thema sprachen wir am 17. Oktober 2011 mit Bernd Werse vom "Centre For Drug Research" der Goethe-Universität Frankfurt.
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